merken
PLUS Meißen

Manfred Wünsches letzte Ausstellung

Im Januar ist der Meißner Künstler gestorben. Jetzt zeigen seine Tochter und sein Schwiegersohn die schönsten Bilder. Alle sind verkäuflich.

Beate Glöckner fasziniert besonders an den Bildern ihres Vaters Manfred Wünsche: der "einfühlsame Himmel". "Dadurch wurden seine Bilder lebendig, durch dieses Spiel mit Licht und Schatten."
Beate Glöckner fasziniert besonders an den Bildern ihres Vaters Manfred Wünsche: der "einfühlsame Himmel". "Dadurch wurden seine Bilder lebendig, durch dieses Spiel mit Licht und Schatten." © Claudia Hübschmann

Meißen. Wenn ein geliebter Mensch stirbt, hat man oft die unliebsame Aufgabe, seine Hinterlassenschaften zu sortieren und vieles wegzuschmeißen. Anders beim Tod des Malers Manfred Wünsche. Als seine Tochter Beate Glöckner den Keller des Vaters öffnete, staunte sie. Viele Schätze aus mehreren Jahrzehnten kamen zum Vorschein. Weil sie nicht wusste, was sie mit den Bildern anstellen sollte, hat sie kurzfristig eine Ausstellung organisiert. Dort können Besucher die Werke ihres Vaters sehen, und vor allem kaufen. „Es war immer sein Traum, dass seine Bilder bei den Leuten hängen“, erklärt die Tochter.

Seine Bilder sind Zeitzeugnisse

Für die Ausstellung „Wünsche Manfreds bunte Bilder“ mussten alle Bilder fotografiert und digitalisiert werden. „Damit wir einen Überblick beim Verkauf haben und später noch darauf zugreifen können“, erzählt Bernd Glöckner, der Ehemann der Tochter. Dadurch hat das Ehepaar erst wahrgenommen, wie vielfältig Manfred Wünsches Werk eigentlich ist. „Er hat immer versucht, Postkartenansichten zu vermeiden“, sagt die Tochter.

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

So malte er auf einem Bild die Burgstraße nicht in Richtung Albrechtsburg, sondern zeigt die Dächer der Stadt. So heißt auch das dazugehörige Bild. Oder er war auf dem Plossen und fing von dort die Albrechtsburg ein. Die Mühlen im Triebischtal wählte Manfred Wünsche ebenso gern als Motiv, sagt Beate Glöckner. So wundert es nicht: Sein Rückzugsort war der eigene Kleingarten an der ehemaligen Clausmühle. Wenn er dort nicht zu finden war, dann in der Innenstadt Meißens.

„Einmal setzte er beim Malen auf den Roten Stufen seine Baskenmütze ab, die er immer trug“, erzählt Beate Glöckner. So vertieft in seine Arbeit, bemerkte er nicht, wie ihm jemand Geld in die Mütze geworfen hat. „Darüber hat er sich gefreut und gleich ein Bier getrunken“, sagt die Tochter herzlich lachend. Für sie ist es aber nicht selbstverständlich, dass ihr Vater so präsent in Meißen war. „Es gehört Mut dazu, in der Öffentlichkeit zu malen.“

Manfred Wünsche war jedoch nicht nur in Meißen aktiv, sondern überall dort, wo er mit seinem Fahrrad hinkam. „Er ist viel im Landkreis unterwegs gewesen“, sagt Beate Glöckner. So gibt es Ansichten von Dörfern, die so jetzt nicht mehr existieren. In der letzten Ausstellung des Meißner Originals finden sich deshalb Zeitzeugnisse, nicht ausschließlich aus dem Leben Manfred Wünsches. Daneben entstanden typische Motive wie Stillleben, Landschaften, Akte und Porträts.

Mehr als 1.000 Bilder im Nachlass

Für die aktuelle Ausstellung mussten sie aus einem großen Fundus an Bildern auswählen: mehr als 1.000. Davon in etwa 300 Öl- und 300 Aquarell-Bilder. Plus zusätzlich etwa 40 Skizzenbücher sowie mehrere Kleinplastiken. „Viele weitere Gemälde lagern in den Schubladen, die habe ich gar nicht alle erfasst“, erklärt Bernd Glöckner die Mammutaufgabe, die er neben der Arbeit in seiner Freizeit erledigt. Am Ende soll daraus ein vollständiges Werkeverzeichnis entstehen. Vorerst ist aber eine Internetseite entstanden, die einen Bruchteil aller Werke zeigt.

Manfred Wünsche, geboren 1932 und gestorben 2020 in Meißen. Der Maler nahm früh den Stift in die Hand. Als 13-Jähriger zeichnete er gemeinsam mit seinem Bruder die Altstadt. „Als ich in der Leinewebergasse, dem Malerwinkel der Stadt, heimlich Kunststudenten aus Dresden beobachtete, kribbelte es mir in den Fingern“, sagt er 2006 in einem SZ-Porträt. 

Später lernte Manfred Wünsche wie viele Maler aus der Stadt das Kunsthandwerk in der Porzellanmanufaktur. Dort hat er seit 1972 als Medailleur gearbeitet. Manfred Wünsche gestaltete dabei bekannte Medaillen der Manufaktur. Neben vielen künstlerischen Weiterbildungen war er sogar Gaststudent an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Als er 1993 in den Ruhestand tritt, widmete er sich der Malerei in Vollzeit. So war er unter anderem im Kunstverein Meißen aktiv.

Die Ausstellung „Wünsche Manfreds bunte Bilder“ ist einmalig noch vom 16. bis 18. Oktober geöffnet, jeweils von 12 bis 19 Uhr, in der Fleischergasse 6 in Meißen. Weitere Infos unter: www.hommage-manfred-wuensche.de.

Mehr zum Thema Meißen