merken
PLUS Meißen

Baubeginn am Plossen verzögert sich

In einem Schreiben an Stadtrat Ingolf Brumm ist von einem Jahr die Rede. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr räumt Verzögerungen im Planverfahren ein.

Der Plossenaufstieg soll ausgebaut werden. Die Planungen dafür scheinen sich zu verzögern.
Der Plossenaufstieg soll ausgebaut werden. Die Planungen dafür scheinen sich zu verzögern. © Claudia Hübschmann

Meißen. Um mindestes ein Jahr nach hinten korrigiert werden muss eine im Mai getroffene amtliche Aussage zum Baubeginn am Plossen. Das teilt die Stadtverwaltung in einem Schreiben an Ingolf Brumm mit. „Ich hatte mich an das Rathaus gewandt, weil es viele Fragen zum Stand der Planungen gibt“, sagt der Linken-Stadtrat. Vor allem von Anwohnern der Plossenhöhe und in Lercha sowie Kleingärtnern, die möglicherweise vom Bau der Umleitungsstraßen betroffen sind, seien Fragen und Bedenken an ihn herangetragen wurden. Deshalb hatte er um Auskunft gebeten.

In dem von Bürgermeister Markus Renner unterzeichneten Schreiben heißt es, dass „nicht vor Mitte 2023 mit dem Baubeginn zu rechnen ist“. Frühestens zu diesem Zeitpunkt könne mit dem Bau der Umgehungsstraßen begonnen werden. Dies sei „jüngsten Entwicklungen und aktuellen Erkenntnissen“ geschuldet, heißt es in dem Schreiben.

Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde
Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) ist von einer Verschiebung des Baubeginns nichts bekannt, antwortet dessen Sprecherin Isabell Pfeiffer auf eine Anfrage der SZ. Allerdings, so fügt sie hinzu, „bedingen aktuell die Maßnahmenkonzepte zum Infektionsschutz vor SARS-CoV-2 veränderte Arbeitsabläufe im Landesamt für Straßenbau und Verkehr sowie auch bei den beteiligten Fachbehörden und in den beauftragten Ingenieurbüros.“

Das verursacht absehbar auch Verzögerungen bei den Bearbeitungszeiten. Wie sie informiert, werden „die Unterlagen zur 1. Tektur derzeit erarbeitet und voraussichtlich im 1. Halbjahr 2021 bei der Planfeststellungsbehörde eingereicht“. Über das weitere Verfahren werde dann die Landesdirektion informieren.

Noch immer in der Planfeststellung

Das Projekt Plossen-Ausbau befindet sich also noch immer in der Phase der Planfeststellung. „Grundlage dieser ist eine umfassende Untersuchung zu Bedarf, Verträglichkeit, Umweltschutz etc. sowie eine Vorplanung, in der wichtige Dinge wie Fahrbahn, Gehbahn, Nebenanlagen, Bauwerke, Elemente der Verkehrssicherung, der Umleitung usw. enthalten sind. Nach erfolgter Planfeststellung, welche auch mit Auflagen verbunden sein kann, wird eine Ausführungsplanung erstellt, welche Grundlage für eine europaweite Ausschreibung ist“, beschreibt die Stadtverwaltung das weitere Prozedere.

Im Namen vieler Bürger hatte Stadtrat Brumm auch wissen wollen, warum der Plossen zwischen den Lämmerstufen und dem Kleinen Plossen um einen Geh- und Radweg erweitert werden soll. Der Wegfall dieser Erweiterung hätte doch eine merkliche Fahrbahnverkleinerung mit entsprechenden Kostenreduzierungen zur Folge.

Ingolf Brumm will weiter gegen die Ausbau-Pläne am Plossen mobilisieren.
Ingolf Brumm will weiter gegen die Ausbau-Pläne am Plossen mobilisieren. © Claudia Hübschmann

Die Stadt begründet dies mit höherer Verkehrssicherheit. Die Lämmerstufen könnten weder mit dem Rad noch mit dem Kinderwagen genutzt werden. „Der Plossenaufstieg ist derzeit mit dem absoluten Mindestmaß an Fahrbahnbreite geplant, welcher die Schleppkurven des ÖPNV berücksichtigt. Der Geh- und Radweg beeinflusst nach unserem Kenntnisstand nicht die Fahrbahnbreite bzw. würde durch den Wegfall die Fahrbahn nicht anders geplant werden.“

Keine Handhabe zur Tonnagebegrenzung

Im Auftrag zahlreicher Anwohner sowie aus eigener Überzeugung hatte Ingolf Brumm erneut eine Tonnagebegrenzung auf der S 177 am Plossen ins Gespräch gebracht. Das könnte dazu beitragen, den Schwerverkehr durch die Stadt erheblich zu verringern – vor allem dann, wenn dieser dem nahezu täglichen Stau auf der Autobahn auszuweichen versucht.

„Wir haben ein umfangreiches (gesetzlich vorgeschriebenes) Anhörungsverfahren aller beteiligten Behörden durchgeführt und von allen Seiten eine Ablehnung erhalten“, heißt es in der Antwort der Stadt, warum sie nicht befugt ist, eine Begrenzung auf 7,5 Tonnen für die Straße anzuordnen. Auch sei zu beachten, dass mit dieser Tonnagebeschränkung weder der Bus noch der Ver- und Entsorgungsverkehr möglich wären, da diese die Straßen nicht mehr befahren dürften.

Ingolf Brumm überzeugt das nicht. „Sehendes Auges holen wir uns noch mehr Schwerverkehr in die Stadt, wenn wir nicht auf eine Begrenzung des Fahrzeuggewichts am Plossen drängen“, sagt er. Er habe die Zusage von Wirtschafts- und Verkehrsminister Martin Dulig, dass die Stadt ein Verfahren zur Tonnagebegrenzung auf Straßen im Stadtgebiet einleiten kann. Das Problem der von der Tonnagebeschränkung betroffenen Linienbusse und Entsorgungsfahrzeuge hält er ebenfalls für lösbar – durch Aufstellen des Verkehrszeichens „Anlieger frei“.

Emissionen müssen gemessen werden

Angesichts des für die nächsten Jahre prognostizierten Anstiegs beim Lkw-Verkehr könnten lange Staus in der Poststraße oder rund um den Beyerleinplatz zum Dauerzustand in Meißen werden. Schon deshalb sowie bislang noch nicht untersuchter Auswirkungen der absehbaren Lärm- und Schadstoffemissionen infolge des wachsenden Schwerlastverkehrs in der Stadt fordert er, über Alternativen nachzudenken. Die Emissionen zum Beispiel an der Poststraße müssten endlich gemessen und beobachtet werden, fordert Ingolf Brumm.

Weiterführende Artikel

So diskutiert Meißen über den Plossenausbau

So diskutiert Meißen über den Plossenausbau

Der Artikel zum Info-Abend am letzten Mittwoch hat zahlreiche Wortmeldungen ausgelöst.

Lkw-Verbot auf dem Plossen?

Lkw-Verbot auf dem Plossen?

Die unübersichtliche Kurve auf dem Meißner Berg soll für 40-Tonner gesperrt werden. Einfach ist das nicht.

Gemeinsam mit Anwohnern sowie Stadträten seiner Fraktion und der Bürgerinitiative werde er weiter gegen den Ausbau am Plossen mobilisieren. Im Frühjahr werde mit weiteren Aktionen zur rechnen sein, kündigt er an.

Mehr aktuelle Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen