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Ausgebremst und ausgeflippt

Ein "Elefantenrennen" auf der Autobahn hat Folgen. Die Streithähne zoffen sich auch noch vor Gericht weiter.

Ähnlich wie hier gab es ein "Elefantenrennen" auf der Autobahn, das Folgen hatte.
Ähnlich wie hier gab es ein "Elefantenrennen" auf der Autobahn, das Folgen hatte. © Uwe Soeder

Meißen. Das ist so eine Sache, die Autofahrer auf die Palme bringen können : "Elefantenrennen" auf der Autobahn. Der eine Lkw fährt mit 84 Kilometern pro Stunde, der Überholende mit 89. Dann zieht sich der Überholvorgang natürlich hin, oft bildet sich hinter den Kontrahenten auf der linken Spur ein langer Stau. So war es auch an jenem Morgen im Mai vorigen Jahres auf der Autobahn zwischen Radeburg und Thiendorf. Einem Transporterfahrer aus Dresden dauert das Elefantenrennen zu lange. Er gibt Lichthupe, drängelt, fährt dicht auf. Nachdem der Lkw endlich eingeschert ist, soll er dicht vor ihm auf die rechte Spur gewechselt sein.   

Doch damit ist das Duell noch lange nicht zu Ende. Kurz danach sieht man sich an der roten Ampel der Autobahnausfahrt Thiendorf wieder. Der Lkw-Fahrer soll ausgestiegen, die Tür des Transporters aufgerissen und "Du Schwein hast mich ausgebremst", gerufen haben. Danach soll er dem Fahrer einen Schlag auf den Kopf verpasst haben.  Der zeigt ihn daraufhin an. Wegen Körperverletzung sitzt er nun vor dem Meißner Amtsgericht. 

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Völlig unterschiedliche Schilderungen

Wenn man die Schilderungen des Angeklagten und des Zeugen hört,  könnte man meinen, es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Sachverhalte. Der Transporterfahrer habe an der Autobahnausfahrt auf ihn gewartet, sagt der 45-jährige Lkw-Fahrer. Er sei ausgestiegen und habe ihn angebrüllt. "Schwein" habe er aber nicht gesagt, sondern gefragt, ob er "noch alle Latten am Zaun" habe. Daraufhin habe dieser die Tür aufgerissen, sodass er sie fast an den Kopf bekommen habe, und nach ihm gegriffen. "Ich habe mich gewehrt, kann sein, dass ich ihn dabei getroffen habe", sagt er. Aber mit der Faust auf den Kopf geschlagen habe er ihn nicht. 

Die Version des Transporterfahrers - auch er kommt aus Dresden -  ist eine ganz andere. Schon den Überholvorgang schildert er ganz anders. Er habe drei Lkw überholen wollen, als der zweite plötzlich nach links ausscherte. Er habe deshalb eine Vollbremsung machen müssen. An der Ampel habe es  einen mächtigen Hieb gegeben. Der Angeklagte habe an der Tür gezerrt. Weil die verriegelt gewesen sei, sei er rückwärts gefallen und zu seinem Auto zurückgegangen.Dann habe er - der Zeuge - die Tür aufgemacht, woraufhin der Angeklagte zurückgekommen sei,  ihn beschimpft und ihm in "Bud-Spencer-Manier" einen mächtigen Hieb auf den Kopf versetzt habe. Er habe die Sache "ausdiskutieren" wollen, doch der andere sei einfach weggefahren. Er habe dann die Firma des Angeklagten ausfindig gemacht und angerufen. Der Disponent habe erklärt,  die Sache klären zu wollen. Nachdem eine Woche lang nichts passiert war, sei er zur Polizei gefahren und habe eine Anzeige gestellt.  

Inzwischen hat sich der Disponent im Namen des Angeklagten für den Vorfall entschuldigt. Er hätte daraufhin den Strafantrag zurücknehmen können. Doch die Entschuldigung reicht dem Mann nicht. Er will seinen Kontrahenten vor Gericht sehen. "So kann man sich nicht im Straßenverkehr benehmen. Ist einfach so", sagt er.

Rechthaberisch und belehrend

Auch im Gerichtssaal zoffen sich die beiden ungeniert weiter. Er sei bei dem Zwischenfall ganz ruhig geblieben, behauptet der Zeuge. Jetzt, mehr als ein Jahr später, ist er alles  andere als ruhig. Rechthaberisch und in Oberlehrermanier belehrt er den Angeklagten, wie man sich im Verkehr zu verhalten habe. "So wie der Streit nach über einem Jahr hier im Gerichtssaal wieder entflammt und so ich Sie beide hier erlebe, kann ich mir die Situation sehr gut vorstellen. Sie haben sich wohl beide nichts genommen," sagt die Staatsanwältin.  Da sich die Aussagen diametral widersprechen, es keine Zeugen gibt, kann die vorgeworfene Tat nicht nachgewiesen werden.  Das Verfahren wird eingestellt. "Ich hoffe sehr, dass Sie sich nicht wieder im Straßenverkehr begegnen", so der Richter.

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