merken
PLUS Meißen

Alarmstufe Rot - Existenz in Not!

Die Corona-Maßnahmen haben die Kulturszene hart getroffen. Niederaus Kulturhausbetreiber hat sich jetzt zu einem schweren Schritt entschlossen.

Gritt Würdig-Pelz und Hagen Pelz betreiben nebenberuflich das Kulturhaus Niederau. Durch Corona kam der große Einbruch.
Gritt Würdig-Pelz und Hagen Pelz betreiben nebenberuflich das Kulturhaus Niederau. Durch Corona kam der große Einbruch. ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Niederau. Das ist schon mehr als ein Hilferuf: "Alarmstufe Rot -Existenz in Not!" ist auf der Facebookseite von Hagen Pelz zu lesen. Der 46-Jährige  und seine Frau Gritt Würdig-Pelz betreiben seit 2008 nebenberuflich das Kulturhaus in Niederau. Damals hatte das Ehepaar die ehemalige Gaststätte gekauft und zu einem Kulturhaus umgebaut. Außerdem organisieren sie Veranstaltungen auf dem Gellertberg und am Wasserschloss.

Dass Kultur auf dem Land eine schwierige Sache ist, das merkten die beiden von Anfang an. Der Saal fasst 200 Besucher, das ist ausreichend für Niederau, aber viel zu wenig,  um sich teure Künstler leisten zu können.  Und dann kam auch noch Corona und damit die große Krise. "Unter den derzeitigen Bedingungen ist es praktisch kaum noch möglich, Kulturveranstaltungen durchzuführen", sagt der Niederauer. Doch das Kulturhaus habe sich schon vor Corona nicht gerechnet. "Im Grunde war es immer ein Zuschussgeschäft. Wir konnten die Verluste nur durch die Veranstaltungen auf dem Gellertberg ausgleichen", sagt Hagen Pelz. 

Arbeit und Bildung
Alles zum Berufsstart
Alles zum Berufsstart

Deine Ausbildung finden, die Lehre finanzieren, den Beruf fortführen - Hier bekommst Du Stellenangebote und Tipps in der Themenwelt Arbeit und Bildung.

Jährlich 50.000 Euro Fixkosten

Im Kulturhaus waren praktisch keine Veranstaltungen möglich, später dann nur welche mit wenigen Gästen. Die Betriebskosten aber liefen weiter. Zwischen 40.000 und 50.000 Euro kommen da locker zusammen. "Meine Frau und ich haben lange nachgedacht, kamen zu dem Schluss, dass das Haus uns beherrscht und dass es so nicht weitergehen kann", sagt er.  Und hat sich schweren Herzens zu einem einschneidenden Schritt entschlossen. Er und seine Frau wollen das Haus verkaufen. "Es gab Leute, die hatten gehofft, dass es die Gemeinde erwirbt und ein Vereinshaus daraus macht. Ein solches gibt es ja in Niederau nicht", so Hagen Pelz. Doch der Gemeinderat, dem er selbst angehört,  hat das Angebot dankend abgelehnt.  

Nun also wird das Kulturhaus über einen Makler im Internet angeboten. Das Haus hat  auf 738 Quadratmetern zehn Zimmer. Die Grundstücksfläche beträgt 1.309 Quadratmeter.  Zwei, drei Interessenten hätten sich gemeldet, Konkretes gibt es noch nicht. "Mir wäre es sehr lieb, wenn das Haus weiter kulturell genutzt würde. Aber das kann man einem Käufer natürlich nicht vorschreiben", sagt Hagen Pelz. Im Moment sähe es jedenfalls nicht danach aus. Die bisherigen Interessenten wollten es für Wohnzwecke nutzen.  

In dem Haus gibt es auch Pensionszimmer und Gewerberäume. Eine Fußpflege ist  eingemietet, Gritt Würdig-Pelz betreibt  einen Friseursalon. Deswegen hatte sie einst ihr Ladengeschäft in Radebeul aufgegeben. Inzwischen ist sie als Friseurin fest angestellt, betreibt den Niederauer Salon nur noch maximal zwei Tage in der Woche im Nebengewerbe.  

Hagen Pelz hatte sich schon vor einiger Zeit mit dem Gedanken getragen, seinen Job zu kündigen und als Selbstständiger Kulturveranstaltungen durchzuführen. Heute ist er heilfroh, dass er das nicht gemacht hat. Eine Selbstständigkeit sei durch Corona erst einmal in weite Ferne gerückt, sagt er.

Er hofft, die wenigen Veranstaltungen,  die bis Jahresende geplant sind, trotz eines möglichen Verkaufs noch durchführen zu können. Für nächstes Jahr hat er nichts im Kulturhaus geplant. So muss sich auch der Karnevalsverein wohl um ein neues Domizil kümmern. 

"Nicht zusehen, wie alles den Bach runtergeht"

Nicht jeder in der Gemeinde will dem Verkauf tatenlos zusehen. "Wenn das Kulturhaus zumacht, geht wieder ein Stück Kultur in Niederau verloren", sagt der Niederauer  Thomas Claus. Er möchte eine Spendenaktion für das Kulturhaus starten, weiß aber, dass diese nur temporär helfen würde. Deshalb schwebt ihm vor, eine Art Beteiligungsgesellschaft ins Leben zu rufen. "Das Kulturhaus ist doch das `Baby`von Hagen Pelz. Wenn er es jetzt verkaufen will, muss die Situation schon prekär sein", sagt er. 

Weiterführende Artikel

"Wie Beifall klatschen ohne laut zu machen"

"Wie Beifall klatschen ohne laut zu machen"

Nach 37 Jahren fällt der Niederauer Fasching im November erstmals aus. Grund ist nicht nur der Verkauf des Kulturhauses.

Die Kulturmacher von Niederau

Die Kulturmacher von Niederau

Gritt Würdig-Pelz und ihr Mann Hagen betreiben seit sechs Jahren das Kulturhaus in Niederau. Und machen sich damit nicht nur Freunde.

Ob er für seine Vorschläge Mitstreiter findet und diese bei Familie Pelz auf offene Ohren treffen, ist eher ungewiss.  "Es hängen viele Emotionen dran, der Verkauf tut mir in der Seele weh. Aber ich sehe keinen anderen Weg", sagt Hagen Pelz. 

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier. 

Mehr lokale Nachrichten aus Riesa lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Großenhain lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen