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Ein Sachse auf Hit-Kurs

Ein Ostwest-Trio knackt die Amazon-Charts mit „Closer“.

Thomas Rodenbach an seinem Klavier. Er wohnt seit kurzem mit seiner Familie in der Nähe von Radeberg.
Thomas Rodenbach an seinem Klavier. Er wohnt seit kurzem mit seiner Familie in der Nähe von Radeberg. © Andreas Weihs

Für Thomas Rodenbach klingt es noch immer fast unglaublich: Gemeinsam mit seinem Münchner Produzententeam Paul Vanice & Dan Boujee knackt der Singer/Songwriter die Amazon-Charts. Der Wahl-Sachse, der erst seit kurzem mit seiner Familie in der Nähe von Radeberg lebt, ist damit geradlinig auf Hit-Kurs, denn schon interessieren sich die Radios für ihn und auch auf Musik-Plattformen wie Spotify wird sein Song „Closer“ von immer mehr Hörern angeklickt, vereint er doch einfühlsames Songwriting eines nicht mehr ganz so neuen Newcomers mit frischen Beats eines jungen, dynamischen DJ-Duos.

Andreas Weihs hat Mastermind Thomas Rodenbach, der als Songschreiber hinter dem Erfolg von „Closer“ steht, in Radeberg besucht und hinter die Kulissen des Hits und seines Erfinders geblickt.

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Thomas, dein Song „Closer“ entwickelt sich gerade zum Hit. Wie kam es dazu?

Es fing an in den Amazon-Charts. Da waren wir Aufsteiger des Tages auf Platz 1 und sind dann auf Platz 38 in die Top 100 eingestiegen. Bei der Promo haben wir auf Amazon einen besonderen Fokus gesetzt, sodass der Song von den Hörern stärker wahrgenommen wurde und wir diesen tollen Einstieg geschafft haben. Das ist natürlich sehr medienwirksam, weil wir uns als Newcomer zwischen viele etablierte Acts reingemogelt haben.

Wie hast du die DJs Paul Vanice & Dan Boujee kennengelernt, mit denen du „Closer“ aufgenommen hast?

Ich wollte eine neue musikalische Richtung ausprobieren, etwas moderner klingen und habe mir dazu bewusst zwei Produzenten ausgesucht, die mit Mitte 20 noch recht jung sind. Einige ihrer Titel haben mich angesprochen und ich habe dabei ein gewisses Potenzial herausgehört. Vor etwa zwei Jahren haben wir uns das erste Mal getroffen und auf Anhieb verstanden.

Wie verlief eure Zusammenarbeit in Covid-Zeiten?

Wir haben uns die Ideen über Smartphone zugeschickt. Das Songwriting kommt primär von meiner Seite, die beiden setzen das als Produzenten sehr zeitgerecht um. Was dann zurückkommt, klingt sehr modern. Meine Musik war schon immer so, dass die Stärke der Songs ihr Ohrwurmcharakter ist. Wenn du im Radio stattfinden möchtest, musst du auch zeitgerecht klingen. Das Thema Radio ist für mich deswegen so relevant, weil du hier als Newcomer am schnellsten einen gewissen Bekanntheitsgrad erreichen kannst, wenn du diesen einen Titel hast, der wirklich einschlägt.

Die Musik hat mich mein Leben lang begleitet, in der achten Klasse habe ich meine erste Schüler-Band gegründet. Bis zum Abitur haben wir in einer festen Besetzung zusammengespielt und haben auch damals schon sehr viel positives Feedback bekommen. Damals haben wir neben Rock und Pop auch einige Instrumentalgeschichten gespielt, die für unser Alter vielleicht etwas ungewöhnlich waren, mit Percussions und auch mit Bläsersätzen im Stil von Toto oder Chicago. Unsere Stücke waren nicht selten sieben oder acht Minuten lang.

Nutzt ihr die neue Popularität, die der Erfolg in den Medien mit sich bringt?

Wir haben mit Sevenus ein gutes Label zur Seite, das dieses Thema aufgreift und verwertet. So eine Platzierung ist immer ein gutes Argument für das Radio, aber auch für kleinere TV-Sender. Für mich ist wichtig, dass ich eine gewisse Reichweite bekomme. Ich möchte den Leuten ja den Song nicht aufzwingen, aber ich will wissen, ob den Hörern das Lied gefällt. Dafür muss er erst einmal sichtbar sein. Und das haben wir jetzt geschafft: Die Leute können in den Song reinhören, sie können ihn kommentieren und auch kaufen.

