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Ein Bus zum Experimentieren

Wer eine pubertierende Schulklasse zwei Tage lang und ohne Lehrer in einen alten Tourbus steckt, erwartet nichts Sinnvolles. In Meißen beweisen Schüler das Gegenteil.

Keine zwei Tage hat es gedauert: Jetzt kann Richard ein menschliches 3D-Model erstellen und drucken.
Keine zwei Tage hat es gedauert: Jetzt kann Richard ein menschliches 3D-Model erstellen und drucken. © Claudia Hübschmann

Meißen. Richards Augen leuchten wie sonst nur im Sportunterricht. Dabei steht auf dem Stundenplan des Acht-Klässlers seit zwei Tagen nur Kunst und Informatik. So würde es zumindest sein Naturwissenschaftslehrer Andreas Richter zusammenfassen. Ein bisschen anders ist es doch – schon allein, weil die Schüler der Freien Werkschule Meißen zwei Tage lang keinen Lehrer vor der Nase haben.

Seitdem entwickeln die Schüler am Computer ihr eigenes Schachspiel. Als Vorlage für die Figuren nehmen die Schüler sich selbst: Richard steht für die Figur des Springers Model. Dafür brauchen seine Mitschüler nicht mehr tun, als ihn mit einem kleinen Gerät zu umkreisen und den 3D-Scan auf ihre Computer zu laden. Damit sich Richard von den anderen Spielfiguren unterscheidet, ist die Klasse auf die  Idee gekommen, den 13-Jährigen mit einem Pferdekörper verschmelzen zu lassen. Und schon entsteht mithilfe des Computerprogramms eine Zentaurus-Figur.

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Mit dem gleichen Programm können die Schüler den Körperscan bearbeiten und wie an einem Stück Ton Ungenauigkeiten korrigieren. "Das funktioniert ein bisschen wie Paint für 3D-Modelle", vereinfacht es der Designer und Hochschul-Dozent Benno Brucksch, der den Schülern hilft, ihre Vorstellungen und Ideen umzusetzen.

Zugang zur Zukunft

Denn bei den vielen Funktionen des Programms waren auch Richard und seine Gruppe am Anfang überfordert: Letztlich sollen die Schüler während der Projekttage auch nur einen ersten Zugang zur Technik von morgen bekommen: "Das ist die Generation, die damit groß werden wird, und es wäre schade, wenn das nur den Großstädten vorbehalten ist. Deshalb fahren wir mit dem Bus durch ganz Sachsen", erklärt Brucksch.

Tatsächlich haben von den 30 Schülern, die in den letzten Tagen im rollenden Technik-Labor gearbeitet haben, erst zwei jemals einen 3D-Drucker gesehen. "Deshalb denken die Schüler am Anfang auch oft, dass sie es nicht schaffen - merken schnell, dass es ganz einfach ist", so Brucksch. Am zweiten Tag kann Richards Gruppe das Programm auch schon grundlegend bedienen. Ob er zu Hause damit weiter arbeiten möchte, da ist er sich noch nicht sicher. "Vielleicht, wenn ich einen 3D-Drucker hätte", überlegt Richard. Die seien gar nicht mehr so teuer, ermutigt Brucksch und schon ab 150 Euro zu haben. Selbst die Drucker im Fabmobil kosten 300 Euro. Für den Informatiklehrer Richter ist das Bus-Projekt auch deshalb so wertvoll, weil die Schüler lernen, für was sich das Wissen aus seinem Unterricht anwenden lässt.

Die Erfahrungen der Sachsen-Tour zeigen, dass die Schüler sich auch über die Projekttage hinaus mit 3D-Modellen beschäftigen. In Löbau hätte das Fabmobil sogar ein paar Jugendlichen den Anstoß gegeben, ihr eigenes Technik-Labor zu gründen. Mit Fördermitteln und allem was dazu gehört.

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