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Ohne Geige kann sie nicht leben

Amelie Westerkamp nimmt dankbar am internationalen Wettbewerb "Szymon Goldberg" in Meißen teil. Wegen Corona gab es auch für sie kaum Auftritte.

Amelie Westerkamp ist leidenschaftliche Musikerin und mit 13 Jahren die jüngste Teilnehmerin des internationalen Musikwettbewerbs in Meißen. Sie spielt auf einer Geige ihres Uropas.
Amelie Westerkamp ist leidenschaftliche Musikerin und mit 13 Jahren die jüngste Teilnehmerin des internationalen Musikwettbewerbs in Meißen. Sie spielt auf einer Geige ihres Uropas. © Claudia Hübschmann

Meißen. Aus Amelie Westerkamp spricht spontan die Leidenschaft: "Ich will Musik machen." Darum ist sie in die Domstadt gekommen. Die 13-Jährige ist die jüngste Teilnehmerin des internationalen Wettbewerbs "Szymon Goldberg" in Meißen. Dafür ist sie und ihre Mutter extra aus Engelskirchen in der Nähe Kölns angereist. Aufgrund von Corona mit dem Auto, um ein Ansteckungsrisiko zu minimieren. Für Amelie Westerkamp ist der Wettbewerb dabei lebensnotwendig. "Daran wächst man musikalisch", sagt sie. "Es ist toll, so viele andere junge Musiker aus der ganzen Welt kennenzulernen und gemeinsam zu musizieren."

Auch sie wollte in den vergangenen Monaten gern mehr spielen. Doch es wurden viele Auftritte abgesagt. Sie selbst spielt dabei Geige, seit sie fünf Jahre alt ist. Von der Mutter hat sie es nicht, denn sie ist keine Musikerin: "Das ist mein Leid. Aber die Geige hat Amelie von ihrem Uropa." Andrea Westerkamp bezeichnet die Geige als schlecht. Doch die Tochter ist mit ihr immerhin in die zweite von drei Runden des Wettbewerbs gekommen. Denn nicht nur das Material des Instruments ist entscheidend, sondern auch das Können der Geigerin. Daran scheitert es offenbar nicht.

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Annette Unger wiederum ist froh, dass der Wettbewerb überhaupt stattfinden kann. Denn die vergangenen Nächte davor waren schlaflos, ob alles so klappt, wie sie und ihr Team das geplant haben. Denn bis kurz vorher haben Künstler abgesagt, da sie aufgrund von Corona nicht einreisen konnten. "Eigentlich wussten wir sogar erst einen Tag vorher, dass wir den Wettbewerb durchführen können", erklärt die Professorin an der Hochschule für Musik in Dresden, die 1999 den Wettbewerb ins Leben gerufen hat. "Ich habe regelmäßig Stoßgebete gesendet, dass wir starten können."

Die Juroren Annette Unger, Skerdjano Keraj, Hyunjee Chun und Sylvio Krause (v. l.) sind begeistert, wie hoch das Niveau der Teilnehmer ist. Sylvio Krause: "Seit den vergangenen Jahren steigt die Qualität kontinuierlich."
Die Juroren Annette Unger, Skerdjano Keraj, Hyunjee Chun und Sylvio Krause (v. l.) sind begeistert, wie hoch das Niveau der Teilnehmer ist. Sylvio Krause: "Seit den vergangenen Jahren steigt die Qualität kontinuierlich." © Claudia Hübschmann

"Trotz Corona haben wir mehr Teilnehmer als sonst."

Damit ist der Meißner Szymon-Goldberg-Wettbewerb einer der wenigen, die dieses Jahr überhaupt stattfinden können. "Es wurden in den vergangenen Monaten viele internationale Wettbewerbe abgesagt", erklärt Sylvio Krause. Der Professor an der Hochschule für Musik und Theater Rostock ist schon mehrere Jahre als Juror dabei. Was ihn dieses Jahr überrascht hat: "Trotz Corona haben wir mehr Teilnehmer als sonst." Vermutlich, weil so viele Wettbewerbe abgesagt wurden. 

Ein anderer Grund: "Der Ruf des Szymon-Goldberg-Wettbewerbs ist weltweit sehr gut", sagt Sylvio Krause. Das liege vor allem an der großartigen Organisation durch Annette Unger. Seit 1999 kommen jährlich junge Musiker aus mehr als 30 Ländern wie Russland, China, Italien, Großbritannien und Aserbaidschan. Aber auch aus Südkorea so wie die Jungjurorin Hjunjee Chun. Die 28-Jährige ist das zweite Mal Teil der Jury. Sie hat 2017 den zweiten Platz beim Szymon-Goldberg-Wettbewerb ergattert und studiert seit fünf Jahren in Dresden an der Hochschule für Musik.

Der Wettbewerb in Meißen ist dabei Szymon Goldberg gewidmet. Er war Geiger, Pädagoge und Orchesterleiter. 1999 gründete sich die Internationale Musikakademie Meißen, anlässlich des 100. Geburtstags des Ausnahmekünstlers, der damals als Wunderkind galt. Denn schon mit 16 Jahren war er Konzertmeister der Dresdner Philharmonie. Der Wettbewerb richtet sich daher besonders an junge Musiker aus der ganzen Welt. Sie spielen Musikstücke, die Bezug auf Szymon Goldbergs musikalisches Wirken nehmen.

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Am 29. Oktober können zudem 19 Uhr Interessierte das Abschlusskonzert der Preisträger besuchen, und zwar im Propsteisaal der Evangelischen Akademie Meißen. Dort findet auch der Wettbewerb statt. Aufgrund der aktuellen Corona-Lage ist die Personenanzahl auf 25 beschränkt. Mund-Nasen-Schutz sind in der Evangelischen Akademie vorgeschrieben, die Benutzung der Aufzüge ist nur eingeschränkt möglich. Zudem können Besucher noch bis 14 Uhr die einzelnen Vorträge der Wettbewerbsteilnehmer anhören. Den Zeitplan gibt es unter www.goldberg-musik.com.

Tickets kosten 12,50 Euro und sind auf 25 Stück begrenzt. Sie müssen unter [email protected] bestellt werden.

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