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Die Cowboys starten wieder durch: Mit Liebe, Lust & Laster!

Truck Stop kommen zum Konzert in die Coswiger Börse und haben ihr 45. Studioalbum im Gepäck.

Europas führende Countryband Truck Stop geht auf Jubiläumstour-45 Jahre Truck Stop. Zu sehen sind sie live in der Börse Coswig am 11. Dezember 2021. So ist es jedenfalls geplant.
Europas führende Countryband Truck Stop geht auf Jubiläumstour-45 Jahre Truck Stop. Zu sehen sind sie live in der Börse Coswig am 11. Dezember 2021. So ist es jedenfalls geplant. © Andreas Weihs

Von Andreas Weihs

Sie sind Europas dienstälteste und erfolgreichste Country-Band, eine musikalische Institution: Truck Stop. In einem normalen Jahr geben die sechs „Cowboys von der Waterkant“ bis zu 70 Konzerte, im Dezember kommen sie auch live in die Börse Coswig. So ist es jedenfalls geplant.

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Soeben haben die Nordlichter ihr 45. Studioalbum „Liebe, Lust & Laster“ (Telamo) veröffentlicht. Mit 14 neuen Songs und abwechslungsreichen, teils humorvollen Texten, die einer eigenen klaren Handschrift folgen. Hier hat die Band ein Erfolgs-Team gefunden, dass verschiedenste Themen einfühlsam und mit gut gewählten Worten in ansprechende Liedtexte gießt. Texte, die kleine Alltags-Geschichten erzählen, Geschichten von Freiheit, Sehnsucht, Fernweh und auch Heimatverbundenheit.

Über das neue Album, Online-Konzerte und Corona sprachen wir mit Bassist und Sänger Uwe Lost.

Was habt ihr im Corona Jahr 2020 gemacht?

Ich selbst war viel mit dem Wohnmobil unterwegs, habe viel Sport getrieben. Aber wir haben im Sommer auch schon ein paar Wochen an unserer Album-Idee gebastelt und aufgenommen. Im Juli haben wir uns einmal im Studio getroffen und gemeinsam die Grund-Tracks eingespielt. Als die fertig waren, hat jeder von uns in seinem eigenen Studio noch weiter daran gearbeitet. Ich habe zum Beispiel in meinem Studio die ganzen Chöre gemacht, gemeinsam mit meinem Sohn Florian. Knut hat in seinem Heimstudio noch mal die Steel Gitarre ausgebessert, Chris hat in Südtirol seine Gitarren gemacht, und in einem großen Studio in Hamburg wurden die ganzen Spuren dann zusammengelegt und abgemischt.

Ist eine Plattenproduktion in Pandemie Zeiten anders als sonst?

Im Prinzip schon, aber ich muss sagen, dass auch unsere letzten vier CDs so entstanden sind, wie die aktuelle. Das geht auch nicht anders, wenn die Leute so weit auseinanderwohnen: Der Gitarrist in Südtirol, unser Geiger in Kiel, ich wohne im Norden in Schleswig-Holstein, die anderen wohnen im Süden in Niedersachsen, da bleibt uns gar nichts anderes übrig. Studio Zeit, um gemeinsam eine CD zu erarbeiten, ist sehr teuer. Aber dadurch, dass wir zum Teil eigene Studios haben, bietet sich an, dass man zumindest das, was man zu Hause machen kann, nämlich seine eigenen Aufnahmespuren zu bearbeiten, auch dezentral macht. Die Technik ist heute so, dass du nicht mehr unbedingt zusammen im Studio sein musst.

Während eines Auftritts: Band-Gründungsmitglied Teddy Ibing, ...
Während eines Auftritts: Band-Gründungsmitglied Teddy Ibing, ... © Andreas Weihs
... Tim Reese (li.) und Andreas Cisek ...
... Tim Reese (li.) und Andreas Cisek ... © Andreas Weihs
... sowie Knut Bewersdorff.
... sowie Knut Bewersdorff. © Andreas Weihs

Seid ihr selbst als Musiker und Band zufrieden mit dem Album?

