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Das Haus der Geheimnisträger

Unterhalb der Albrechtsburg haben die Bauarbeiten an einem Gebäude mit großer Bedeutung für Meißen begonnen.

Ursprünglich sollte das Brückenhaus unterhalb der Meißner Albrechtsburg mit einem Hotel im Kornhaus entwickelt werden. Doch nun wird ein Wohnhaus daraus.
Ursprünglich sollte das Brückenhaus unterhalb der Meißner Albrechtsburg mit einem Hotel im Kornhaus entwickelt werden. Doch nun wird ein Wohnhaus daraus. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es rumpelt und es staubt. Wieder knallt eine schwere Ladung mit Bauschutt den Plastetunnel aus einer der oberen Etagen des sogenannten Meißner Brückenhauses nach unten. Aus dem Inneren ertönt laute Musik. Die wird als Motivation bei harten Arbeiten wie dem Entkernen gebraucht.

Sören Bankert lädt zu einer Führung durch das Gebäude Hohlweg 3 ein. Er ist Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens Repima. Seine Firma hat sich der gründlichen und liebevollen Sanierung von Denkmalen verschrieben. Erfahrung bringt sie von zahlreichen Objekten mit. Eines der bekanntesten war die Wiederbelebung des Pirnaer Schlossparks. Beim Brückenhaus fungiert Repima als Bauträger.

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Sören Bankert lädt zu einer Führung durch das Gebäude Meißen, Hohlweg 3, ein. Er ist Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens Repima. Seine Firma hat sich der Sanierung von Denkmalen verschrieben.
Sören Bankert lädt zu einer Führung durch das Gebäude Meißen, Hohlweg 3, ein. Er ist Geschäftsführer des Dresdner Unternehmens Repima. Seine Firma hat sich der Sanierung von Denkmalen verschrieben. © Claudia Hübschmann
Direkt unter dem Dach eröffnet sich dem Besucher ein wechselndes Panorama. Durch die Fenster geht der Blick auf der einen Seite in Richtung Prälatenhaus. Auf der anderen Seite reicht er bis hinüber zum Crassoberg.
Direkt unter dem Dach eröffnet sich dem Besucher ein wechselndes Panorama. Durch die Fenster geht der Blick auf der einen Seite in Richtung Prälatenhaus. Auf der anderen Seite reicht er bis hinüber zum Crassoberg. © Claudia Hübschmann
Bei der Sanierung werden individuelle Details bewahrt. Zum Beispiel der Blick auf Teile des Sandsteinbogens der Burgbrücke. Beim Aufstocken wurde das Haus hier ursprünglich einfach angelehnt.
Bei der Sanierung werden individuelle Details bewahrt. Zum Beispiel der Blick auf Teile des Sandsteinbogens der Burgbrücke. Beim Aufstocken wurde das Haus hier ursprünglich einfach angelehnt. © Claudia Hübschmann
Noch bis in die Jahre nach der Wende gab es in dem historischen Gebäude offenbar nur Trockenklos und sehr exotische Kloschüsseln aus braunem Steingut, nicht wie üblich aus weißer Sanitärkeramik.
Noch bis in die Jahre nach der Wende gab es in dem historischen Gebäude offenbar nur Trockenklos und sehr exotische Kloschüsseln aus braunem Steingut, nicht wie üblich aus weißer Sanitärkeramik. © Claudia Hübschmann

Ein Schritt über die Schwelle, schon befindet sich der Besucher mitten in der Baustelle. Rechterhand steht der Container, in den die Abbruchmassen rutschen. Schnell weg von diesem staubigen Punkt. Die Bausubstanz des Gebäudes sei trotz des jahrelangen Leerstandes erstaunlich gut, sagt Bankert. In den unteren Etagen gehe sie Analysen zufolge bis ins 16. Jahrhundert zurück. Die oberen Stockwerke, welche das Gebäude letztlich mit der Brücke zur Albrechtsburg verbinden, wurden offenbar in späteren Jahrhunderten aufgestockt. So entstand das wahrscheinlich einzige "Hochhaus" in der Meißner Altstadt.

