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Schleinitzer holen sich einen Dämpfer

Trotz des Stadtfestes in Riesa erfreute sich der Handwerker- und Dreschtag in Schleinitz eines großen Besucherandrangs. Und es gab auch neues.

Seit Jahren hält Gerhard Röder (links) in Schleinitz das Schmiedefeuer am Lodern.
Seit Jahren hält Gerhard Röder (links) in Schleinitz das Schmiedefeuer am Lodern. © Gerhard Schlechte

Nossen. Gerhard Doleschal, früherer Bürgermeister von Leuben-Schleinitz und Vorsitzender des Fördervereins Schloss Schleinitz, war am Montag noch vom Wochenende gezeichnet. "Uns allen taten schon ziemlich die Knochen weh", sagt er.

Die Vereinsmitglieder und viele ehrenamtliche Helfer, insgesamt rund 90 Leute, waren am Sonntag beim Handwerker- und Dreschtag in Schleinitz im Einsatz. Er ist jedes Jahr der Höhepunkt im Vereinsleben. Trotz des Stadtfestes in Riesa war der Besucherandrang ungebrochen, darunter viele Gäste aus der benachbarten Stadt. Wie in den Vorjahren wurden aber über den Tag verteilt knapp 1.000 Eintrittskarten verkauft.

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"Das Wetter stimmte, die Besucherzahlen waren super, überall sah man zufriedene Gesichter", sagt der Vereinschef. Die Gäste waren nicht nur neugierig auf alte Handwerkstechniken, die im Museum vorgeführt wurden, sondern auch hungrig und durstig. Etwa 550 Bratwürste gingen, 200 Liter Bier flossen durch die trockenen Kehlen, 33 selbstgebackene Kuchen wurden an den Mann, die Frau oder die Kinder gebracht.

Immer wieder sehenswert ist, wie vor 100 und mehr Jahren das Getreide eingebracht wurde.
Immer wieder sehenswert ist, wie vor 100 und mehr Jahren das Getreide eingebracht wurde. © Gerhard Schlechte
Über mangelnde Besucher konnten sich die Organisatoren des Handwerker- und Dreschtages nicht beklagten.
Über mangelnde Besucher konnten sich die Organisatoren des Handwerker- und Dreschtages nicht beklagten. © Gerhard Schlechte
Schon im Vorjahr ein Magnet - die Oldtimerschau mit historischen Traktoren wie Lanz Bulldog und anderen.
Schon im Vorjahr ein Magnet - die Oldtimerschau mit historischen Traktoren wie Lanz Bulldog und anderen. © Gerhard Schlechte
Die Männer mit den Kartoffeln: Peter Kühne, Frank Kühne und Bernd Röder (v.l.n.r.)
Die Männer mit den Kartoffeln: Peter Kühne, Frank Kühne und Bernd Röder (v.l.n.r.) © Gerhard Schlechte

192 Portionen gedämpfte Kartoffeln

Höhepunkt war wieder das Dreschen des Getreides wie vor 100 Jahren. Aber auch die Ausstellung von Oldtimer-Traktoren zog die Besucher an, ebenso wie Vorführungen mit Jagdhunden. Neu in diesem Jahr war ein historischer Kartoffeldämpfer, den Frank Kühne, der ehemalige Chef der Lommatzscher Firma Kühne Förderanlagenbau, nach Lommatzsch zurückholte, an den Ort, an dem der Dämpfer gebaut wurde.

Die mehr als 80 Jahre alte Maschine hatten 2005 vier Enthusiasten aus Dellhofen in 1.500 Arbeitsstunden und mit insgesamt 8.000 Euro wieder voll funktionstüchtig hergestellt. In zwölf Jahren war der Dämpfer rund 50 Mal im gesamten Rhein-Hunsrück-Kreis bei Volksfesten im Einsatz. Dann wurde der Kartoffeldämpfer zum Kauf angeboten. Frank Kühne, der dem Schleinitzer Verein angehört, schlug zu.

In Schleinitz konnte der Kartoffeldämpfer nicht nur angeschaut werden, er kam auch zum Einsatz. 192 Portionen gedämpfte Kartoffeln mit Quark wurden verkauft. Insgesamt gab es an diesem Tag wichtige Einnahmen für die Vereinsarbeit, nachdem diese wegen Corona beeinträchtigt war und das Museum bis 20. Juni schließen musste.

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Das Handwerkermuseum ist noch bis Ende Oktober jeden Sonntag und an Feiertagen von 13 bis 18 Uhr geöffnet. Und bis zum nächsten Sonntag werden sich die überwiegend älteren Vereinsmitglieder wohl auch von den Strapazen des Handwerker- und Dreschtages erholt haben.

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