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Literaturfest: Weniger, aber gute Zuhörer

Den Besuchern war am Wochenende die Freude über eine der ersten Großveranstaltungen in Meißen nach der Corona-Krise deutlich anzumerken.

Journalistin Alexandra Prinzessin zur Lippe zählte beim Meißner Literaturfest zu den Vorlesern auf der erstmals genutzten Bühne am Froschplatz.
Journalistin Alexandra Prinzessin zur Lippe zählte beim Meißner Literaturfest zu den Vorlesern auf der erstmals genutzten Bühne am Froschplatz. © Norbert Millauer

Meißen. Ende gut, alles gut. Nach langem Bangen und Zittern hat Meißen am Wochenende dank eines ausgefeilten Hygienekonzepts wieder ein großes Fest mit Tausenden Gästen feiern können. Das letzte Mal dürfte zur Meißner Weihnacht so viel losgewesen sein. 

"Es waren aufgrund der Abstandsregeln etwas weniger Menschen als zu den vergangenen Literaturfesten in der Stadt", so das Meißner Mathe-Ass Dr. Norbert Herrmann am Sonntagmittag. Zusammen mit seiner Frau hatte er eine eigene kleine Lesebühne organisiert. Der Kulturverein und weitere Helfer unterstützten beim Aufbau. 

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Seinem Eindruck nach kamen die Menschen ganz gezielt und erwiesen sich als sehr aufmerksam und interessiert. Pro Lesung hat Herrmann eigenen Angaben zufolge rund 100 Gäste an der Bühne auf der Burgstraße beziehungsweise am Froschbrunnenplatz gezählt. Ganz nebenbei wurde bei dieser Gelegenheit die Idee geboren, bei den Meißner Burgfestspielen Gotthold Ephraim Lessings Toleranz-Stück "Nathan der Weise" ins Repertoire aufzunehmen. Damit würde nicht zuletzt die besondere Beziehung des Dichters zu Meißen gewürdigt. Lessing besuchte hier die Fürstenschule St. Afra.

Autoren konnten wieder ihre Leser treffen

Daniel Bahrmann vom Organisations-Team hob die Wichtigkeit der Großveranstaltung für die Autoren hervor. Nach den Wochen und Monaten der gegenseitigen Abschottung hätten sie wieder Gelegenheit erhalten, ihre Leser zu treffen und direkt mit ihnen zu kommunizieren. Höhepunkt für ihn war deshalb der abendliche Auftritt des Dresdner Schriftstellers Ingo Schule im großen Ratssaal. "Er hat einfach eine tolle Stimme und mit ,Die rechtschaffenen Mörder´ ein großes Buch geschrieben", so Bahrmann.

Da Lesungen unter einem schützenden Dach - wie die von Schulze im Rathaus  - eher die Ausnahme bildeten, waren die Zuhörer zumeist auf Regen eingestellt. Flugs wurden bei den Güssen am Samstagmittag und -nachmittag die Schirme aufgespannt, so dass die meisten Vorleser - in der Regel selbst durch einen Pavillon geschützt - mit ihrem Programm fortfahren konnten."Wir scheuen uns vor Regen nicht, und die Zuschauer sind ausgestattet", so der Kommentar von Stadt- und Kreisrat Martin Bahrmann (FDP).  

Der Meißner Kommunalpolitiker erschloss mit der liberalen Lesebühne auf der Wiese an der Triebischmündung dem Literaturfest einen neuen Ort. Zuvor hatte Bahrmann kritisiert, von den Organisatoren dieses Jahr nicht im Programm berücksichtigt worden zu sein.

Er selbst und seine Mitstreiter mussten wiederum Schelte einstecken für FDP-Werbung auf der Rückseite der Wandplane des Lesezeltes. Schleichwerbung für ein politisches Anliegen wurde ihnen unterstellt. "Wir hatten leider kein weiteres weißes Zelt und deswegen die Werbung extra umgedreht. Andere machten das genau so", erklärte der Meißner Stadtrat. 

Politiker nutzen gern die Bühne

Tatsächlich wurde das elfte Literaturfest - ähnlich wie seine Vorgänger - erneut stark von Politikern aller Couleur für Auftritte in Beschlag genommen. Die rot-rot-grüne Landratskandidatin Elke Siebert (Bündisgrüne) holte sich Sachsens Landwirtschaftsminister Wolfram Günther (Bündnisgrüne) an die Seite und las aus einem Buch, welches der grüne Parteivorsitzende Robert Habeck über das Wolfsthema geschrieben hat. CDU-Landratsbewerber Ralf Hänsel wiederum suchte sich einen Kriminalroman sowie die Känguru-Chroniken von Ralf-Uwe Kling heraus. Die Meißner CDU-Landtagsabgeordnete Daniela Kuge gab Einblicke in den unterhaltsamen Kosmos von Online-Oma Renate Bergmann. Insgesamt verzeichnete das Programmhefte die Auftritte von rund einem Dutzend Politikern aus der Kommunal-, Landes- und Bundespolitik.

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Für einen besonderen Farbtupfer und musikalischen Höhepunkt sorgten Unternehmer Ingolf Brumm, Helge Landmann vom Hahnemannverein und ihre Mitstreiter von den Bürgern für Meißen. Sie holten am Freitagabend Sänger IC Falkenberg in die Klosterruine. Unter Pagoden-Zelten, auf Stühlen und Bänken fanden sich zahlreiche Zuhörer ein. Der effektvolle Einsatz von Kerzen, Feuerstellen und rotem Licht sorgte für Gänsehautmomente. Auch der immer wieder hinter romantischen Wolkenformationen hervorlugende Mond spielte mit. "Perfekter Abend mit tollen Leuten im wunderschönen Ambiente des Klostergartens in Meißen. Geniale Texte zum Nachdenken und zum Diskutieren", so Brumms Fazit.

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