Für mich ist die CD endlich mal wieder Gott sei Dank „back to the roots“. Es sind ein paar einfach zu verstehende Songs, textmäßig wie auch Musiken, dabei. Unsere ersten Alben waren doch sehr rockig angehaucht, und für unser eigentliches Stammpublikum vielleicht ein bisschen zu kompliziert. Insofern bin ich sehr froh über unser jetziges Album, das vielleicht nicht ganz zu den Anfängen, aber zumindest zu der eigenen Handschrift von Truck Stop zurückgekehrt ist.

Würdest du jetzt, wo die CD veröffentlicht ist, gern noch etwas daran verändern?

Das ist eine gute Frage! Man ist nie zufrieden mit einem Endmix. Du kannst dich mit einem Mix über Wochen, über Monate, über Jahre beschäftigen. Und jedes Mal denkst du: Ich würde da und dort noch was machen. Irgendwann muss man sich entscheiden und sagen: Das ist es jetzt. Aber auch nach mehrmaligem Hören, kann ich sagen: Das ist wirklich eine gelungene CD! Ich habe das Gefühl, es ist eine klare Handschrift bei den Songs zu erkennen, was wir während des Komponierens noch nicht wussten. Es ist also wirklich ein Zufallsprodukt, dass die Songs von der Stimmung her und von den Texten so gut zueinander passen.

Ihr habt auch wieder hochkarätige Texter im Team …

Es sind immer wieder gute Leute dabei. Es ist auch einfach schön, dass viele verschiedene Texter dabei sind, denn ansonsten würde man sich irgendwo in einem Kreis drehen, wo man nicht wieder herauskommt. Man braucht mal frische Ideen von draußen. Wir nehmen auch nur die Texte, wo wir genau wissen, die sprechen unsere Sprache. Das ist genau das Ding: Truck Stop hat eine eigene Sprache.

Hast du einen Lieblingstitel auf dem Album?

Ja! „Liebe Lust & Laster“, der ist wirklich sehr schön und auf unser Truck Stop Publikum gemünzt. Dann natürlich die Single „Mein Zuhaus“. Die habe ich geschrieben mit Burkhart Brozat, der auch schon für Peter Maffay geschrieben hat. Beide Titel haben natürlich, in verschiedenen Richtungen, wirklich etwas positives.

Ihr habt euch 1973 gegründet. Es gibt wirklich nicht viele Bands, die so lange zusammen sind wie ihr…

Ja, wenn du die „Altmitglieder“ bei uns siehst, wie Knut, Teddy und ich, die schon mehr als 40 Jahre dabei sind, wir können nicht einfach irgendwann aufhören und sagen: So, das war’s. Es sei denn, vielleicht aus Altersgründen, oder aus gesundheitlichen Gründen. Aber man kann nichts anderes mehr machen. Warum soll man auch diese erfolgreiche Geschichte infrage stellen?

Ihr seid eine der Dienstältesten, aktiven und auch noch erfolgreichen Bands dieser Welt. Ihr habt da fast ein Alleinstellungsmerkmal.

Wir sind weltweit eine der wenigen Bands, die seit 1973 aktiv ist und während der gesamten Zeit einen Major-Plattenvertrag haben. Das schaffen nicht viele Bands. Die Rolling Stones haben das, glaube ich, Status Quo hat das. Es gab da mal so eine Erhebung, und da waren wir hinter diesen Gruppen auf Platz 3 als die Band, die immer noch auf der Bühne steht und die durchgehend seit 50 Jahren einen Plattenvertrag hat.

„Endlich wieder auf Tour“ hast du geschrieben. Ist es aber auch nicht mal schön, längere Zeit zu Hause zu bleiben, anstatt ein unstetiges Tour-Leben zu führen?

