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Meißen: AfD-Stimmenfang mit Luftschloss

Für eine Umfrage zum Gästehaus am Schloss Proschwitz erfindet der Landtagsabgeordnete Thomas Kirste (AfD) Varianten, die nicht zur Debatte stehen.

Sollen ersetzt werden: Die Gebäude auf dem Proschwitzer Mühlenareal könnten bald Platz machen für ein Gästehaus, welches sich der dörflichen Architektur anpasst. Ein Luftschloss ist nicht geplant.
Sollen ersetzt werden: Die Gebäude auf dem Proschwitzer Mühlenareal könnten bald Platz machen für ein Gästehaus, welches sich der dörflichen Architektur anpasst. Ein Luftschloss ist nicht geplant. © Claudia Hübschmann

Meißen. Wer die Grafik auf dem Bürgerfragebogen "Hotelbau Proschwitz" studiert, dürfte glauben, die Qual der Wahl zu haben. Drei Varianten werden dort zu einem "möglichen Bauvorhaben im Bereich der Gemarkung Proschwitz" aufgeführt. Er wolle die Diskussion aufgreifen und versachlichen, erläutert der Meißner AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste. Gleichzeitig erinnert er daran, dass sich Meißen um den Titel als Weltkulturerbe bewerben wolle. Dabei spiele der Blick vom Burgberg eine wesentliche Rolle. Er bitte aus diesem Grund um die Meinung der Einwohner und Bürger.

Ohne, dass er den Namen von Unternehmer Georg Prinz zur Lippe nennt, kann sich Kirstes Umfrage nur auf dessen in der Region heiß diskutiertes Projekt beziehen. Sachsens größter Privatwinzer möchte das Schlossareal in Proschwitz vor allem für Tagungsgäste attraktiver machen und dazu ein Gästehaus auf dem ehemaligen Mühlenareal sowie am Brigadehäuschen errichten. Dieses solle sich an den vorhandenen Strukturen im Dorf orientieren. So ist es in einem Brief an die Nachbarn zu lesen, mit dem Georg Prinz zur Lippe und Alexandra Prinzessin zur Lippe jetzt auf den Bürgerfragebogen des AfD-Landtagspolitikers reagieren.

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Der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste hat eine Umfrage begonnen. Er bittet um Ansichten zu den Plänen des Weinguts Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe, ein Gästehaus auf dem Mühlenareal zu errichten. Allerdings existieren die benannten Varianten nicht
Der AfD-Landtagsabgeordnete Thomas Kirste hat eine Umfrage begonnen. Er bittet um Ansichten zu den Plänen des Weinguts Schloss Proschwitz Prinz zur Lippe, ein Gästehaus auf dem Mühlenareal zu errichten. Allerdings existieren die benannten Varianten nicht © Scan: SZ

"Gleich in mehrerlei Hinsicht" habe sich in den AfD-Bogen "der Fehlerteufel eingeschlichen", heißt es aus dem Weingut. Die Befragung beziehe sich auf zwei Bauvarianten, "die es gar nicht gibt". Wie in dem Schreiben weiter zu lesen ist, wolle man in der Öffentlichkeit richtigstellen, wie die Baupläne aussehen, welche aktuell dem Meißner Stadtrat vorliegen. Es gehe nicht - wie in der zu Kirstes Fragebogen angehängten Grafik dargestellt - um einen Hotelkomplex, sondern lediglich um ein Gästehaus zum Übernachten. Weder am Weinberg noch auf dem Parkplatz am Schloss sei zudem an eine Tiefgarage gedacht. Der Parkplatz war nie als Standort für das Gästehaus vorgesehen, teilt das Unternehmerpaar mit.

Irreführend ist die Darstellung des Parlamentsabgeordneten noch in einer weiteren Hinsicht. Bezüglich der am weitesten südlich gelegenen und mit der Signalfarbe rot gekennzeichneten Variante suggeriert Kirste, diese würde den "unverbauten Burgblick" gefährden. Erneut gibt es Widerspruch aus dem Haus zur Lippe. Demnach liege der Neubau einer ersten Visualisierung zufolge im Weichbild des Proschwitzer Panoramas, da seine Höhe bewusst analog zur Höhe der Dorfgebäude angelegt wurde. "Der unverbaute Burgblick bleibt gleichfalls erhalten, da die bestehenden Gebäude ja nur ersetzt werden", wird die Argumentation fortgeführt. Man spreche über bereits bebautes Gelände, das sich im eigenen Besitz befinde.

Welterbe bezieht sich auf Porzellantradition

Hinzu kommt: Selbst wenn neue Gebäude auf den Proschwitzer Höhen entstehen sollten, die von der Albrechtsburg aus zu sehen wären, erscheint es eher unwahrscheinlich, dass diese einen möglichen Titel Meißens als Weltkulturerbe gefährden könnten. Die Bewerbung Meißens konzentriert sich ausdrücklich auf die Albrechtsburg, das Kornhaus, die Häuser auf der Südseite des Burgberg-Ensembles, die Schlossbrücke und das Haus am Hohlweg 3 sowie das Betriebsgelände der Porzellan-Manufaktur im Triebischtal.

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Anhand dieser Gebäude und ihres Innenlebens soll die Bewerbung nachweisen, dass von hier wesentliche Impulse für die Herstellung des europäischen Hartporzellans sowie der Entwicklung der Porzellankultur ausgingen. Das sollte eigentlich auch dem kulturpolitischen Sprecher der AfD-Landtagsfraktion bekannt sein. Kirste selbst unterstützt schließlich die Idee, im derzeit leerstehenden Kornhaus das Welterbezentrum der Stadt einzurichten.

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