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Kunstrasenplatz auf der Kippe?

Wegen Corona hat die Stadt Lommatzsch weniger Einnahmen. Es gibt eine Streichliste für Investitionen. Auch der Fußballplatz steht drauf.

Bei Trockenheit staubt es, bei Regen wie hier ist der Lommatzscher Hartplatz schlammig. Ein Kunstrasenplatz soll her. Die Szene stammt aus einem A-Jugend-Spiel zwischen Lommatzsch und Langenau.
Bei Trockenheit staubt es, bei Regen wie hier ist der Lommatzscher Hartplatz schlammig. Ein Kunstrasenplatz soll her. Die Szene stammt aus einem A-Jugend-Spiel zwischen Lommatzsch und Langenau. © Gerhard Schlechte

Lommatzsch. Den Fußballern des Lommatzscher SV geht es derzeit wie allen Sportvereinen. Wegen Corona ist der Spielbetrieb eingestellt, auch Training ist verboten. Das ist sonst anders. Auf dem Sportplatz trainieren etwa 130 Kinder. Hinzu kommen der Spielbetrieb und der Erwachsenensport.

Doch es gibt einen Haken. Der Platz ist ein Hartplatz, entsprechend hoch ist das Verletzungsrisiko. Seit vielen Jahren wünschen sich die Sportler deshalb einen Kunstrasenplatz. Dieser Wunsch scheint nun in Erfüllung zu gehen. Die Stadt hat entsprechende Planungen in Auftrag gegeben. Doch es droht etwas dazwischen zu kommen: Corona.

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Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Die Stadt rechnet wegen der Krise mit erheblichen Steuerausfällen. "Wir müssen sehen, welche geplanten Investitionen wir im nächsten Jahr durchführen können und welche nicht", sagt Bürgermeisterin Anita Maaß (FDP) . Und so hat die Stadt eine "Streichliste" erarbeitet. Darauf steht auch der Kunstrasenplatz. Entscheiden muss darüber der Stadtrat. Hier ist der Kunstrasenplatz nicht unumstritten. Vor allem die Freien Wähler sind dagegen. Ein Hauptgrund sind die Kosten. Von einer Million Euro war mal die Rede, mittlerweile geht man "nur" von 900.000 Euro aus.

Die Freien Wähler möchten, dass nicht nur der Stadtrat über einen Kunstrasenplatz entscheidet, sondern es sollen die Bürger gefragt werden. In den Ortsteilen sieht man eine solch hohe Investition in der Stadt wohl eher kritisch.

Überflutung könnte drohen

Doch es sind nicht nur die hohen Kosten, die gegen einen solchen Platz sprechen. Dieser befindet sich in einem hochwassergefährdeten Gebiet, wurde schon mehrfach überflutet. Zudem bestünden Gefahren für die Umwelt. Aus dem Kunstrasen könne Kunststoffgranulat ins Grundwasser und in den Ketzerbach gelangen.

Stimmt nicht, sagt Peter Rennert, der für die CDU im Lommatzscher Stadtrat sitzt und Vorstandsmitglied beim Lommatzscher Sportverein ist. "Tatsächlich befand sich in alten Kunstrasenplätzen schwarzes Kunststoffgranulat. Das ist inzwischen aber verboten", sagt er. Für die heutigen Plätze würde entweder Quarzsand verwendet oder Korkgranulat, also ein natürlicher Stoff. Beides sei von der EU zugelassen.

Ein Problem ist allerdings tatsächlich, dass der Platz überfluten könnte. "Wenn auf dem Kunstrasenplatz eine Schlammlawine liegt, ist er hinüber", sagt Peter Rennert. Zwar sind auch Hochwasserschutzmaßnahmen geplant, ganz aber kann eine Überflutung nicht verhindert werden. Dann nämlich, wenn es ein Hochwasser gibt, das statistisch alle 50 oder 100 Jahre auftrifft. "Das Problem ist die Brücke, die zu niedrig ist. Dort würde das Wasser zurückstauen", so die Bürgermeisterin. Auch dafür hat Peter Rennert eine Lösung parat. Der Platz solle aufgeschüttet und etwa einen halben Meter höher gebaut werden. "Dann wären wir zu 95 Prozent vor Hochwasser geschützt", sagt er.

Doch warum muss es ein Kunstrasenplatz sein? Würde ein Rasenplatz nicht genügen? Wäre der nicht günstiger? "Das schon. Doch ein Kunstrasenplatz ist das ganze Jahr über nutzbar, während wir auf Rasen nur von April bis Oktober trainieren und spielen können", so Peter Rennert. Zudem würde der Platz stark beansprucht. Allein acht Nachwuchsmannschaften trainieren dort regelmäßig.

Auch Punktspiele finden auf dem jetzigen Hartplatz statt, aber nicht mehr lange. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) lasse Spiele auf derartigen Plätzen nicht mehr zu.

Vor drei Jahren neues Flutlicht

"Der Hartplatz ist hinüber, es muss etwas passieren. Die Frage ist nur, was und wann es passiert", so Anita Maaß. Im Januar solle die Sache im Stadtrat beraten werden, im Februar muss eine Entscheidung fallen, dann wird der Haushalt aufgestellt. Schon seit zwei Jahren seien Mittel für einen Kunstrasenplatz im Haushalt eingeplant gewesen. Doch ohne Förderung gehe es nicht. Die Gelder über die Sportförderung müssen bis zum 30. September beantragt werden. Die Stadt hofft auf eine 50-prozentige Förderung. Dennoch bleibt ein Batzen Geld übrig. Von den 900.000 Euro geht etwa die Hälfte für die Umzäunung und Hochwasserschutzmaßnahmen drauf. "Darüber müssen wir reden. Eine konstruktive Diskussion und Kompromisse sind wichtig. Ich bin mir sicher, wir finden eine für alle tragbare Lösung", so die Bürgermeisterin.

Eines ist klar: Wird der Kunstrasenplatz gebaut, müssen andere Investitionen warten. "Wir können die Decke ziehen, wie wir wollen, sie ist immer zu kurz", so Anita Maaß. Zudem wäre der Bau eines Kunstrasenplatzes eine freiwillige Aufgabe.

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Der Kunstrasenplatz wäre das I-Tüpfelchen auf die Trainingsanlage. Bereits vor drei Jahren wurde dort neues Flutlicht installiert. Die alte Anlage war über 50 Jahre alt. Sie war damals mithilfe der LPG als Provisorium errichtet worden. Wegen der geringen Lichtstärke war sie nicht für den Spielbetrieb zugelassen, sondern nur für das Training. Zudem war sie mit einem Energieverbrauch von 12,4 Kilowatt ineffizient. "Sie produziert mehr Wärme als Licht", so die Bürgermeisterin. Die Kosten beliefen sich damals auf 110.000 Euro, wovon die Stadt die Hälfte als Eigenanteil zahlte.

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