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Hier sollen Kinder besonders profitieren

Die Meißner Kita Wichtelburg startet nach dem Lockdown mit einem neuen Konzept. Leiterin Jasmin Adomeit erklärt, worauf es ihr ankommt.

Moritz, Theo, Linus-Joel und Mia (v. l.) dürfen seit dieser Woche wieder betreuten Quatsch machen. Und zwar in der Kita Wichtelburg.
Moritz, Theo, Linus-Joel und Mia (v. l.) dürfen seit dieser Woche wieder betreuten Quatsch machen. Und zwar in der Kita Wichtelburg. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ein kurzer Freudenschrei, lautes Lachen und wildes Wuseln. So flitzen Kinder durch die AWO-Kita Wichtelburg in Meißen. Sie wirken glücklich, denn nach drei Monaten Betreuung zu Hause durften sie seit Montag wieder in die Einrichtung. Endlich. Es ist spürbar, dass sie die Kita vermisst haben. Während die Kinder zu Hause von den Eltern betreut wurden, waren die Leiterin und die Erzieher der Wichtelburg nicht untätig. Seit Januar ist das Haus nun eine integrative Sprach-Kita. Zwei Konzepte, die den Alltag der betreuten Kinder bereichern.

2020 hatte die Kita ein Kind, das besonderen Förderungsbedarf hatte. Allerdings durfte die Wichtelburg es nicht betreuen, da es ihr an der Fachkompetenz fehlte. Denn Kinder mit Behinderungen brauchen eine andere Förderung als solche ohne. Das Kind musste letztendlich wieder abgegeben werden. Doch diese Erfahrung stimmte Jasmin Adomeit nachdenklich. Sie wollte sich dafür öffnen. Deswegen überlegte die Erzieherin gemeinsam mit ihrem Team, ob sie nicht selbst eine integrative Kita werden wollten.

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„Jetzt macht ein Erzieher dafür eine heilpädagogische Zusatzausbildung“, erklärt die Kita-Leiterin. Insgesamt hat die Kita dadurch drei integrative Plätze zu vergeben. Davon ist bisher nur einer belegt. „Aber es gibt schon weitere Bewerbungen.“ Dies sei auf jeden Fall eine Bereicherung für die Kita Wichtelburg, so die 37-Jährige. „Unsere Einrichtung ist ein Spiegel der Gesellschaft. Und die ist vielfältig.“

Sprache als Schlüssel zur Welt

Daneben ist die Wichtelburg in diesem Jahr Sprach-Kita geworden. Mit dem Bundesprogramm „Sprach-Kitas: Weil Sprache der Schlüssel zur Welt ist“ fördert das Bundesfamilienministerium seit 2016 die alltagsintegrierte sprachliche Bildung als festen Bestandteil in der Kindertagesbetreuung. „Wir haben viele Kinder mit Migrationshintergrund", sagt die weitergebildete Sprachentwicklungsexpertin. "Gerade sie haben einen erhöhten Bedarf.“ Bis zum sechsten Lebensjahr entwickeln Kinder ihre Sprache. Wenn das nicht klappe, haben sie später oftmals Probleme in der Schule beim Schreiben und Lesen. „Deshalb erleichtert eine Sprach-Kita auch allen anderen Kindern den Übergang in die Grundschule.“

Jasmin Adomeit ist seit Sommer 2020 Einrichtungsleiterin der Wichtelburg. Als Sprachentwicklungsexpertin weiß sie, worauf es bei einer Sprach-Kita ankommt.
Jasmin Adomeit ist seit Sommer 2020 Einrichtungsleiterin der Wichtelburg. Als Sprachentwicklungsexpertin weiß sie, worauf es bei einer Sprach-Kita ankommt. © Claudia Hübschmann

Oftmals vergessen die Familien, wie wichtig sprachliche Begleitung im Alltag sei, so Jasmin Adomeit. „Vielen ist nicht bewusst, welche Bedeutung die Sprache hat.“ Deshalb werde in der Kita alles laut ausgesprochen, was mit den Kindern passiere. Denn dadurch lernen sie, die Sprache richtig zu benutzen. Weitere erzieherische Mittel der Kita sind auch Formen des Erzähltheaters oder dialogischen Vorlesens. „Wir ermutigen die Kinder, sich selbst Geschichten auszudenken. Das schult ihr Selbstbewusstsein, eigene Meinungen vor Erwachsenen zu vertreten.“ Das helfe später zum Beispiel bei Referaten in Schulen.

Neben den Kindern sind auch die Eltern entscheidend: Diese müssen transparent in die Erziehungsarbeit einbezogen werden. Dadurch entstehe Vertrauen zwischen ihnen und den Erziehern. Ohne dieses, würden sich die Kinder nicht wohlfühlen. „Eltern sind zudem Experten ihrer Kinder“, so die Leiterin. „Sie sind also unser Partner und helfen bei der Erziehung.“ Deshalb werden sie unter anderem regelmäßig über einen Newsletter informiert, was gerade in der Kita passiert. Gerade in den schwierigen Zeiten des Lockdowns war dies ein wenig Trost für die Eltern.

Corona: Kita-Kinder brauchen Aufmerksamkeit

Dass sie jetzt wieder öffnen darf, das freue Jasmin Adomeit. Sie sorge sich wegen Corona. Trotzdem wisse sie auch aus Erfahrung als Mutter von vier Kindern, wie schwer die vergangenen Wochen für die Eltern waren. „Die Kinder sind entwöhnt von der Kita. Für sie ist es schwierig, bei uns wieder in den Alltag zu finden.“ Zumindest bei den Krippenkindern. Denn diese hatten es vorher schon schwer, sich in der Kita einzugewöhnen. Umso jünger die Kinder sind, umso schwieriger sei es, erklärt die Erzieherin. Denn die Vorschulkinder waren wiederum begeistert, endlich ihre Freunde zu treffen und ihre Lieblingserzieher. „Die Krippenkinder sind jedoch überfordert. Denn damit sie sich bei uns wohlfühlen, braucht es eine vertrauensvolle Beziehung.“ Diese wurde durch Corona unterbrochen.

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Insgesamt betreut die Kita Wichtelburg knapp 60 Kinder, ein Drittel davon in der Krippe. Ein Fünftel aller Kinder sind noch nicht in der Einrichtung. „Ein paar Eltern haben Bedenken und warten wegen der Mutation noch ab.“ Ihrer Meinung nach sei jedoch jetzt wichtig, dass die Kinder wieder in die Kita kommen. Denn die Kinder können aktuell nirgendwo anders hin, um ihrem Alter entsprechend gefördert zu werden. Ein paar Kindern merkte man schon eine gewisse Lethargie an. „Sie saßen in einer Ecke und warteten, bis der Tag vorbei war.“ In solchen Fällen müsse man aktiv eingreifen und viel mit dem Kind reden. Als Sprach-Kita ist die Kita Wichtelburg aber darauf bestens vorbereitet.

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