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Mandela bleibt vorerst in Meissen

Eine Porzellan-Büste des Nobelpreisträgers hat ihren Weg zurück in die Manufaktur gefunden. Der Künstler erzählt ihre spannende Geschichte.

Die Farben des Regenbogens entstehen durch Brechung in als Prismen wirkenden Tropfen aus weißem Licht. Deshalb wurde der Hinterkopf der Mandela-Büste aus Meissener Porzellan gefertigt.
Die Farben des Regenbogens entstehen durch Brechung in als Prismen wirkenden Tropfen aus weißem Licht. Deshalb wurde der Hinterkopf der Mandela-Büste aus Meissener Porzellan gefertigt. © richardvalencia photography

Meißen. Viele Zufälle mussten zusammenkommen, damit ein so besonderes Werk entstehen konnte. Goldschmied und Künstler Tom Rucker hatte schon immer den Wunsch, ein Denkmal für einen Menschen zu schaffen, der "die Weltgeschichte positiv beeinflusst hat." In Südafrika wurde der gebürtige Münchner fündig.

In Kapstadt, der größten Stadt in Südafrika, habe er vor einem Hotel, das eigentlich eher einer Bretterbude glich, eine Gruppe Jugendlicher getroffen. Das erzählt Rucker am Donnerstagvormittag in einer Video-Konferenz der Meissen-Porzellanstiftung. Wer denn ihr Idol und Vorbild sei, wollte er von ihnen wissen. "Nelson Mandela" - so kam die Antwort lauthals und unisono zurück. Damit habe für ihn festgestanden, der Friedensnobelpreisträger sollte das Motiv für eine einmalige Büste liefern.

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Was er mit dieser Idee losgetreten habe, hätte er sich nicht träumen lassen, sagt Rucker am Donnerstag.  Während seiner Vorarbeiten sei er sowohl von der Familie Mandelas als auch vom umstrittenen Ex-Präsidenten Jacob Zuma eingeladen worden. "Plötzlich wurde daraus eine hochpolitische Geschichte" erzählt Rucker. In Deutschland habe der derzeitige Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) als Schirmherr für das Projekt gewonnen werden können. 

Die Farben der Regenbogennation

Doch wie ist Rucker ausgerechnet auf Meissener Porzellan als Bestandteil seiner Büste gekommen? Der in London ansässige Juwelier gibt eine überraschende Antwort. Die Südafrikaner werden aufgrund ihrer Vielfältigkeit als Regenbogen-Nation bezeichnet. Die Farben des Regenbogens wiederum entstehen durch die Brechung in den als Prismen wirkenden Regentropfen aus ursprünglich weißem Licht. Deshalb habe er nach einem weißen Grundstoff für die Büste gesucht, so Rucker. 

Dieser Prozess allerdings gestaltete sich schwierig. "Am liebsten hätte ich Sandstein von der Gefängnisinsel Robben Island verwendet", sagt der Kunsthandwerker. Fast zwei Jahrzehnte verbrachte der Freiheitskämpfer Mandela auf der Gefängnisinsel im Ozean vor Kapstadt. Dies allerdings sei ihm verwehrt worden. Auch im Geburtsort Mandelas habe er nicht auf passendes Material zurückgreifen können. Nachdem die Porzellanmanufaktur in Nymphenburg ebenfalls absagte, kam Rucker zufolge aus Meissen eine sehr schnelle Zusage.

Dem Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela werden besonders ausdrucksstarke Augen zugeschrieben. Juwelier Tom Rucker gestaltete sie mit schwarzen Diamanten.
Dem Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela werden besonders ausdrucksstarke Augen zugeschrieben. Juwelier Tom Rucker gestaltete sie mit schwarzen Diamanten. © richardvalencia photography

Für die Gesichtszüge Mandelas entschied sich der Goldschmied für eine ganz besondere Technik. Er schweißte frei Hand in einem Zeitraum von acht Monaten unter einem Mikroskop aus 0,18 Millimeter dünnen Platindrähten weit über 100.000 einzelne Drahtstücke zusammen. Für die Augen wählte der Künstler schwarze Diamanten. "Von Mandela wird immer wieder gesagt, dass er besonders ausdrucksstarke Augen hatte", so Rucker. Deshalb habe er sich für diesen seltenen Edelstein entschieden.

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In der Manufaktur wird die einmalige Büste ab dem 3. Oktober zu besichtigen sein. Es habe auch Anfragen aus anderen Museen gegeben. Meissen sei für ihn jedoch erste Wahl gewesen, sagt der Juwelier. Wo das Kunstwerk letztendlich seinen Platz finden wird, ist unterdessen noch nicht entschieden. 

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