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Bombenfund: Erster Kriseneinsatz für Rathauschef

Die Sprengung der Bombe nahe dem Nossener Eulitz war bis Lommatzsch zu hören. Ein Rückblick mit Bürgermeister Christian Bartusch (SPD).

Nossens Bürgermeister Christian Bartusch resümiert die Maßnahmen nach dem Bombenfund.
Nossens Bürgermeister Christian Bartusch resümiert die Maßnahmen nach dem Bombenfund. © Claudia Hübschmann

Nossen. Eigentlich sollte Freitagmittag alles vorbei sein. Die Sprengung der gefundenen Brandbombe im Nossener Stadtzentrum war für zwölf Uhr geplant. Gegen 15 Uhr war dann aber erst alles vorbei. Gründe waren die Erweiterung des Sperrgebietes, das Evakuieren einzelner Personen mit körperlichen Beeinträchtigungen sowie ein Verkehrsunfall in der Nähe des Sprengungsortes.

Herr Bartusch, als Sie über den Bombenfund informiert wurden: Was war Ihr erster Gedanke?

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Mein erster Gedanke ist leider nicht zitierfähig. Anschließend drehten sich die Gedanken um eine eventuell vollständige Evakuierung der Nossener Innenstadt, die zu diesem frühen Zeitpunkt noch im Raum stand und circa 4.000 Einwohnerinnen und Einwohner betroffen hätte.

Wie ging es dann weiter: Was waren Ihre Aufgaben? Welche Maßnahmen haben Sie eingeleitet?

Am Nachmittag stellte der Sprengmeister fest, dass die Bombe transportfähig ist und somit nicht an Ort und Stelle gesprengt wird. Daraufhin habe ich den Kampfmittelbeseitigungsdienst bei der Suche nach einem möglichen Ort für die Sprengung begleitet. Während die zuerst begutachteten Steinbrüche im Muldental durch den Sprengmeister als ungeeignet verworfen wurden, erwies sich die alte Sandgrube bei Eulitz als prinzipiell geeignet. Der Sprengmeister entschied daher, die Bombe noch am Abend nach Eulitz zu transportieren.

Vor Ort haben wir am Donnerstagabend jene Bewohner aufgesucht, von denen wir zu dem Zeitpunkt glaubten, dass sie am Folgetag im Zeitraum der Sprengung ihre Häuser verlassen müssen. Im Nachgang erhielten wir die Information, dass der mögliche Evakuierungsradius deutlich größer ausfällt. Daher habe ich am Donnerstagabend über die städtische Homepage, unsere Facebook-Seite und Kontaktaufnahme zu lokalen Multiplikatoren die Bevölkerung vorgewarnt.

Auf Anforderung der Polizei haben wir ein Tanklöschfahrzeug der Ortswehr Ziegenhain für den Freitagvormittag zur Absicherung der Sprengung bereitgestellt.

Für die Bürgerinnen und Bürger, die keine eigene Möglichkeit hatten, haben wir Notunterkünfte bereitgestellt. Die Evakuierung haben wir mit den Mannschaftstransportwagen der Ortswehren Leuben-Schleinitz und Ziegenhain unterstützt. Dankenswerterweise hat uns das DRK mit seinen Fahrzeugen ebenfalls Hilfe geleistet.

Haben alle Beteiligten gut zusammengearbeitet?

Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Feuerwehr wurde von beiden Seiten gelobt.

Welches Feedback bekamen Sie aus der Bevölkerung?

Vereinzelt wurde kritisiert, dass die Bombe nach Eulitz gebracht wurde, obwohl sie im Nossener Stadtgebiet ausgegraben wurde. Hierzu möchte ich anmerken, dass ich voll und ganz der Expertise des Sprengmeisters vertraue. Ich habe keinen Grund, an seiner Entscheidung zu zweifeln.

Wie geht es jetzt auf der Baustelle weiter? Gibt es Angst vor weiteren Bomben?

Es handelt sich hierbei um eine private Baustelle. Mir liegen keine Hinweise auf weitere Bomben vor.

Es war Ihr erster Einsatz als Krisenmanager. Welches Resümee ziehen Sie?

Festhalten möchte ich, dass der Einsatz in erster Linie durch die Polizei geführt wurde. Deshalb gilt mein besonderer Dank dem Meißner Revierleiter Peer Barthel und dem Kampfmittelbeseitigungsdienst. Als Stadt haben wir diesen Einsatz unterstützt, insbesondere durch unsere Ortswehren Leuben-Schleinitz und Ziegenhain.

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Grundsätzlich ziehe ich ein positives Resümee. Die Sprengung ist geglückt und niemand zu Schaden gekommen. Eine derartige Situation hat es in Nossen meines Wissens nach noch nicht gegeben. Wir werden aus den jetzt gesammelten Erfahrungen Handlungskonzepte ableiten, um bei einem vergleichbaren Ereignis einen „Fahrplan“ in der Schublade zu haben. Natürlich hoffe ich, dass wir diesen letztlich nicht mehr brauchen werden.

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