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"Mehr Mobilität durch weniger Verkehr"

Anatoly Arkhipov ist Verkehrsplaner im Meißner Rathaus. Wunder sind von ihm nicht zu erwarten – aber Konzepte.

Das Fahrrad ist für ihn nicht nur ein Fortbewegungsmittel: Meißens neuer Verkehrsplaner Anatoly Arkhipov.
Das Fahrrad ist für ihn nicht nur ein Fortbewegungsmittel: Meißens neuer Verkehrsplaner Anatoly Arkhipov. © Claudia Hübschmann

Meißen. Derzeit ist er viel in der Stadt unterwegs – zu Fuß, mit dem Rad, auch mit dem Auto oder im Bus. Das ist sein Job: Anatoly Arkhipov ist Verkehrsplaner. Der 29-Jährige, der seit 1997 in Dresden lebt, ist seit einigen Wochen Mitarbeiter im Bauverwaltungsamt der Stadt Meißen, zuständig für die Themen Mobilität/Verkehr und Klima.

Noch macht er sich mit der Materie vertraut, und das natürlich vor Ort – nimmt Straßen, Geh- und Radwege ebenso unter die Lupe wie Kreuzungen und Parkplätze in allen Teilen der Stadt. Und er legt den Weg nach und von Meißen auch mit dem Fahrrad zurück.

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Im vorigen Jahr hat er sein Studium an der TU Dresden beendet, als Verkehrswirt. Er bringt sein angeeignetes Wissen, Erfahrungen aus Jobs während der Studienzeit am Dresdner Flughafen sowie aus einem Auslandspraktikum bei einer Logistikfirma in St. Petersburg mit. Zuviel Stau, zuwenig Parkmöglichkeiten – so beschreiben die Meißner die Verkehrssituation in ihrer Stadt. Von Anatoly Arkhipov können sie keine Wunder erwarten. Konzepte aber schon.

„Die Mobilität steigern durch weniger Verkehr“, nennt der neue Verkehrsplaner sein langfristiges Ziel für Meißen. Das bezieht sich nicht nur auf das Auto und den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Vielmehr müssten Verkehrssysteme insgesamt verbessert werden. Die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung können auch in einem Mittelzentrum wie Meißen und im ländlichen Raum vieles dazu beitragen. Dann kann es gelingen, dass Straßen und Wege weniger frequentiert sind. Anatoly Arkhipov spricht auch von neuen Angeboten, um die Lücke zwischen Auto und ÖPNV zu schließen. Dabei geht es um Carsharing ebenso wie nutzerfreundliche Angebote für das Anruf-Sammeltaxi.

Dies und weitere Überlegungen sollen in einen integrierten Verkehrsentwicklungsplan für die Stadt einfließen. Über die Arbeit an diesem Konzept und darüber, wo Handlungsbedarf besteht, wird er den Bauausschuss am 28. Oktober unterrichten. Letztlich soll das neu entstehende Papier vorliegende Konzepte – vom ÖPNV über den Radverkehr, die Wanderwegeführung, Lärmaktionsplan oder das Bundesfernstraßenkonzept – zusammenführen.

Wie eine Kommune die Verkehrsprobleme bewältigt, welche Angebote sie für das schnelle und sichere Überwinden eines Weges in der Stadt oder ins Umland bereit hält, wird immer mehr den Ausschlag geben bei der Entscheidung für einen Wohnort.

Ideen für den Bahnhofsvorplatz

Außerdem befasst sich der junge Mann mit dem Bahnhofsvorplatz. Noch bis zum 30. September können die Bürger über drei von Planungsbüros eingereichte Varianten befinden, wie der Platz vor dem Bahnhofsgebäude künftig aussehen soll. Dabei geht es aber nicht nur um gefällige Optik, sondern vor allem um Funktionalität – etwa kurze Verbindungen zwischen S-Bahn und Bus, Möglichkeiten zum Kurzzeitparken für diejenigen, die jemanden zum Bahnhof bringen oder von dort abholen, mehr Möglichkeiten zum sicheren Ab- bzw. Unterstellen von Fahrrädern, auch Angebote zum Aufladen für E-Bikes.

Aus den Vorteilen der einzelnen Varianten ließe sich ein Mix entwickeln. Dann müsse überprüft werden, inwieweit der umsetzbar und finanzierbar ist, und das in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr, den Denkmalschutzbehörden sowie Eigentümern der angrenzenden Grundstücke.

Ein weiteres Projekt, mit dem sich Anatoly Arkhipov beschäftigt, ist die Neugestaltung der Fußgängerquerungen an Tal- und Rauhentalstraße vor der Porzellan-Manufaktur. Sie sollen barrierefrei werden. Zu seinen Aufgaben als Verkehrsplaner gehört es auch, Interessen der Stadt zu vertreten. So wirkt er im Gestaltungsbeirat mit, der sich an den Planungen der bevorstehenden Bauarbeiten am Plossenaufstieg beteiligt.

Über Grenzen hinaus

Der Verkehrsplaner muss natürlich auch über die Grenzen seiner Kommune hinaus schauen. Und denken. Denn Straßen, Radwege aber auch Buslinien und Schienenstränge verbinden sie mit dem ländlichen Raum. Hier macht der studierte Verkehrswirt auch seine ersten Erfahrungen mit der Verwaltungsbürokratie.

So ist Meißen derzeit noch außen vor bei Plänen für Radschnellwege. Solche Radschnellwege sollen als Alternative zu den vor allem touristisch genutzten Radwegen an beiden Elbufern entstehen. Nach den derzeit vom Freistaat verfolgten Plänen soll eine Verbindung von Dresden aus in Coswig enden, weil 20 Kilometer Luftlinie für den Radius festgelegt wurden. 

Dabei wäre Meißen, das nur wenige Kilometer weiter entfernt liegt, für einen solchen Anschluss prädestiniert. Er würde genutzt, ist Anatoly Arkhipov überzeugt. In Zeiten, da das E-Bike ein immer beliebteres Fortbewegungsmittel wird, sowieso. Hier braucht es Ausdauer und Hartnäckigkeit, auch um den damit verbundenen Schriftverkehr mit anderen Ämtern und Behörden zu bewältigen.

Einen Ausgleich findet er nach Feierabend, wenn er mit dem Rad nach Hause fährt. Oder gemeinsam mit Sportfreunden, mit denen er den Kampfsport Brazilian Jiu-Jitsu betreibt. Drei bis viermal wöchentlich trainiert der aktive Kampfsportler in Dresden, der bereits mehrere Meistertitel errungen hat.

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