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Bei uns stapelt es sich

Eine Ladeninhaberin in der Meißner Altstadt hat Probleme mit der Papiermüllentsorgung. So wie ihr gehe es der Hälfte der Gewerbetreibenden vor Ort.

Zu wenige und zu kleine Papiertonnen machen den Händlern in der Meißner Innenstadt zu schaffen.
Zu wenige und zu kleine Papiertonnen machen den Händlern in der Meißner Innenstadt zu schaffen. © Claudia Hübschmann

Sie hat jetzt schon ein bisschen Panik vor der Weihnachtszeit. Denn dann bekommt sie pro Woche dreimal so viel Ware und könnte mit all den Kartons dem Weihnachtsmann Konkurrenz machen. Wenn sie alle ausgepackt sind und die Ware im Geschäft verstaut ist, fragt sie sich: Wohin jetzt mit all den leeren Kisten? Da sie an die öffentliche Abfallentsorgung des ZAOE (Zweckverband Abfallwirtschaft Oberes Elbtal) mit einer 80 Liter-Restmülltonne angeschlossen ist, steht ihr derzeit nur eine Papiertonne mit 240 Liter zur Verfügung: „Das reicht aber hinten und vorne nicht“, sagt die Inhaberin eines kleinen Ladens, die anonym bleiben will, „und laut ZAOE steht mir eine 1.000 Liter-Tonne für den Papiermüll zu.“

Die würde ihr aber auch nicht helfen, denn die große blaue Tonne passt nicht durch die Tür ihres Geschäfts: „Aufgrund der Altbausubstanz und schmalen Türen bekomme ich die Tonne hier nicht rein“, sagt sie. So wie ihr gehe es ungefähr der Hälfte der Ladeninhaber in der Altstadt. Deshalb will sie sich mit Vertretern der Stadt, den Entsorgern und Gewerbetreibenden an einen Tisch setzen: „Ich würde mich freuen, wenn alle sich beteiligen und wir eine Lösung für das Problem finden“, sagt sie. Anstelle der 1.000 Liter-Tonne würde sie gern vier von den 240 Liter-Tonnen aufstellen, mit denen sie dann auf zumindest fast das gleiche Fassungsvolumen käme.

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Das ihr eine 1.000 Liter-Tonne zusteht, kann der ZAOE nicht bestätigen, denn die Tonnen für Papier, Pappe und Kartonage dürfen das Dreifache des Fassungsvermögens der Restabfallbehälter nicht übersteigen: „Die Nutzung eines 80 Liter-Restabfallbehälters der Gewerbetreibenden bewirkt demnach maximal die Gestellung eines 240-Liter-Papierbehälters“, sagt Olaf Müller vom ZAOE. Außerdem verursache das Sammelsystem zur Abholung an den Grundstücken hohe Kosten, die allein durch die Erlöse aus der Papierverwertung nicht gedeckt werden: „Eine Erhöhung des Behältervolumens am Grundstück führt zu höheren Kosten bei der Sammlung, die dann aber nicht in gleichem Maße gedeckt werden können“, so Olaf Müller.

Für die Ladenbesitzerin bedeutet das wohl eine Absage für ihr Anliegen. Erst letztes Jahr hat sie das kleine Geschäft übernommen, das es seit 2003 gibt. Auch wenn es mit dem Beginn der Corona-Pandemie kurz danach ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt war, durfte ihr Laden die ganze Zeit geöffnet bleiben, da das Angebot auch Grundnahrungsmittel abdeckt: „Wir sind mit dem Kopf über Wasser geblieben“, sagt sie.

© Claudia Hübschmann

Auch deshalb ärgert sie sich, dass es nach der Corona-Krise in dieser Angelegenheit keine Unterstützung für die Gewerbetreibenden gibt: „Ich habe mich an verschiedene Stellen gewendet, aber ohne Erfolg.“ Außerdem wurde der gewerbliche Papiermüll noch bis Oktober letztes Jahr einmal monatlich kostenlos von dem Unternehmen Remondis in Lampertswalde abgeholt: „Das wurde dann eingestellt und wir wissen nicht genau weshalb“, sagt sie. Die Gewerbetreibenden vor Ort vermuten, dass es an den Geschäftsschließungen während des Lockdowns lag und das Geschäft mit dem Altpapier mittlerweile weniger rentabel ist. Das Unternehmen hat sich auf SZ-Anfrage bisher nicht geäußert.

Gewerbliche Abfälle zur Verwertung, wie Papier und Pappe, müssen dem öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger nicht überlassen werden: Der Gewerbetreibende kann einen privaten Entsorger oder einen gewerblichen Sammler mit der Entsorgung beauftragen. Nur wer an die öffentliche Abfallentsorgung über eine Restmülltonne angeschlossen ist, kann eine Papiertonne beim ZAOE beantragen, so Olaf Müller. Er empfiehlt Gewerbetreibenden die öffentliche Abfallentsorgung durch ein vom ZAOE beauftragtes Unternehmen, denn sowohl für die Behältermiete als auch für deren Entleerung wird keine separate Gebühr erhoben.

Das Problem für die Ladenbesitzer ist, dass die zur Verfügung stehenden Tonnengrößen für sie nicht ausreichen: „In unserem Hinterhof stapelt es sich“, sagt die Ladeninhaberin. Insgesamt vier Gewerbetreibende sammeln hier ihren Papiermüll. Jede Woche kommt neue Ware von mehreren Lieferanten und das gesamte Sortiment ist in Umkartons eingepackt. Meist ist ihre Tonne schon nach einer Woche rappelvoll, sagt sie.

Der ZAOE verweist auf ein anderes Problem: Gewerbetreibende hätten in der Vergangenheit die gebührenfreien Tonnen von Privathaushalten mitgenutzt: „Gleichzeitig beteiligen sie sich an der Gebührenzahlung meist nur mit der Mindestgebühr“, sagt Olaf Müller. Im Sinne der Gebührengerechtigkeit und zur Deckung des Gebührenhaushaltes sei eine Kopplung an den Restabfallbehälter und somit eine Limitierung des Papierbehältervolumens erforderlich gewesen.

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