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Bürgerbühne im Brettspielformat

Eine Designerin aus Weimar entwickelt seit Jahren ein Spiel. Kurz vor dem Lockdown ist sie nach Meißen gezogen. Nun erscheint ihre Theaterbühne fürs Wohnzimmer.

Veronika Hohmann ist stolz. Sie hat nach fünf Jahren ihr Herzensprojekt im Eigenverlag veröffentlicht. Auch wenn Kollegen ihr davon abrieten: Für die freiberufliche Designerin war es die richtige Entscheidung.
Veronika Hohmann ist stolz. Sie hat nach fünf Jahren ihr Herzensprojekt im Eigenverlag veröffentlicht. Auch wenn Kollegen ihr davon abrieten: Für die freiberufliche Designerin war es die richtige Entscheidung. © Claudia Hübschmann

Meißen. Für Veronika Hohmann war die Corona-Pandemie eine Chance. Denn die Zeit des Lockdowns hat sie kreativ genutzt. Die Diplom-Designerin hat ihre Spielidee umgesetzt, die sie schon seit fünf Jahren beschäftigt. Mit "Spielzeit, die Theaterbühne für das Wohnzimmer" möchte sie gern etwas Farbe in den tristen Corona-Alltag bringen, wie sie selbst sagt. Das Brettspiel soll das Theater ins Wohnzimmer holen. Ohne ihre Tochter wäre das Spiel aber nicht entstanden.

"Meine Tochter und mich verbindet eine große Theaterleidenschaft", sagte sie in ihrem Arbeitszimmer. Sie besuchten oft gemeinsam Stücke. Tauschten sich darüber aus. Zudem spielt ihre Tochter selbst Theater. So auch auf der Bürgerbühne in Dresden. Die diente als Vorbild für das Theater-Spiel der 55-Jährigen. Auf der Dresdner Bürgerbühne entwickeln professionelle Regisseure gemeinsam mit Laienschauspielern ein Theaterstück. Dem Intendanten des Dresdner Staatschauspiels hat Veronika Hohmann das Brettspiel schon vorgeführt. Joachim Klement wäre begeistert gewesen, denn seine erste Theatergruppe hieß ebenso "Spielzeit". Aber auch das Spielkonzept habe ihm gefallen.

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Verschiedene Clubs auf der Bürgerbühne

In dem Brettspiel geht es darum, viele kleine Theaterauftritte im eigenen Wohnzimmer entstehen zu lassen. Das fängt damit an, dass der Gastgeber jedem Spieler am Anfang eine Garderobenmarke mit Farbe und Nummer zufällig überreicht. Diese bestimmt zugleich den Startpunkt des Spiels. Danach zieht jeder der Spieler maximal zehn Spielkarten, die entscheidend für die Auftritte sind. Sie beschreiben die unterschiedlichen Theaterclubs der Bürger: vom besorgten über den weltreisenden hin zum sportlichen Bürger. Die thematischen Clubs sind typisch für eine Bürgerbühne und bestimmen den Spieleabend im Wohnzimmer. Mittels kleinerer Auftritte gemeinsam mit einem Partner kreiert ein Spieler ein Rätsel, das alle anderen erraten müssen. Dafür gibt es Punkte.

So funktioniert "Spielzeit":

Veronika Hohmann möchte mit ihrem Spiel möglichst viele Menschen ansprechen. Deshalb seien die Clubs auch so gestaltet, dass jeder damit etwas anfangen kann, wie Club der kochenden Bürger oder der gärtnernden Bürger. Zudem sollen die Spieler frei sprechen lernen und ihre Meinung selbstbewusst vertreten, erklärt sie weiter. "Jeder sollte seinen Auftritt haben." Davor brauche sich niemand zu fürchten. "Auftrittsangst haben wir alle", sagt Veronika Hohmann. Man werde dafür aber mit der Aufmerksamkeit der Mitspieler belohnt.

Eine Spielzeit-Pause im Lockdown

Aber es gehe ihr nicht vorrangig ums Schauspielern. Die Spieler werden dazu angeregt, miteinander ins Gespräch zu kommen und zuzuhören. "Das kommt den Menschen seit Längerem abhanden. Ich möchte sie mit dem Spiel dazu anregen." Braucht es zum Miteinandereden ein Brettspiel? Notwendig sei es nicht, aber eine wunderbare Gelegenheit, seine Nachbarn, Freunde oder Bekannte auf spielerische Weise kennenzulernen, so die Designerin. "Über das Spiel verbinden sich die Menschen, hören zu und erschaffen gemeinsam eine eigene Wirklichkeit."

Das Spielbrett ist absichtlich simpel gehalten. Denn in "Spielzeit" kommt es auf die Mitspieler an und ihre Kreativität sowie Spielfreude.
Das Spielbrett ist absichtlich simpel gehalten. Denn in "Spielzeit" kommt es auf die Mitspieler an und ihre Kreativität sowie Spielfreude. © Veronika Hohmann

Zudem trügen Spiele dazu bei, aus dem Alltag auszusteigen und in eine Parallelwelt einzutauchen. Und das gemeinsam und nicht virtuell. Ihr Wunsch wäre es deshalb, dass sich künftig die Menschen gegenseitig einladen, um ihr Brettspiel zu spielen. Sie überlege gerade, Postkarten mit ihrem Spielmotiv zu entwickeln. "Es wäre doch schön, den Nachbarn nicht nur beim Heckenschneiden zu begegnen."

In der fünfjährigen Entwicklung des Spiels gab es zahlreiche Spielerprobungen, sagt Veronika Hohmann. "In diesen habe ich mich darüber gefreut, dass Menschen, die sich schon lange kannten, Neues übereinander erfahren haben." Wenn zum Beispiel die Großmutter beim Spielen über ihre Reisen in der Jugend erzählt und die Enkel dabei große Augen machen. Oder die Nachbarin, die dienstlich ein E-Bike bekommen hat, und das zum Thema ihres Theaterspiels macht. "Es hätte sonst keinen Anlass für ein Gespräch darüber gegeben." Auch Wünsche würden so ausgedrückt, so die Spieleentwicklerin. "Eine aktuelle Lieblingskarte von jüngeren Leuten ist die zum Thema Feiern." Kein Wunder. Zwar sind Schulen wieder geöffnet, doch Discotheken bleiben wohl bis auf Weiteres geschlossen. Wenn es weiter so viele Neuinfektionen gibt.

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"Spielzeit, die Theaterbühne für das Wohnzimmer" erscheint im Eigenverlag. Gedruckt bei Elbtal Druck und Kartonagen. Das Spiel kostet 21,50 Euro, für Schüler, Studenten und Geringverdiener 2021 nur 16,50 Euro, zuzüglich drei Euro Versandkosten. Mit einer E-Mail an Veronika Hohmann können Sie das Spiel bestellen oder über das Bestellformular online. Zudem verkauft es auch das Dresdner Geschäft "Catapult" in der Dresdner Neustadt, Rothenburger Straße/Böhmische Straße. Weitere Läden sollen folgen.

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