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Am Triftweg soll gebaut werden

In einem neuen Anlauf haben die Stadträte den Weg für ein Planverfahren frei gemacht. Nicht nur die Anwohner sind skeptisch.

Diese Garagen stehen auf einer Fläche am Triftweg, auf der die Stadt ein neues Wohngebiet planen will. Dazu haben die Stadträte jetzt einen so genannten Aufstellungsbeschluss gefasst.
Diese Garagen stehen auf einer Fläche am Triftweg, auf der die Stadt ein neues Wohngebiet planen will. Dazu haben die Stadträte jetzt einen so genannten Aufstellungsbeschluss gefasst. © Claudia Hübschmann

Meißen. In Korbitz sollen weitere Eigenheime entstehen. Darauf haben sich die Stadträte am Mittwochabend geeinigt. Bei einer Gegenstimme entschieden sie sich mehrheitlich dafür, einen Bebauungsplan aufzustellen. Damit ist offiziell ein mehrstufiges Verfahren eröffnet, in dem das in Frage kommende Gebiet eingehend erkundet und in dem alle Auswirkungen auf Anlieger sowie für Umwelt und Stadtklima untersucht und berücksichtigt werden.

Vor einem halben Jahr hatte die Bauverwaltung für das Vorhaben, in Korbitz mit Planungen für ein Wohngebiet zu beginnen, noch keine Mehrheit im Stadtrat gefunden. Dass sich die Ablehnung der Stadträte in den Fraktionen Bürger für Meißen/SPD, Linke und AfD offenkundig änderte, liegt wohl auch daran, dass die Bauverwaltung das Areal verkleinerte.

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Statt ursprünglich drei Flurstücke, die insgesamt drei Hektar umfassen, soll das Planverfahren jetzt nur noch einen Teil des Flurstücks 22/11 betrachten. Diese, etwa ein Hektar große Fläche, befindet sich nicht nur in städtischem Besitz – sie ist außerdem im seit 2006 gültigen Flächennutzungsplan der Stadt als Wohnbaufläche ausgewiesen, wie Bianca Schöne vom Bauverwaltungsamt erläuterte. Im Oktober hatten sich Stadträte aller Fraktionen und Mitarbeiter der Bauverwaltung vor Ort getroffen und das streifenförmige Areal entlang des Triftweges in Augenschein genommen.

In dieser Runde hatten sich die anwesenden Stadträte und Bauplaner auch darauf verständigt, „eine Erschließungstrasse für die dahinter liegenden Flächen“ freizuhalten, wie Bianca Schöne am Mittwochabend berichtete. So soll ein Nutzungskonzept für das ehemalige Korbitzer Gut entwickelt werden. Außerdem befasst sich eine Gartenbau-Studentin im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit mit einer angrenzenden Grünfläche – mit dem Ziel, Gestaltungsvorschläge zu entwickeln.

Etwa einen Hektar umfasst das Areal am Triftweg, auf dem nun Planungen für ein neues Wohngebiet beginnen sollen.
Etwa einen Hektar umfasst das Areal am Triftweg, auf dem nun Planungen für ein neues Wohngebiet beginnen sollen. © Stadt Meißen

80.000 Euro für die Planungen

„Der Aufstellungsbeschluss dient der Absichtserklärung der Stadt Meißen im Plangebiet Baurecht zu schaffen. Die Entscheidung über die Festsetzungen zur Bebauung und Gestaltung findet im Rahmen des Entwurfsbeschlusses statt“, heißt es in dem nun beschlossenen Dokument. Ob und wann dieser Absicht konkrete Planungen und letztlich der Beginn von Bauarbeiten für 15 bis 20 Eigenheime erfolgen, wird sich in den nächsten Jahren zeigen. Der am Mittwoch gefasste Beschluss sieht 50.000 Euro noch in diesem sowie 30.000 Euro im nächsten Jahr vor, die aus dem städtischen Haushalt für die weitere Arbeit an den Planungen verwendet werden können.

In der Debatte äußerten sich viele Stadträte positiv zu dem nach einer gemeinsamen Ortsbegehung gefundenen Kompromiss. Das „kooperative System“, das Stadträte und Rathaus-Mitarbeiter außerhalb von Ausschusssitzungen fanden, habe funktioniert, betonte Tilo Hellmann (Linke).

Oliver Eggert (AfD) sprach von einer „grundsätzlich guten Lösung“. Auf seine Frage, welche Alternative die Stadt Besitzern und Pächtern der Garagen am südlichen Ende des Triftweges anbieten kann, sollten diese überplant werden, antwortete Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos), dass Zusagen heute „noch nicht machbar“ seien. Er sicherte aber zu, dass auch diese Frage im weiteren Verfahren mit betrachtet wird.

In der Einwohnerfragestunde am Beginn der Stadtratssitzung hatten sich Anwohner aus Korbitz zu Wort gemeldet und Bedenken gegen das Vorhaben angemeldet. Sabine Vogel verwies auf die von mehr als 300 Anwohnern unterzeichnete Petition, die sie während der Stadtratssitzung im Sommer an den OB übergeben hatte, als das Thema Bauen in Korbitz schon einmal auf der Tagesordnung stand.

Wieso diese Eile? Das fragten sich die Anwohner, nachdem sie aus dem Ratsinformationssystem der Stadt erfahren hatten, dass das Thema nun wieder aufgerufen wird. Sabine Vogel fragte auch nach Mitsprachemöglichkeiten der Anwohner – auch unter dem Eindruck, dass beim Vor-Ort-Termin im Oktober Anwohner und Anlieger außen vor geblieben waren. Der Aufstellungsbeschluss, über den die Stadträte am Mittwochabend entschieden, ist der Beginn eines Verfahrens. In dessen Verlauf werden auch die Anwohner gehört, ihre Einwände berücksichtigt und abgewogen, erwiderte Bürgermeister Markus Renner.

"Fläche hat größeres Potenzial"

Dass er die Bedenken der Anwohner und Anlieger verstehe, erklärte Holger Metzig von der CDU/FB/FDP/U.L.M.-Großfraktion. Als Stadtrat müsse er aber die Sicht des Einzelnen mit den Interessen der Gesamtheit in Übereinstimmung bringen. Angesichts des Bedarfs von etwa 500 Eigenheimen, den die Stadt verzeichnet, brauche es mehr Anstrengungen, um Bauland zur Verfügung zu stellen.

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Allerdings sehe er in Korbitz ein wesentlich größeres Potenzial zur Entwicklung der Flächen, sagte Holger Metzig. Das müsse komplex betrachtet und bei der Erschließung beachtet werden. Der im Aufstellungsbeschluss ausgewiesene Streifen werde den Anforderungen der Stadtentwicklung nicht gerecht. So begründete er, warum er – anders als im Sommer – dem Vorhaben nun nicht mehr zustimmen kann.

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