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"Bis alle geimpft sind, gibt es keine Kultur mehr"

Die Vorsitzende des Tourismusvereins Meißen fordert vom Ministerpräsidenten, Kulturschaffende mehr zu unterstützen. Doch dieser bekräftigt seine Ansage.

Jeanette Ender, Vorsitzende des Meißner Tourismusvereins, kritisiert die Aussagen Michael Kretschmers zum Osterurlaub.
Jeanette Ender, Vorsitzende des Meißner Tourismusvereins, kritisiert die Aussagen Michael Kretschmers zum Osterurlaub. © Claudia Hübschmann

Meißen. Erst am Wochenende hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Reisen an Ostern ausgeschlossen. "Ich bin dafür, Wahrheiten auszusprechen: Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben", sagte er der "Bild am Sonntag". Dafür hagelt es Kritik – auch aus der eigenen Partei. Jeanette Ender schließt sich an. In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten fordert die Vorsitzende des Tourismusvereins Meißen: "Seit Monaten werden die Betriebe der Gastronomie sowie Beherbergungsbetriebe hingehalten." Sie fordert deshalb ein Konzept aus dem Lockdown.

Kulturschaffende haben jetzt schon seit einem Jahr Berufsverbot, schreibt Jeanette Ender. Das könne sie nicht nachvollziehen, da gerade diese im Sommer 2020 Hygienekonzepte entwarfen und umsetzten, die sich bewährt haben. Der Ministerpräsident betonte hingegen am Mittwoch in der ARD-Talkshow "maischberger. die woche" erneut, dass der Verzicht auf den Osterurlaub erst einen unbeschwerten Sommer 2021 ermögliche. "Und danach werden wir dann hoffentlich alle geimpft sein", so Michael Kretschmer. Er wolle nicht zwischen Schließung und Öffnung hin- und herschwanken wie in Tschechien. Sein Ziel sei es daher, konsequent auf eine Inzidenz von 35 zu kommen.

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Jeanette Ender könne aber nicht verstehen, dass trotz der aktuell sinkenden Infektionszahlen weiterhin das Berufsverbot bestehen bleibe. Zudem sei es nicht erwiesen, ob Infektionen in öffentlichen Einrichtungen, Gaststätten oder Hotels erfolgten. Deshalb den Lockdown bis Ostern oder noch länger aufrechtzuerhalten, erschließt sich ihr nicht. "Immerhin gehen bis April noch sieben Wochen ins Land."

Einen Abhol- und Lieferservice könne die Kultur-Branche ebenso nicht anbieten, um Umsatzverluste etwas abzumildern. Einige Betriebe fallen zudem aus dem Raster, überhaupt die Überbrückungshilfen zu erhalten, mahnt die Vorsitzende in ihrem offenen Brief. Kulturschaffende seien mündige Bürger, die eine Ansteckung nicht in Kauf nehmen, da sie so berufsunfähig werden. Jeanette Ender fordert deshalb den Ministerpräsidenten dazu auf, einen "angemessenen Kulturbetrieb" zuzulassen. "Geben Sie eine Perspektive", richtet sie an ihn.

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Man könne nicht mit der Öffnung warten, bis alle Menschen in Deutschland geimpft seien. "Bis dahin gibt es keine Kultur mehr, keine gastronomische Vielfalt, keinen Tourismus." Sie sehe die Aufgabe des Ministerpräsidenten darin, Lösungen zu finden, um mit dem Virus leben zu können, genauso wie mit der Grippe. "Schluss mit der ewigen Hinhalterei." Sie verlange, dass der Ministerpräsident den Bürgern mehr vertraut.

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