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Lernen im Lockdown: Eltern sehr wichtig

Die Sprecher des Kreiselternrates Meißen Nadine Eichhorn und Sven Auerswald über Herausforderungen und Chancen des Heimunterrichts.

Die Lernplattform Lernsax läuft zwar stabil, doch die Fülle an Möglichkeiten kann schnell zu Problemen führen, sagt der Meißner Kreiselternratssprecher Sven Auerswald.
Die Lernplattform Lernsax läuft zwar stabil, doch die Fülle an Möglichkeiten kann schnell zu Problemen führen, sagt der Meißner Kreiselternratssprecher Sven Auerswald. © Claudia Hübschmann

Die Schulen im Kreis arbeiten im zweiten Lockdown. Läuft es jetzt besser als im Frühjahr?

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Nadine Eichhorn: Beim ersten Lockdown waren die Schulen im Vorteil, die bereits mit Online-Formaten und der Lernplattform Lernsax gearbeitet hatten. Diesen Vorsprung gibt es jetzt so nicht mehr. Lehrer und Schüler haben sich an die neue Arbeitsweise gewöhnt. Trotzdem kann es von Fall zu Fall Unterschiede geben. Wichtig bleibt, dass klare Regeln und Routinen existieren: Wann und wie kommen die Aufgaben zu den Schülern? Auf welchem Weg soll geantwortet werden? Wie erfolgt eine Rückmeldung? Viel hängt vom einzelnen Lehrer ab.

Eltern haben sich im März und April oft als Hilfslehrer gefühlt. Welche Rückmeldungen erhalten Sie jetzt?

Sven Auerswald: Es ist in den vergangenen Monaten klar geworden, dass die Eltern in Phasen des Online-Lernens eine noch größere Rolle spielen als in Zeiten des Präsenzunterrichts. Sie müssen mitmachen, motivieren und sowohl beim Vermitteln des Stoffes als auch in technischen Fragen wie beim Ausdrucken oder Einscannen helfen. Dieses Dreiecksverhältnis zwischen Schülern, Lehrern und Eltern wird aus meiner Sicht mittlerweile weitgehend akzeptiert. Dementsprechend werden die Eltern auch enger einbezogen, als das noch im vergangenen Jahr der Fall war. Informationsveranstaltungen, Austauschrunden und Elternabende laufen online.

Die Lernplattform Lernsax stand mit Beginn des zweiten Lockdowns stark in der Kritik. Hat sich die Lage stabilisiert?

Sven Auerswald: Die Zugriffsschwierigkeiten aus der Anfangsphase scheinen behoben zu sein und Lernsax läuft weitgehend stabil. Eine nächste Frage ist allerdings, wie sich Lernsax am besten und effizientesten nutzen lässt. Die Plattform bietet sehr viele Möglichkeiten und Kanäle. Es wäre gut, sich hier auf Standards zu einigen. Besonders wichtig ist das für Eltern, die Kinder auf zwei verschiedenen Schulen haben. Sie müssen sich oft mit zwei Systemen auseinandersetzen. Der Kreiselternrat Meißen hat sich dazu schon Gedanken gemacht und die Ergebnisse in einem Diskussionspapier zusammengefasst. Gern nehmen wir von allen Seiten dazu weitere Hinweise auf. Sehr dankbar sind wir Eltern dafür, dass die Lehrer jetzt häufiger mit ihren Schüler interagieren, als dies im ersten Lockdown der Fall war. Lehrersprechstunden und Konferenzen zu festen Zeiten helfen den Kindern und Jugendlichen, ihren Tag zu strukturieren und etwas Austausch zu ermöglichen. Dafür wollen wir gern ein riesengroßes Dankeschön aussprechen.

Was braucht es aus Ihrer Sicht, um eine erfolgreiche Video-Konferenz durchzuführen?

Nadine Eichhorn: Respekt von allen Seiten ist eine ganz wichtige Basis. Nicht immer läuft alles glatt. Mal fliegt jemand aus technischen Gründen aus der Konferenz. Dann funktioniert die Freigabe eines Dokuments nicht richtig. Mehrere Video-Konferenzen über den Tag hinweg können auch echt anstrengend werden und die Konzentration aufbrauchen. Für die Zukunft wäre es deshalb gut, weitere Möglichkeiten und Instrumente, wie zum Beispiel die Anwendung Bigbluebutton, auszuprobieren, um Schüler zum Interagieren und zur gemeinsamen Arbeit zu motivieren.

Lässt sich der Zeitaufwand des Online-Unterrichts mit dem des Präsenz-Unterrichts gleichsetzen?

Sven Auerswald: In dem Bereich existiert sicher noch Kommunikationsbedarf. Wir bekommen nicht selten Hinweise darauf, dass vor allem die Aufgaben in geisteswissenschaftlichen Fächern mitunter das Zeitbudget der Schüler arg strapazieren beziehungsweise übersteigen. In solchen Fällen empfiehlt es sich, direkt bei den Lehrern nachzufragen und höflich darauf hinzuweisen, dass sich die Anforderungen in der Praxis als unrealistisch erwiesen haben.

Mit welchen Themen wenden sich Eltern am häufigsten an Sie?

Nadine Eichhorn: Die meisten Zuschriften und Kontakte gab es sicherlich, nachdem die Ferien gekürzt und vorverlegt wurden. Eltern hatten ihren Urlaub bereits eingereicht und konnten ihn nicht mehr verlegen. Die Familien waren gezwungen, getrennt Urlaub zu machen. Es gab Beispiele, wo Mutter und Vater beide im medizinischen Bereich tätig waren. Weihnachten und Neujahr wurde durchgearbeitet. Der gemeinsame Urlaub war ein Lichtblick und musste dann doch ausfallen.

Sven Auerswald: Neben den praktischen Alltagsfragen treibt viele Eltern eine generelle Ungewissheit um. Sie sorgen sich, ob der Abschluss ihrer Kinder durch die Pandemie entwertet wird und wie sich die Defizite aufholen lassen. Auf solche Ängste sollte die Politik reagieren und Antworten finden.

Sind mittlerweile alle Schüler mit Technik versorgt, um gleichberechtigt am Online-Unterricht teilzunehmen?

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