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Abgehauen beim Abfischen

Weil es regnet, reisen Markthändler eher ab. Dabei kommt es zu einem Vorfall, der jetzt vor Gericht führt.

Verregnet ist das Fisch- und Waldfest in Moritzburg 2018. Manche Markthändler reisen vorzeitig ab. Einer sorgt dabei für mächtig Ärger.
Verregnet ist das Fisch- und Waldfest in Moritzburg 2018. Manche Markthändler reisen vorzeitig ab. Einer sorgt dabei für mächtig Ärger. © Norbert Millauer

Meißen/Moritzburg.  Es ist kein Geschäft mehr zu machen an jenem späten Sonntagnachmittag  im Oktober  2018 beim Fisch- und Waldfest in Moritzburg. Das traditionelle Abfischen ist in diesem Jahr total verregnet. Auf dem Markt, auf dem zahlreiche Händler aus nah und fern ihre Waren anbieten, sind kaum noch Kunden. Zwar darf die Marktfläche erst nach 18 Uhr befahren werden, aber nicht alle halten sich dran. 

Und so kommt auch ein Wohnmobil mit Spremberger Kennzeichen angefahren. An einem Verkaufsstand eines Händlers aus Bitterfeld bleibt das überbreite Fahrzeug hängen, streift das Vordach. Es entsteht ein Sachschaden von 1.600 Euro. 

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"Halt, bleib stehen, fahre zurück, du machst uns alles kaputt", schreit der Händler aus Bitterfeld. Der Fahrer des Wohnmobiles fährt zurück, doch es ist schon zu spät. Der geschädigte Händler fordert den Fahrer auf,  anzuhalten und dazubleiben. Er hat die Polizei angerufen, damit diese den Unfall aufnimmt. Doch als die Beamten eintreffen, ist das Wohnmobil weg. Später finden sie das Fahrzeug etwa 600 Meter vom Unfallort entfernt auf der Meißner Straße abgestellt. Es ist abgeschlossen, von dem Fahrer fehlt jede Spur.

Vage Personenbeschreibung

Über das Kennzeichen kann der Halter des Wohnmobiles ausfindig gemacht werden. Es ist eine Frau. Die kann es nicht gewesen sein, denn gefahren ist nach den Zeugenaussagen ein Mann. Dessen Beschreibung ist allerdings vage: zwischen 50 und 55 Jahre alt, braune Haare, kein Bart, keine Brille. Er soll auch Händler sein, in Moritzburg Plüschkissen verkauft haben. 

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Tat sitzt nun ein Mann auf der Anklagebank des Meißner Amtsgerichts. Es ist der Ehemann der Halterin. Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor.  Der Mann will sich zur Tat nicht äußern, was sein gutes Recht als Angeklagter ist. Er und sein Anwalt sind so wohl ziemlich sicher, dass man ihm die Tat nicht sicher nachweisen kann. 

Die Zeugenaussagen sind dann auch sehr vage, was nach der langen Zeit kein Wunder ist. Der Händler, dem der beschädigte Verkaufswagen gehört, wurde erst eineinhalb Jahre nach dem Vorfall bei der Polizei in Bitterfeld angehört. Dort legte man ihm acht Fotos von Männern vor, wollte wissen, ob der Täter dabei ist. Sicher erkannt hat er ihn schon damals nicht, sondern nach dem Ausschlussprinzip und nach dem "Bauchgefühl" entschieden. 

Er zeigte auf ein Foto: Der könnte es gewesen sein.   Er hatte den Täter als "typisch deutsch" beschrieben, stellte mit einem Bild Übereinstimmungen fest, sicher war er sich aber nicht.  Auch seine beiden Verkäuferinnen können nicht weiterhelfen. Eine hat den Mann gar nicht gesehen, die andere nur von der Seite. Sie ärgert sich heute noch über den Täter: "Er hat gar nicht reagiert, sondern nach vorne gestiert und wollte einfach weiterfahren", sagt sie. 

"Durch die vage Personenbeschreibung ist es nicht gelungen, den Täter so sicher identifizieren, wie es das Gesetz für eine Verurteilung vorschreibt, resümiert der Staatsanwalt und fordert folglich Freispruch. So entscheidet dann auch das Gericht. Der Fall bleibt somit unaufgeklärt, der Täter - wer auch immer es war -  kommt nicht nur um eine saftige Geldstrafe, sondern auch um einen Fahrerlaubnisentzug herum. 

 Der Dumme ist nun der geschädigte Händler. Er wird wohl auf dem Schaden sitzenbleiben.  Das hätte er verhindern können, wenn er unmittelbar nach dem Unfall die Personalien ausgetauscht und den Fahrer festgehalten hätte, bis die Polizei da ist. 

Halterhaftung wird gefordert

Der Täter profitiert von der deutschen Gesetzgebung. Die sieht bei Verkehrsstraftaten die Fahrerhaftung vor. Das heißt, es haftet immer derjenige, welcher tatsächlich mit dem Auto gefahren ist. Die Fahrereigenschaft muss das Gericht aber nachweisen können. In anderen Ländern wie in Österreich ist das anders. Hier gilt die Halterhaftung. Grundsätzlich wird also der Halter des Autos in die Pflicht genommen. Ist er nicht selbst gefahren und nennt den Fahrer nicht und kann dieser auch nicht ermittelt werden, muss er als Halter haften.  

Dies könnte allerdings auch bald in Deutschland gelten. Die Verkehrsministerkonferenz sieht die Einführung einer Halterhaftung bei Verstößen im fließenden Verkehr als erforderlich an, um Verkehrsverstöße effektiv zu ahnden und fordert daher die Bundesregierung auf, die Einführung einer Halterhaftung im fließenden Verkehr zu prüfen. Für Autofahrer, die behaupten, sie hätten gar nicht am Steuer ihres Fahrzeugs gesessen, würde es künftig schwer, sich um die Strafe für ein Vergehen herumzumogeln.

Die Halterhaftung gilt übrigens jetzt schon für Parkverstöße. Kann  der Fahrer des Autos nicht vor einer Verjährungsfrist ermittelt werden, muss der Halter die bisherigen Verfahrenskosten tragen.

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