Welche Bedeutung haben Amazon, Spotify oder ähnliche Portale für dich als Künstler?

Die kann man heute aus meiner Sicht leider nicht mehr wirklich vernachlässigen, weil Spotify mittlerweile eine große Marktmacht besitzt. Die Entscheider bei den Labels schauen dort auch immer wieder nach, was bringst du als Künstler mit an Hörern, an Followern und so weiter. Das ist oft das Maß der Dinge, vor allem, wenn du mit Labels und Verlagen sprichst. Für die sind das messbare Zahlen. Es ist schon immens wichtig für einen Künstler, dass er dort gut aufgestellt ist. Spotify und Instagram sind wichtige Themen, die ich verstärkt bediene.

Wie findest du diese Entwicklung persönlich?

Ich wünsche mir etwas mehr vom Geist der 80er Jahre zurück, weil ich da musikalisch immer noch sehr stark verwurzelt bin. Aber auch, wie die Musik damals stattgefunden hat, nämlich deutlich unverfälschter, als heute. Die Musik ist viel schnelllebiger geworden. Ich würde mir wünschen, dass man sich wieder auf Künstler fokussiert, die auch etwas können, um die Musik etwas nachhaltiger und langfristiger zu etablieren. Wie viele Tausende Songs werden heutzutage bei Spotify einfach reingekippt? Du weißt als Hörer gar nicht mehr, was du anklicken sollst. Du findest dich einfach nicht mehr zurecht. Das ist für den Künstler einerseits eine Chance, aber auf der anderen Seite geht aus meiner Sicht auch sehr viel verloren.

Die achtziger Jahre waren eine sehr schöne Zeit für mich, auf die ich gern zurückschaue. Das war die Zeit, die mich musikalisch am meisten geprägt hat. Das Thema schleicht sich in meine Kompositionen auch noch heute ein, das hört man bei mir immer wieder. Wir packen das nur in ein neues Gewand.

Wie würdest du deine aktuelle Musik selbst beschreiben?

Ein Musikverleger sagte mir mal: Du bringst deine Seele in die Songs. Musikalisch ist es Pop IDM, vom Songwriting her sind allerdings immer noch viele Elemente der Achtziger hörbar. Ich bin ein Kind der Achtziger! Wichtig sind die Toplines, die catchy hooks, also dass ein Wiedererkennungswert in den Songs steckt. Ich schreibe die Songs selber am Klavier. Sie sind jetzt auch kraftvoller durch die Produktion der DJs. Mit der musikalischen Neuorientierung versuche ich, die Kraft der Stimme stärker einzubringen. Und es dürfen auch Elemente wie eine Gitarre stattfinden in meiner Musik.

Woher kam dein starkes Interesse an der Musik? Es hätte ja auch alles anders verlaufen können.

Schon in der Kindheit habe ich schnell das Thema Musik für mich aufgegriffen. Ich habe mir oft mein eigenes Schlagzeug gebastelt, und im Garten getrommelt. Meine Eltern haben gemerkt, dass bei mir ein Zugang zur Musik und die Leidenschaft dafür vorhanden ist. Sie förderten mich mit musikalischer Früherziehung, über Glockenspiel, Blockflöte und ich hatte wirklich fünf Musiklehrer. Aber tatsächlich hatte ich auch noch eine andere Leidenschaft: den Langstreckenlauf. Darin war ich in der Schule sehr stark. Als ich in der achten Klasse war, hat mein Sportlehrer gesagt: „Den müsst ihr zum TSV Bayer 04, zum Leichtathletikverein, schicken.“ Ich habe mich allerdings dagegen entschieden, weil ich damals schon mit meiner Schüler-Band sehr stark in die Musik eingebunden war.

Nachdem dein Debütalbum mit dem Song „I Won`t Let You Down“ erschien und der den Einstieg in die Top 100 schaffte, war das nächste was folgen musste, eine Band, um die Songs auf die Bühne zu bringen.

Stefan Köhl, der Mitbegründer von Soul Kitchen, einer der bekanntesten Party-Bands, war heiß darauf, neben den Coverstücken auch eigene Titel zu spielen. Mit seinen Musikern stand ich mehrere Jahre auf der Bühne. Dadurch bekam ich Kontakt zu DMC Musikmarketing in München, die solche Acts wie Foreigner, Uriah Heep, Nazareth oder Saga im Portfolio hatten, also Gruppen, die in den 1970er und 80er Jahren sehr stark waren. Die Firma hat mich als einzigen Newcomer aufgenommen und als Support besetzt, zum Beispiel für Saga und Umberto Tozzi. So konnte ich auch da mal hinter die Kulissen blicken. Über diese Konzerte hat man auch mal einen Schulterschluss zum großen Publikum gehabt, was uns als Band große Freude gemacht hat und sehr gutes Feedback eingebracht hat.

