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Der Stadtgestalter

Vor 30 Jahren hat Knut Hauswald sein Architektenbüro in Meißen gegründet. Mit seinem Team hat er das Bild der Stadt geprägt – nicht nur in Meißen.

"Wir finden eine Lösung": Dr. Knut Hauswald an seinem Architekturbüro am Kapellenweg.
"Wir finden eine Lösung": Dr. Knut Hauswald an seinem Architekturbüro am Kapellenweg. © Claudia Hübschmann

Meißen. Seine Ideen sind sichtbar, an vielen Orten in der Stadt. Das Berufliche Schulzentrum, die Verwaltungsschule der Bundesanstalt für Arbeit auf einem früheren Brauerei-Gelände, die Mensa der Verwaltungs-Hochschule – um nur einige Beispiele zu nennen. Diese Bauten sind von Knut Hauswald und seinen Mitarbeitern entworfen worden.

In Meißen sind es Dutzende Gebäude, deren Bau mit dem Namen des Architekten verbunden sind. Neben dem Neubau von 15 Wohn- und Geschäftshäusern mit insgesamt 94 Wohnungen, vier Bürogebäuden, zwei Sporthallen und einem Altenpflegeheim, hat er sich um die Sanierung von Baudenkmalen gekümmert – 58 Gebäude in der historischen Altstadt und 17 Gebäude in anderen Stadtteilen. 

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Dies und viele Projekte in Klipphausen, Freiberg, Dresden, Chemnitz und weiteren Städten lassen sich nach 30 Jahren aufzählen. So lange besteht das Büro des promovierten Architekten in Meißen. Zur Feier des Jubiläums hatte er am Freitagnachmittag Kollegen und Weggefährten auf Schloss Batzdorf eingeladen.

1986 war Knut Hauswald hierher gekommen – frisch von der TU Dresden, wo er ein Architektur-Studium absolviert hatte. Der damalige Vizepräsident der Bauakademie der DDR Herman Rühle hatte ihm Meißen ans Herz gelegt, erinnert er  sich. Schnell fand der junge Architekt neben seiner Arbeit in der Abteilung Projektierung im VEB Kreisbaubetrieb Kontakt zu den Gründern des Kuratoriums „Rettet Meißen – Jetzt!“, die "in der Agonie der späten 80er Jahre" Widerstand gegen den allgegenwärtigen Verfall leisteten.

In den letzten Wochen der DDR, am 1. September 1990, gründete er gemeinsam mit Normann Pilz das Architekturbüro Hauswald & Pilz GbR. Der damals 28-Jährige wollte dem Niedergang seines Betriebes, der nach der Wende in schlechte Hände gelangt war, nicht weiter zusehen. Das gab mit den Ausschlag für den Schritt in die Selbstständigkeit. Arbeit ohne Ende war in den wilden 90-er Jahren vorhanden, blickt Knut Hauswald auf diese Zeit zurück. Es gab aber auch Tiefschläge in den zurückliegenden 30 Jahren – etwa als der Bauboom in den neuen Bundesländern nach der Jahrtausendwende einbrach, was Knut Hauswald zum Verkleinern seines Büros zwang, das er mittlerweile allein führte.

Weichen für die Stadtentwicklung

Heute arbeitet er mit drei fest angestellten und vier freien Mitarbeitern im Architekturbüro am Kapellenweg 11. Freitags hilft ihm auch seine Ehefrau, die als Wirtschaftsjuristin ein Beratungsbüro in Berlin betreibt. Auf dem Plossen über der Altstadt  entwerfen, planen und gestalten Knut Hauswald und sein Team auch, wie sich Meißen entwickelt. Und das in einem Spannungsfeld: „Der Sehnsuchtsort von Großstädtern ist das Umland, und der Sehnsuchtsort vieler Menschen, die in einer kleinen Stadt leben, die Großstadt“, berichtet er aus seiner Erfahrung. Auch deshalb sieht er die Aussichten für die Zukunft Meißens durchweg positiv.

Aus stadtplanerischer Sicht sollte die Verdichtung den Vorzug gegenüber einer Versiegelung erhalten, ist er überzeugt. Neu gebaut werden sollte vor allem innerhalb der Stadt statt  auf der grünen Wiese. In Meißen bietet sich das Triebischtal mit dem früheren Kohlelagerplatz oder perspektivisch mit Flächen am Ende, wo Gewerbe nicht wachsen kann, an. Auch Reihenhäuser, wie er sie jetzt im Auftrag der Seeg an der Niederauer Straße plant, können dazu beitragen, Menschen für das Wohnen in Meißen zu begeistern – für bezahlbares Wohnen.

