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"Ich will den Dom zurück in die Herzen holen"

Der Domkantor Thorsten Göbel lässt sich durch Corona nicht entmutigen. Er sieht darin sogar eine Chance.

Corona habe den Domchor qualitativ weitergebracht, meint der Domkantor Thorsten Göbel. Sein Ziel für die Zukunft: noch mehr Sänger für den Chor begeistern.
Corona habe den Domchor qualitativ weitergebracht, meint der Domkantor Thorsten Göbel. Sein Ziel für die Zukunft: noch mehr Sänger für den Chor begeistern. © Claudia Hübschmann

Meißen. Schwierig für den Domkantor Thorsten Göbel während Corona: die Ungewissheit. "Ich bin eigentlich für meine Verlässlichkeit bekannt. Wegen Corona konnte ich jedoch manchmal gar nicht mehr sagen, was nächste Woche passiert." Einige haben ihn aufgrund dessen angesprochen, was mit ihm los sei. Doch er konnte wie so viele nur sagen, dass eben Corona sei. Niemand konnte mehr im Frühjahr planen.

"Ich bin dankbar, dass der Hochstift Frederike Hartmann eingestellt hat", so der Domkantor. "Während ich Corona-Augen bekommen habe, kümmerte sie sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hochstifts." Die PR-Stelle sei zudem ein Novum im Dom. Mit ihr gibt es nun auch einen eigenen YouTube-Kanal, der bislang zwei Videos veröffentlicht hat.

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Rückblickend überrascht Thorsten Göbel, wie viel er und das Team im Hochstift doch auf die Beine gestellt haben. Er ist dabei in einer privilegierten Situation. Denn als angestellter Domkantor konnte er in Kurzarbeit geschickt werden. "Vielen meiner Kollegen erging es da sicherlich schwerer", sagt Thorsten Göbel. Er ist dankbar, dass man ihn nicht kündigte. "Dass das nicht passiert ist, zeugt ja auch von Wertschätzung." Er nehme den Hochstift deshalb als verlässlichen, loyalen und angenehmen Arbeitgeber wahr – besonders in Krisenzeiten. Nicht nur deshalb fühle er sich in Meißen wohl.

Im Mai gingen die Mittagskonzerte wieder los und weitere Konzerte mit Gästen. Mit bis zu 80, 90 Besuchern, erzählt Thorsten Göbel. "Es ist besonders wichtig, dass wir für die Menschen da sind. Gerade jetzt, wenn sie zu viel Zeit zum Nachdenken haben." Da er sich überall in der Region als Domkantor vorgestellt hat, trat er in mehreren Kirchen der Region auf, wie Riesa oder Großenhain. Besonders die Menschen in der Großenhainer Marienkirche waren Ende Juli dankbar, dass es endlich wieder ein Konzert dort gab.

Am meisten trieb ihn in der Corona-Zeit jedoch um, dass seine Chorarbeit komplett ausfiel. "Ich fragte mich dann, wie halte ich Kontakt zu unseren Choristen?" Unter anderem deswegen organisierte er im Mai ein Konzert zum 70. Jubiläum der Dom-Musik für 100 Gäste. Denn seit 70 Jahren gibt es einen hauptberuflichen Domkantor im Meißner Gotteshaus. Zudem machte er eine Ausfahrt mit den Kurrende-Kindern in den Dresdner Kletterwald, und er organisierte ein Abschiedstreffen im Freien mit der jungen Domkantorei.

Der Domchor wiederum habe sich zudem während Corona weiterentwickelt. "Durch den Sicherheitsabstand, die Masken und eine neue Liederauswahl haben wir gemeinsam mehr Qualität hineingebracht", schwärmt der Domkantor. "Wir haben jetzt eine sympathische Gruppe, die sich menschlich begegnet." Neben Bildhauern und Lehrern ist sogar ein Sänger der Landesbühne Sachsen dabei. Er fühle sich sehr wohl, weil die Gruppe so nett sei.

Mittlerweile sind es etwas mehr als 50 Choristen. Vorher waren es um die 70. Nach SZ-Informationen haben einige die Gruppe verlassen, da sie mit Thorsten Göbels Arbeitsweise nicht einverstanden waren und noch dem vorigen Domkantor Jörg Bräunig nachtrauern, der überraschend im Alter von 49 Jahren gestorben ist. Das sei Thorsten Göbel bewusst, dass mit ihm einige Veränderungen kamen, und er kann diejenigen auch verstehen. Doch in seinen Augen steche die bisherige Chorentwicklung hervor. Denn die Qualität sei in den vergangenen Monaten exponentiell gestiegen. Zudem kamen erst dieses Jahr neue Sänger dazu.

In Zukunft will er wieder mehr mit Meißnern ins Gespräch kommen. "Ich sehe noch zu wenig auf dem Burgberg." Der Austausch mit den Menschen ist ihm wichtig. Nicht nur deswegen habe er schon viele neue Freunde in Meißen gefunden. Sein Ziel für die Zukunft: "Ich will den Dom zurück in die Herzen der Meißner holen, und dann auf die Zunge." Deshalb freue er sich auch darauf, dass nächstes Jahr der Hochstift dauerhaft die Meißner Chorwoche ausrichtet. Sonst war die Evangelische Akademie Meißen der Organisator.

Wer im Chor mitsingen möchte, kann sich persönlich an Thorsten Göbel wenden, und zwar per E-Mail: [email protected]. Weitere Infos online.

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