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Die Afraner sind zurück

Das Landesgymnasium hat alle Schüler nach Meißen hereingeholt und arbeitet künftig eng mit einem bekannten Bankhaus zusammen.

Bildung trifft Geld in der Bibliothek des Landesgymnasiums. Afra-Leiter Stefan Weih (links) und Sparkassen-Vorstandsmitglied Daniel Höhn kooperieren, um ihr Kapital wechselseitig zu mehren.
Bildung trifft Geld in der Bibliothek des Landesgymnasiums. Afra-Leiter Stefan Weih (links) und Sparkassen-Vorstandsmitglied Daniel Höhn kooperieren, um ihr Kapital wechselseitig zu mehren. © Claudia Hübschmann

Meißen. Der Lärm klingt wie Musik. Eine fast schon beängstigende Stille herrschte während des letzten harten Lockdowns in den Fluren der sächsischen Hochbegabtenschule auf der Meißner Freiheit. Staub konnte sich absetzen. Kein Essensduft zog von der Mensa herüber. Jetzt tollen die Afraner, die letzten Tage noch mit Maske, endlich erneut durchs Schulhaus. Es wird gekichert, geschwätzt und sicher auch draußen irgendwo gebäbbelt.

Dabei stellten die Wellen der Pandemie das Institut vor besondere Herausforderungen: Binnen kürzester Zeit mussten Schule, Eltern und rund 300 Schüler sicherstellen, dass alle Afraner nach Hause zurückkehren konnten. Für welchen Zeitraum auch immer.

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Normalerweise leben die Landesgymnasiasten mit Lehrern und Betreuern in den Internatsgebäuden auf dem Schulgelände. Diese besonderen Verhältnisse ermöglichen ein besonders intensives Lernen und Lehren. Die Pandemie allerdings stieß alle bisherigen Gewissheiten um. Genau dieser enge Kontakt war unerwünscht.

"Für mich war das schon erst einmal gewöhnungsbedürftig", gab Abiturientin Samira bereits im Mai 2020 in einem SZ-Gespräch zu Protokoll. Im Internat auf der Höhe über Meißen wohnte sie normalerweise in einem Doppelzimmer. Zu Hause waren sie zu fünft. Struktur erhielt der Tag durch das Festhalten am gewohnten Stundenplan. Videokonferenzen ermöglichten eine gewisse Interaktion. Trotzdem: Skype oder Whatsapp ersetzten nicht das direkte Quatschen miteinander, das gemeinsame Kochen, das Lachen. Die Gemeinschaft mit den Mitschülern fehlte.

Wechsel an der Spitze

Doch nicht nur bei der Schülerschaft gab es Einschnitte, unabhängig von der Pandemie hat sich an der afranischen Spitze ein Wechsel vollzogen. Afra-Leiterin Ulrike Ostermaier hatte sich im Sommer 2020 in den Ruhestand verabschiedet.

Mit dem 1. Februar übernahm Stefan Weih die Leitung des Landesgymnasiums für Hochbegabtenförderung in Meißen. Der gebürtige Baden-Württemberger verfügt dem Dresdner Kultusministerium zufolge über enormes Wissen im Bereich der Förderung von Hochbegabten. Zudem hat er sich hier als Dozent und Fortbildner bundesweit einen sehr guten Ruf erarbeitet. Nicht zuletzt haben seine gesamte Persönlichkeit und seine Führungsqualität die Auswahlkommission überzeugt.

Die Ruhe während der Pandemie ist im Hauptgebäude des sächsischen Landesgymnasiums St. Afra wieder dem üblichen Schullärm gewichen.
Die Ruhe während der Pandemie ist im Hauptgebäude des sächsischen Landesgymnasiums St. Afra wieder dem üblichen Schullärm gewichen. © Claudia Hübschmann

Viele Jahre war er als Lehrer und Fachleiter am Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd tätig. Auch bringt der Pädagoge langjährige Führungserfahrung mit. Über acht Jahre leitete Stefan Weih das staatliche Gymnasium Achern im Schwarzwald mit mehr als 1.000 Schülern und rund 95 Lehrkräften. In der ersten deutschlandweiten Vergleichsstudie von Schulen, die 2005 vom Forschungsinstitut Europress im Auftrag der Zeitschrift Capital durchgeführt wurde, erreichte das Gymnasium den Titel Beste Schule Deutschlands in der Gruppe der Schulen mit gymnasialer Oberstufe.

An diesem frühen Nachmittag steht der nicht mehr ganz so neue Schulleiter in den modernen Räumen der afranischen Bibliothek. Die Bücherrücken sind in den hohen Regalen wie mit dem Lineal ausgerichtet. Daniel Höhn, Vorstandsmitglied der Meißner Sparkasse, spricht von einem beneidenswerten Arbeitsplatz, der vermutlich zu den schönsten in der Stadt zählt. Was führt den Geldmehrer in die Räume der Wissenssammler? Die Antwort fällt letztlich nicht schwer: Gute Bildung benötigt verlässliche Geldquellen. Ein innovatives Finanzwesen braucht schlaue Köpfe. Afra und die Sparkasse haben sich deshalb zu einer vertieften Partnerschaft entschlossen.

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Vorträge zu betriebs- und volkswirtschaftlichen Themen sind nach Aussagen von Weih und Höhn ebenso vorstellbar wie Exkursionen in die Zentrale des Bankinstitutes nach Riesa. Regelmäßig nehmen die Landesgymnasiasten nach Auskunft von Betreuungslehrer Hans-Friedrich Treue bereits am Planspiel Börse der Sparkasse teil. Er hofft, dass es nach der Pandemie an den Börsen ordentlich nach oben geht. In den vergangenen Jahren habe man oft eher schlechte Phasen erwischt. So richtig Spaß mache es dann aber doch nur, wenn der Bulle ordentlich galoppiert.

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