Als Architekt stellt er wichtige Weichen für die Entwicklung der Stadt. Die Modernisierung von Schulen, Kindergärten oder der Umbau der Schwimmhalle am Heiligen Grund haben er und seine Mitarbeiter betreut. Damit haben sie auch Einfluss darauf genommen, was die Stadt Familien in puncto Kinderbetreuung, Bildungschancen oder Freizeitmöglichkeiten bieten kann.

Derzeit befasst sich Knut Hauswald mit dem städtischen Gymnasium auf dem Ratsweinberg. Das Franziskaneum soll und muss wachsen – von vier auf sechs Klassen je Jahrgang. Das bedeutet auch: ein Drittel mehr Schüler in Zukunft. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden, bedarf es mehr als nur neuer Baukörper. Neben neuen Klassenzimmern und Fachkabinetten müssen Freiräume und Plätze, nicht nur in der Cafeteria bedacht werden. Gefragt sind neue Lösungen für Pausenhöfe,  Anbindungen an das Straßennetz und die Verbindung zur Turnhalle, die an der Ludwig-Richter-Straße gebaut werden soll.

Das Gebäude, das er als Anbau an den vor einigen Jahren errichteten Verbinderbau zwischen den beiden klassischen Schulhäuern entworfen hat, sieht er als eine Art Herz. Auch zur Orientierung in dem wachsenden Schulkomplex hat er ein kräftiges Rot als Farbe für die Fassade des Baukörpers vorgeschlagen. Dem wollten noch nicht alle, die darüber entscheiden, folgen. Überzeugungsarbeit gehört zum Arbeitsalltag eines Architekten ebenso wie Kompromissfähigkeit. Beim Bauvorhaben ist er von Beginn an in engem Kontakt mit der Schule.

Das Gebäude, das er als Anbau an den vor einigen Jahren errichteten Verbinderbau zwischen den beiden klassischen Schulhäusern entworfen hat, sieht er als eine Art Herz. Auch zur Orientierung in dem wachsenden Schulkomplex hat er ein kräftiges Rot als Farbe für die Fassade des Baus vorgeschlagen. Dem wollten noch nicht alle, die darüber entscheiden, folgen. Überzeugungsarbeit gehört zum Arbeitsalltag eines Architekten ebenso wie Kompromissfähigkeit. Bei dem Bauvorhaben auf dem Ratsweinberg ist er von Beginn an in engem Kontakt mit der Schule.

Zweckmäßig und solide

Vor allem „zweckmäßig und solide“ sollen die Bauten sein, die Knut Hauswald entwirft. Dieser Anspruch steht für ihn vor dem Spektakulären oder Avantgardistischen. Er sieht darin auch die Demut, an der es vielen in seinem Berufsstand fehlt, wie er es ausdrückt.

Der enge Kontakt mit Beteiligten zeigt sich auch in unmittelbarer Nähe seines Büros auf dem Plossen. Er selbst wirkt mit am Planfeststellungsverfahren zur Vorbereitung der Bauarbeiten am Plossenanstieg. Dass die Spitzkehre ausgebaut werden muss, steht für ihn außer Frage. Als Meißner Dombaumeister, der er seit vier Jahren auch ist, begründete er seine Einwände gegen eine acht Meter hohe Stützmauer mit dem Blick, der sich von den Domtürmen aus dann bietet. Innerhalb eines Gestaltungsbeirates ist Knut Hauswald nun daran beteiligt, Konzepte für eine Verkleidung der Stützmauer zu entwickeln.

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Normalerweise setzen sich Architekten mit ihrer Arbeit Denkmale. Knut Hauswald ist es jedoch recht, wenn sein Name vergessen wird – zumindest in einer Hinsicht.

Auf einem guten Weg sieht er Gespräche mit Vertretern des Stadtrates und des Stadtbauamtes zur Vorbereitung des Baus von drei Villen am Hang am Poetenweg. Als „ausgesprochen sachlich“ bezeichnet er die Runden, in denen es um Details zur Gestaltung der Häuser geht, die ein privater Bauherr in dieser besonderen Lage errichten will. Noch sind nicht alle offenen Fragen geklärt. „Wir finden eine Lösung“, ist Knut Hauswald überzeugt. Wohl noch in diesem Herbst will er sie im Bauausschuss präsentieren.

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