Nach Angaben von Denkmalschützern dürfte dem Denkmal eine bedeutende Rolle für die Geschichte Meißens zukommen. Vermutlich diente es während der Anfangsjahre der Porzellanproduktion in der Burg als Wohnstätte für die Geheimnisträger, weitere Mitarbeiter und sogar deren Familien. Die Arkanisten sollten eigentlich das Wissen um Rezeptur und Herstellung des Weißen Goldes als sächsisches Monopol bewahren. Im Handumdrehen allerdings verbreitete sich das Knowhow in Europa. Trotzdem blieb Meissen bis ins 19. Jahrhundert ein Vorsprung erhalten. Nachgewiesen ist dank Forschungsarbeiten des langjährigen Leiters der Manufaktur-Schauhalle Hans Sonntag auch, dass die dänische Porzellanmalerin Marianne Höst Anfang des 20. Jahrhunderts in dem Haus Quartier bezog.

26 kleine Appartements entstehen

Sören Bankert ist unterdessen aus dem Hochparterre eine Etage nach oben gestiegen. Hier zweigen vom Treppenhaus jeweils zwei Türen ab. Sie führen in kleine Korridore, welche den Zugang zum Rest der Wohnung bilden. Diese Struktur zieht sich weitgehend unverändert durch das gesamte Gebäude. Die Repima möchte diese Grundanlage erhalten und für den Einbau von 26 kleineren Appartements nutzen, die sich in erster Linie an Einzelpersonen richten.

Dabei werden individuelle Details bewahrt. Zum Beispiel der Blick auf Teile des Sandsteinbogens der Burgbrücke. Beim Aufstocken wurde das Haus in diesem Bereich ursprünglich einfach angelehnt, erst später dann eine Mauer vor den Sandstein geblendet. Diese wird nun abgerissen, die optisch ansprechende Struktur dahinter frei gelegt.

Boden schon immer bewohnt

Direkt unter dem Dach eröffnet sich dem Besucher ein wechselndes Panorama. Durch die Fenster geht der Blick auf der einen Seite in Richtung Prälatenhaus, Rote Stufen und Turm der Frauenkirche. Auf der anderen Seite reicht er über die Altstadt bis hinüber zum Crassoberg. Bankert verweist auf das Gerüst, welches derzeit noch das gesamte Gebäude umzieht. "Hier sind wir sehr dankbar, mit Gerüstbauer Henry Gaitzsch aus Semmelsberg einen hiesigen Handwerker gewonnen zu haben", sagt der Repima-Chef. Die Aufgabe sei logistisch sehr herausfordernd gewesen, aufgrund der begrenzten Platzkapazitäten in der Altstadt.

Wie bereits in der Vergangenheit soll der Bodenraum wieder für Wohnungen genutzt werden. Der Spitzboden kommt zu den unteren Flächen hinzu, was einen nochmaligen Anreiz für künftige Mieter bieten dürfte.

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Ob das Brückenhaus die einzige Immobilie der Repima in Meißen bleibt? Sören Bankert schmunzelt und hält sich bedeckt. Fakt ist: Vom Brückenhaus führt über die italienischen Vorbesitzer eine Linie zum Kornhaus unmittelbar neben der Albrechtsburg. Dieses habe allerdings eine nochmals kompliziertere Struktur als das Gebäude Hohlweg 3, so der Sanierungsspezialist. Hier komme sehr viel auf die Haltung des Denkmalschutzes an. Und dann wäre da ja noch die Bewerbung Meißens als Weltkulturerbe, welche dem Kornhaus eine neue Perspektive eröffnen könnte und vielleicht auch dem Brückenhaus eine zusätzliche Funktion verschafft.

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