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"Wie Beifall klatschen ohne laut zu machen"

Nach 37 Jahren fällt der Niederauer Fasching im November erstmals aus. Grund ist nicht nur der Verkauf des Kulturhauses.

Wolfgang Kutzsche, Chef des Niederauer Karnevalsclubs, sucht eine neue Spielstätte.
Wolfgang Kutzsche, Chef des Niederauer Karnevalsclubs, sucht eine neue Spielstätte. ©  Foto: Claudia Hübschmann

Niederau. Der geplante Verkauf des Kulturhauses trifft den Niederauer Karnevalsclub schwer.  Er verliert damit seine Spielstätte,  in der seit 37 Jahren der Fasching gefeiert wird. "Wechselten zu DDR-Zeiten und in den Wendejahren die Wirtsleute ständig, so dass wir dann schon aufhörten, sie zu zählen, waren wir heilfroh, als vor zwölf Jahren Hagen Pelz mit seiner Familie das Haus kaufte und wir unter hervorragenden Bedingungen unsere Veranstaltungen durchführen konnten. Auch für Proben, Dekoration, Versammlungen stand das Haus immer für uns offen. Dafür möchten wir uns ganz herzlich bedanken", sagt Wolfgang Kutzsche, der Chef des Karnevalsvereins. 

Dann kam das Jahr 2020, das an Negativem für den Verein kaum zu überbieten sei. "Die Pandemie, die uns alle zurückschlägt und von der wir noch nicht wissen, wie es weitergeht. Dann die Information, dass Hagen Pelz sein ´Baby`, das Kulti, verkaufen will. Sicherlich gibt es dafür sehr viele Gründe, die uns aber als Club nicht zu interessieren haben", sagt er. Die Frage ist: Kulti zu – was nun? 

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Letzten Hoffnungsschimmer genommen

Hagen Pelz und seine Frau haben sich schweren Herzens entschlossen, das Kulturhaus zu verkaufen. Allerdings rechnete sich der Betrieb schon vor Corona nicht, die Krise gab aber jetzt den Rest. Die Verluste seien nicht mehr durch Veranstaltungen auf dem Gellertberg zu kompensieren, zumal auch dort zahlreiche Veranstaltungen nicht durchgeführt werden konnten, sagte er der SZ. Es laufen aber Fixkosten zwischen 40.000 und 50.000 Euro pro Jahr auf. Er will deshalb das Haus verkaufen und sich nur noch auf Veranstaltungen auf dem Gellertberg und am Wasserschloss in Oberau konzentrieren.

Zwar möchte Hagen Pelz alle für dieses Jahr geplanten Veranstaltungen im Kulturhaus noch durchführen, doch ob das gelingt, kann er nicht garantieren. "Es ist unklar, was ein möglicher Käufer aus dem Haus macht. Klar ist aber, in der momentanen Situation wird sicherlich kein Saalbetrieb mehr stattfinden", sagt Wolfgang Kutzsche. Er hatte gehofft, dass die Gemeinde das Haus übernimmt. Diese habe aber dankend abgelehnt und somit den Karnevalisten den letzten Hoffnungsschimmer genommen.

Es darf nicht mal getanzt werden

Deshalb habe man beschlossen, die Auftaktveranstaltung im November ausfallen zu lassen. Es sei der erste Mal in 37 Jahren, dass der Faschingsauftakt in Niederau ausfällt. Und weil das so ist und etwa seit Juli bekannt ist, dass das Kulti verkauft werden soll, hat sich der Verein auch noch nicht um ein Prinzenpaar bemüht. Das wechselt alle zwei Jahre, in dieser Saison wäre an neues dran. 

Doch die unklaren Verhältnisse rund um das Kulti sind nicht der einzige Grund. "Fasching im halbvollen Saal, womöglich noch mit einer Mund- und Nasenbedeckung, und dann darf noch nicht einmal getanzt werden. Das ist wie Beifall klatschen ohne laut zu machen", sagt der Vereinschef.

Aber bei den Karnevalisten sei das Glas immer halbvoll und nicht halbleer, und deshalb werde es weitergehen mit dem Karneval in Niederau. Der Vorstand habe sich im Ort nach verschiedenen Möglichkeiten umgeschaut, die in Betracht kämen, um die Veranstaltungen durchführen zu können. Eine Entscheidung sei noch nicht getroffen worden, man habe jetzt aber eine erfolgversprechende Variante im Auge.  Konkreter will sich der Vereinschef vorerst nicht äußern. Eines könne aber jetzt schon gesagt werden: Karneval in Niederau finde weiterhin statt. Klar sei nur, dass im November nicht gefeiert werde. In den vergangenen beiden Jahren gab es zum Auftakt am 11.11. im Kulti immer ein Gänseessen.

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