Die kanadische Band Saga, in den 80ern eine sehr ernstzunehmende Größe im Rockgeschäft, wollte dich sogar mit auf Europa-Tour nehmen….

Ja, der damalige Bassist Jim Crichton sagte zu mir: „You should have done the whole tour with us!“ Die Band war sehr begeistert von unserem Support. Wir haben auch das Angebot für die Tour bekommen, aber leider musste ich das ablehnen aus zeitlichen Gründen. Aber wir haben ausgewählte Konzerte in Deutschland gespielt. Mit Michael Sadler und Jim Gilmour habe ich auch bis heute Kontakt.

Du hast 2014 deine Frau Janine, eine gebürtige Dresdnerin, kennengelernt, 2017 kam die erste Tochter Luna, 2018 habt ihr geheiratet, und 2019 kam die zweite Tochter Vivian zur Welt. Warum zog es eure Familie ins Elbland?

Nachdem wir einige Zeit in München als Familie gelebt haben, beschlossen wir, uns irgendwo sesshaft zu machen und suchten nach finanzierbaren Möglichkeiten für ein Haus. Das fanden wir hier in Radeberg, wo wir seit Dezember 2020 wohnen. Kurz vor Weihnachten sind wir eingezogen. Wir fühlen uns hier sehr wohl und leben sehr harmonisch mitten in der Natur. Hier leben wir unseren Traum als Familie.

Was ist es, das für dich das Leben hier ausmacht?

Radeberg kannte ich früher nur vom Bier. Wenn man aus München kommt, dann genießt man diese Umgebung, die eine gewisse Ruhe ausstrahlt und wo man zur Ruhe kommen kann. Was heutzutage auch sehr wichtig ist. In gewissem Sinne bin ich stolz, hier zu wohnen, weil ich es so empfinde, dass Radeberg ein schöner Ort ist, und sehr lebenswert. Die Leute hier, die ich jetzt kennengelernt habe, sind sehr offen und sehr natürlich. Hier ist alles im Einklang mit meinem persönlichen Empfinden. Ich glaube, dass ich hier mit meiner Familie am richtigen Ort bin. Für mich persönlich gibt es hier auch sehr viel zu entdecken. Ich bin jetzt schon ein Fan von der Sächsischen Schweiz. Auch in Meißen waren wir schon. Beim Essen auf der Terrasse eines Restaurants neben der Albrechtsburg konnten wir über die gesamte Stadt blicken. Ein wunderschöner Ausblick. Das ist auch das Lieblingsrestaurant meiner Schwiegereltern.

Konntest du schon Kontakte zur Sächsischen Musikszene knüpfen?

Das ist tatsächlich etwas, was demnächst ansteht. Nachdem ich jetzt hier privat angekommen bin, werde ich mich auch intensiver mit der Musikszene in Dresden und Umgebung auseinandersetzen. Die Dresdner Schlössernacht ist mir ein Begriff, die auch eine gewisse Plattform bietet für Musiker. Ich muss mich mit dieser Szene erst einmal vertraut machen, und ich schaue mit Neugier darauf, was es hier alles gibt. Musikalisch kann sich aus jeder Stadt etwas entwickeln und jede Stadt hat ihre Talente, die auch oftmals im Verborgenen schlummern.

Wie geht es jetzt weiter? Wo soll es hingehen?

Für mich ist es wichtig, gute Songs zu schreiben, die auch modern klingen. Mein Wiedererkennungswert ist einerseits natürlich meine Stimme, aber das andere sind die Elemente aus den achtziger Jahren, was es heutzutage gar nicht mehr so oft gibt. Ich bin ein Kind der Achtziger und ich möchte diesen Vibe in die aktuelle Welt rüberretten. Ich war letztens in einer Songwriting-Session mit einem Anfang 20-Jährigen und er hat mir das Feedback gegeben: "Thomas, was du hier reingibst von deinen Ideen, das ist authentisch, das ist achtziger Jahre Style." Das hört man bei mir wahrscheinlich immer raus und da werde ich mich auch nicht verbiegen. Dabei brauche ich aber auch Mitstreiter und Produzenten, die das modern umsetzen. Ich glaube, dass das der Weg ist, den ich auch künftig weitergehen werde.

Fotos + Interview © Andreas Weihs

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