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"Ich wollte eine eigene Religion erschaffen"

Nur zwei Monate weilte der chinesische Künstler Zhuo Qi in Meißen. Doch was er geschaffen hat, kann sich sehen lassen.

Prüfender Blick aufs eigene Werk: Der chinesische Künstler Zhuo Qi hat sich mit einer Ausstellung hier geschaffener Werke nach acht Wochen aus Meißen verabschiedet.
Prüfender Blick aufs eigene Werk: Der chinesische Künstler Zhuo Qi hat sich mit einer Ausstellung hier geschaffener Werke nach acht Wochen aus Meißen verabschiedet. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die kleine Schau in den Räumen des Hauses Görnische Gasse 4 ist mit heißer Nadel gestrickt. Mindestens ein Ausstellungsstück härtet noch im Ofen aus. In drei Stunden wird es sich auf einem grauen Sockel den Besuchern präsentieren.

Bevor der Abend der offenen Tür offiziell beginnt, hat sich Künstler Zhuo Qi etwas Zeit für die Medien genommen. Ursprünglich stammt er aus China. Mittlerweile lebt er mit seiner Familie in Frankreich und arbeitet dort. Porzellan spielt in seinen Werken eine große Rolle. Den jetzt zu Ende gegangen zweimonatigen Aufenthalt in Meißen verdankt er einem Bündnis verschiedener Stiftungen, Gesellschaften und Unterstützter. Er ist der zweite "Artist in Residence", der auf diese Weise aus dem Fernen Osten zu einem Arbeitsbesuch nach Meißen reisen durfte.

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Tausend versus dreihundert Jahre Tradition

Eine Heimat und Werkstatt zugleich fand Zhuo Qi seit Anfang April in Räumen des Hauses Görnische Gasse 4 von Meinolf Krohner. Porzellankünstler Olaf Fieber, der mithalf, dass der chinesische Gast sich in Meißen zurechtfand, hat an diesem Tag beim Aufbau der abschließenden Werkschau mitgeholfen. Es habe von Anfang an nicht vieler Worte gebraucht, um sich zu verständigen, sagt er. Das gemeinsame Interesse am Stoff Porzellan sowie die übergreifende Kenntnis vom Umgang mit Material und Technik halfen, die Sprachbarrieren schnell zu überwinden.

"Man merkt allerdings, dass die Chinesen schon seit 1.000 Jahren oder mehr mit Porzellan arbeiten, und wir erst seit drei Jahrhunderten", sagt Fieber. In China erfahre das Weiße Gold nochmals eine höhere Wertschätzung als in Deutschland.

Aus mitgebrachten altchinesischen Formen hat Zhuo Qi Reliefs geprägt, die er späterhin auf seinen Artefakten mit modernen und europäischen Symbolen zu einer neuen Sinn- oder gar Religionsgemeinschaft kombiniert.
Aus mitgebrachten altchinesischen Formen hat Zhuo Qi Reliefs geprägt, die er späterhin auf seinen Artefakten mit modernen und europäischen Symbolen zu einer neuen Sinn- oder gar Religionsgemeinschaft kombiniert. © Claudia Hübschmann

Solche kulturellen Unterschiede oder Gemeinsamkeiten sind es auch, die Zhuo Qi interessieren und welche er gern in seinen Arbeiten thematisiert. In Meißen und Dresden hat er deshalb in den vergangenen Wochen nach Spuren des kulturellen Austauschs speziell in Bezug auf Porzellan geforscht. Bis zur Erfindung des europäischen Hartporzellans bezogen die europäischen Fürstenhöfe ihre Porzellane aus Fernost. Dort wiederum entstand ein speziell auf den europäischen Geschmack gemünztes Sortiment. Späterhin exportierten die Europäer vermeintlich asiatisches Porzellan nach China. Doch die Kopien gelangen nie hundertprozentig. Es gebe immer kleine Fehler, die finde er spannend, sagt der Künstler.

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Wer genau hinschaut, wird solche kleinen Fehler ebenso in seinen Meißner Arbeiten finden. Er habe versucht, eine eigene Religion zu schaffen, sagt der Chinese und freut sich über diesen Spruch. Gern nimmt er bedeutungsschwere Symbole und Formen auf die Schippe. Am besten verdeutlicht dies vielleicht, die aus mehreren Einzelstücken zusammengesetzte weiße Porzellansäule, welche unwillkürlich den Blick bindet. Zhuo Qi hat sie mit kleinen Reliefs bestückt. Wer genauer hinschaut, erkennt typisch asiatische Gottheiten, zwischen denen ein Meißner Löwe wildert. An anderer Stelle wiederum schwingt eine Medusa ihre Schlangenhaare empor und finden sich tanzende Muffins. Wird die kühne Komposition entdeckt, huscht über das Gesicht des Künstlers wieder ein zufriedenes Lächeln, wie bei einem kleinen Jungen, der seine Eltern mit einem Fritzchen-Witz zum Lachen gebracht hat.

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