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Blaue Felswände und mythologische Augen

Die eine arbeitet mit Pinseln, der andere mit 3-D-Druckern: In der Doppelausstellung des Kunstvereins Meißen treffen zwei scheinbar unvereinbare Künstler aufeinander.

Jonas Engelhardt geht es bei seinen Werken um die Verbindung von Organischem und Mechanischen. Ein Klick erweckt seine Skulptur zum Leben.
Jonas Engelhardt geht es bei seinen Werken um die Verbindung von Organischem und Mechanischen. Ein Klick erweckt seine Skulptur zum Leben. © Robin Geyer

Meißen. Auf den ersten Blick verbindet die Werke der beiden Meisterschüler wenig: Erika Richter zeichnet Gesteinsstrukturen, in schillernden Farben, und Jonas Engelhardt verformt Skulpturen so lange, bis sie unwirklich aussehen - Inhalte sind dabei nebensächlich. Um die Gemeinsamkeiten zu erkennen, müssten Besucher genügend Zeit mitbringen, meint Kuratorin Nina Fischäss.

Seit drei Jahren stellen jeden Sommer ausgewählte Meisterschüler der Kunsthochschule Dresden in einer Doppelausstellung im Kunstverein Meißen ihre Werke aus: "Die Ausstellung im letzten Jahr war sehr gleichförmig. Beide Künstler haben sehr minimal gearbeitet." Dieses Jahr habe Fischäss eine spannungsvolle Kombination gefunden.

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Die beiden Künstler kennen sich seit Beginn ihres Studiums, damals lag bei beiden noch der Schwerpunkt auf der Malerei. Doch Engelhardt fand den größeren Reiz an plastischen Arbeiten. Für diese Ausstellung kommen alle Werke aus dem 3-D-Drucker.

Wegen Corona war es schwierig, in der Werkstatt der Hochschule zu arbeiten, weshalb Engelhardt den 3-D-Drucker des Künstlerkollegen und Robotikmusikers Moritz Simon Geist nutzte - wohlgemerkt einen handelsüblichen 3-D-Drucker.

Das Besondere: Trotz der scheinbar akkuraten Fertigungsweise eines 3-D-Druckers besteht Engelhardts Anspruch darin, seine Skulpturen handgemacht aussehen zu lassen. Mit allen Makeln. So werden die Werke schon so am Computer so konzipiert, später in verschiedenen Schichten lasiert und wieder abgetragen. Durch eine Mischung aus verschiedenen Tonarten so sehr verfremdet, dass es nicht wiederzuerkennen ist und Platz für neue Assoziationen bietet.

Banale Fragen, was das Werk darstellt, sind Engelhardt dabei gar nicht so wichtig. Ihm geht es um die endgültige Umformung der Wirklichkeit; so lange bis ein alternatives Weltbild entsteht.

Erica Richter überzeichnet und vereinfacht in ihren Bildern, bei der Farbpalette bleibt sie eng beim Original.
Erica Richter überzeichnet und vereinfacht in ihren Bildern, bei der Farbpalette bleibt sie eng beim Original. © Robin Geyer
Inhalte sind für Jonas Engelhard der Konzeption seiner Skulpturen nebensächlich.
Inhalte sind für Jonas Engelhard der Konzeption seiner Skulpturen nebensächlich. © Robin Geyer
Augen, aus asiatischen Mythologie, darüber ein Matcha-Besen und ein Finger. Doch aufgepasst, die Skulptur lässt sich zum Leben erwecken, dann fährt der Finger langsam von oben nach unten und bringt den Matcha-Besen zum Klingen.
Augen, aus asiatischen Mythologie, darüber ein Matcha-Besen und ein Finger. Doch aufgepasst, die Skulptur lässt sich zum Leben erwecken, dann fährt der Finger langsam von oben nach unten und bringt den Matcha-Besen zum Klingen. © Robin Geyer

Auf der anderen Seite der Ausstellung sind die Bildmotive schnell identifiziert: Es handelt sich um Felswände, genauer gesagt, Felswände aus dem Elbsandsteingebirge. Ein beliebtes, vielleicht schon übersättigtes Motiv. Doch Richter hat für ihre Bilderreihe einen besonderen Ansatz gewählt. Der Fokus liege auf der Oberfläche der Gesteinsschichten. Die sei besonders spannend, weil dort Schicht für Schicht eine Veränderung offengelegt wird. Anfangs zeichnete Richter die Gesteinsschichten aus ihrer Erinnerung nach und musste feststellen, dass sie sich kaum aus dem Gedächtnis reproduzieren lassen.

Letztlich hat sie sich an Fotografien orientiert. Trotzdem leuchten die Felswände auf ihren Bildern bläulich und sind dennoch nur leicht überzeichnet: "Tatsächlich ist die Farbpalette ganz nah am Original." Dass es zu schillernden Blautönen kommt, liege an Eisenanteilen, die sich im richtigen Licht bläulich vom Sandstein abheben.

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So weit, so unterschiedliche Künstler. Doch wer die Werke nur lange genug beobachtet, entdeckt in jedem die Bausteine der Natur, sagt die Kuratorin: "Wer genug Zeit mitbringt, hat die Gelegenheit, diese Ursprünge nachzuempfinden und der Umformung nachzuspüren."

Die Ausstellung Codes of Nature läuft bis Ende August, der Eintritt ist frei. Zur Katalogpräsentation am 28. August um 17 Uhr kann man mit den beiden Künstlern ins Gespräch kommen.

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