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140.000 Euro für die Motorsäge

In Siebeneichen arbeiten Forstarbeiter und Baumpfleger. Über die Zukunft des Schlossparks ist noch nicht entschieden.

Motorsägen sind derzeit im Park Siebeneichen im Einsatz.
Motorsägen sind derzeit im Park Siebeneichen im Einsatz. © Claudia Hübschmann

Meißen. Eine Menge Holz – mit dieser Redewendung lässt sich das Pensum wohl am besten beschreiben, das Forstarbeiter und Baumpfleger derzeit im Park Siebeneichen zu bewältigen haben. 98 Bäume müssen aus dem Bestand des etwa 13 Hektar umfassenden Areals entfernt werden, wie Meißens Baumkontrolleur Matthias Karich informiert. Die Bäume wurden „fachlich als tot, absterbend oder hohl und somit bruchgefährdet“ bewertet, erklärt der diplomierte Forstwirt.

Neben den Fällungen, die von den Forstarbeitern in den als Wald deklarierten Bereichen des Parks Siebeneichen erledigt werden, finden auch Baumpflegemaßnahmen statt. Dazu gehören die Totholzbeseitigung und Kroneneinkürzungen zur Wiederherstellung der Bruchsicherheit. Alle Arbeiten im Park dienen der Verkehrssicherung, so Matthias Karich.

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Die ist erst dann gegeben, wenn man sich im Wald wieder aufhalten kann – ohne Gefahr zu laufen, dass abgestorbene Äste plötzlich herabfallen oder dass einzelne Bäume plötzlich kippen und Wege weiter versperren. Ist die Verkehrssicherheit hergestellt, können die amtlich verfügten Sperrungen zahlreicher Park- und Waldwege wieder aufgehoben werden. Bis zum Ende des 1. Quartals 2021 werden die aktuellen Arbeiten in Siebeneichen nach Auskunft des Baumkontrolleurs andauern.

Schwierige Verhältnisse

Die forstlichen Maßnahmen beinhalten u.a. Fällen, Aufarbeitung, Vorliefern und Rücken von Bäumen, die Abfuhr des Holzes sowie Wegebau, erläutert der Baumkontrolleur. Die Arbeiten sind auch wegen der topgrafischen Verhältnisse schwierig auszuführen. Mehrere Technologien wie das seilunterstützte Fällverfahren, die Holzrückung im Tragschleifverfahren und Tragschleppverfahren, Wegebau mittels Minibagger und Klemmbankschlepper, Seilklettertechnik, Schwertsägen sowie Baumpflegemotorsägen kommen zum Einsatz.

Gemeinsam mit den für Denkmalschutz und Naturschutz zuständigen Behörden wurden die Arbeiten vorbereitet und abgestimmt. Dabei wurde auch festgelegt, welche der gefällten Stämme aus dem Wald herausgezogen werden und dass einige wenige nach dem Fällen im Wald belassen werden. Mit den Fachbehörden verhandelt der Meißner Baumpfleger auch über Ersatzpflanzungen. „Für die Auswahl der zu pflanzenden Arten befinden wir uns noch in der Abstimmung“, sagt er.

Dieses Lärche wurde vom Lärchenborkenkäfer und anschließend vom Prachtkäfer befallen.
Dieses Lärche wurde vom Lärchenborkenkäfer und anschließend vom Prachtkäfer befallen. © Matthias Karich
Mit Technik werden viele der gefällten Stämme aus dem Wald heraus transportiert.
Mit Technik werden viele der gefällten Stämme aus dem Wald heraus transportiert. © Claudia Hübschmann
Mitarbeiter der Firma Naturnahe Waldwirtschaft aus Zeithain sind an den Arbeiten zur Verkehrssicherung im Schlosspark Siebeneichen beteiligt.
Mitarbeiter der Firma Naturnahe Waldwirtschaft aus Zeithain sind an den Arbeiten zur Verkehrssicherung im Schlosspark Siebeneichen beteiligt. © Claudia Hübschmann

Für die Arbeiten im Wald-Park Siebeneichen stellt die Stadt insgesamt 140.000 Euro zur Verfügung. Im November hatten die Stadträte einem Antrag der Bauverwaltung mehrheitlich zugestimmt. So viel Geld war bislang noch nicht für Forstarbeiten in der Stadt bewilligt worden. Die Bauverwaltung hatte die Notwendigkeit der Arbeiten mit den Klimabedingungen der vergangenen Jahre begründet.

Neben den extrem trockenen Jahren 2018 bis 2020 hatten die Stürme „Paul“, „Xavier“ und „Herwart“ 2017 sowie „Friederike“ 2018 den Bäumen in Siebeneichen erheblich zugesetzt. In der Folge kam auch noch der Befall zahlreicher Bäume durch Schädlinge wie Borkenkäfer und Prachtkäfer hinzu. Um diese außerplanmäßige Ausgabe finanzieren zu können, wurde Geld aus anderen Stellen des Meißner Haushaltes umgeschichtet.

„Im Anschluss an die Verkehrssicherung, welche höchste Priorität besitzt, um eine Öffnung des Parks Siebeneichen für Bürger und Besucher zu ermöglichen, erfolgen Abstimmungen mit den Fachbehörden zu den Entwicklungsmaßnahmen“, kündigt Matthias Karich an. Um den Park wieder zu einem Kleinod werden zu lassen, bedarf es nicht nur erheblicher finanzieller Aufwendungen. Immerhin gibt es dafür einen Vorschlag. Im Jahr 2016 hatte der Forstreferendar Tobias Hamm ein landschaftspflegerisches Konzept zur Umgestaltung des Parks erarbeitet und der Stadt zur Verfügung gestellt.

Mittel zweckentfremdet eingesetzt

Auf Grundlage dieses Papiers waren im Doppelhaushalt für 2018/2019 bereits 50.000 Euro für den Park Siebeneichen eingeplant worden. Daran erinnert Heiko Schulze, der im Stadtrat die gemeinsame Fraktion der Bürger für Meißen und SPD anführt. „Diese Mittel sind aber zweckentfremdet worden“, kritisiert er. Nun handele die Stadt, weil Gefahr im Verzug ist.

Seine Fraktion will sich für Erhalt und Pflege des Wald- und Landschaftsparks in Siebeneichen einsetzen. Dazu bringt sie einen Beschlussantrag ein, der an diesem Mittwoch bei der letzten Stadtratssitzung dieses Jahres behandelt werden soll. Die BI/SPD-Fraktion schlägt vor, im Meißner Haushalt für 2021 weitere 50.000 Euro für den Park Siebeneichen zu binden.

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Dieses Geld soll ausschließlich „zur Umsetzung des Landschaftspflegerischen Konzeptes zur Erhaltung, Sicherung und Pflege des Schlossparkes Siebeneichen“ verwendet werden – so wie es Tobias Hamm vor vier Jahren vorgeschlagen hatte. In den darauffolgenden Jahren sollen jährlich 5.000 Euro für Pflegemaßnahmen bereitgestellt werden.

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