Ich mag beides, ich bin sehr gerne unterwegs, aber ich bin genauso gerne zu Hause. Ich mache viel Sport, ich habe heute Abend schon zwei Stunden Tennis gespielt, fahre viel Fahrrad, jogge auch, soweit mich meine Hüften noch tragen. Wir sind auch das ganze Jahr immer mal wieder mit dem Wohnmobil unterwegs. Ich bin wirklich gerne mit der Band unterwegs, aber genauso gerne bin ich auch im Freizeitbereich unterwegs. Wenn ich mit meiner Frau zusammen mit dem Wohnmobil starte, fühle ich mich sauwohl. Man muss mal Prioritäten setzen, und sich selbst sagen, das möchte ich gern machen. Aber genauso schön ist es, wenn ich mit unserem Sänger Andreas ins Auto steige und zu einem Termin fahre.

Zu Truck Stop gehören die Musiker (v. li.) Uwe Lost (Bass, Gesang, Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug); Chris Kaufmann (Leadgitarre); Andreas Cisek (Gitarre, Bass, Mundharmonika, Gesang); Teddy Ibing (Schlagzeug, Gesang);Tim Reese (Geige) und Knut Bewersdorff
Zu Truck Stop gehören die Musiker (v. li.) Uwe Lost (Bass, Gesang, Akkordeon, Gitarre, Schlagzeug); Chris Kaufmann (Leadgitarre); Andreas Cisek (Gitarre, Bass, Mundharmonika, Gesang); Teddy Ibing (Schlagzeug, Gesang);Tim Reese (Geige) und Knut Bewersdorff © Andreas Weihs

Zur Veröffentlichung des Albums habt ihr auch wieder ein online Konzert gemacht. Wie ist es, auf der Bühne zu stehen, Musik zu machen und vor sich einen leeren Saal zu haben?

Es gibt da zwei Meinungen. Eine ist: Das ist vollkommen Scheiße! Das bringt überhaupt keinen Spaß, weil du einfach dort auf der Bühne stehst und in einen leeren Saal guckst. Da kommt kein Applaus, höchstens mal ein Klatschen vom Kameramann. Auf der anderen Seite ist das Positive daran, dass man mal wieder mit sechs Leuten zusammen Musik machen kann, dass du auf der Bühne stehst, was wir seit fast einem halben Jahr nicht mehr gemacht haben. Aber grundsätzlich, und das ist meine persönliche Meinung, habe ich da überhaupt keinen Bock drauf. Im „richtigen“ Konzert wirst du von den Leuten getragen, du merkst, welcher Titel kommt besser an und welcher etwas schwächer. Das fällt online alles weg, du spielst einfach nur in einen leeren Sack rein.

Ihr hattet wenig Zeit zum gemeinsamen Proben. Wie schwer wiegen da Fehler auf der Bühne?

Vor dem Konzert haben wir nur einmal gemeinsam geprobt. Das alles war auch für uns ein Experiment. Aber letztendlich ist es doch so: Es ist nur ein online Konzert. Angenommen, da passiert mal ein Fehler, dann passiert da eben ein Fehler. Mehr ist es nicht. Davon geht doch die Welt nicht unter. Für das Publikum kann es doch gar nichts Interessanteres geben, wenn etwas schief geht, wenn sich ein Musiker verspielt oder mal ein Song abgebrochen wird. Das ist auf jeden Fall besser, als immer glatte Musik geliefert zu bekommen. Ich habe kein Problem damit, wenn mal auf der Bühne etwas schiefgeht, dann ist es eben so. Es ist nur Musik.

Also kann euch die Corona Pandemie auch nicht viel anhaben?

Je älter man wird, desto abgeklärter wird man. Ich sehe das jetzt auch sehr locker, diese Corona-Geschichte ist zwar sehr schade, aber vor allem für die jüngeren Kollegen. Aber ich selbst bin in einem Alter, wo ich diese Pandemie mit Freizeit kompensiere. Mir tun bloß die jüngeren Kollegen wirklich leid, die tatsächlich noch schaffen müssen und für die Rentenversicherungen. Das ist wirklich ein Übel. Aber für mich selbst muss ich sagen: Ich selbst leide unter der Corona-Geschichte nicht. Nur, dass man natürlich seine Freunde nicht treffen kann, in größerer Runde.

Am 11. Dezember 2021 können Sie Truck Stop in der Börse Coswig erleben.

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