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PLUS Meißen

Die Regelungen sind angemessen

Seit 26. April sind die Schulen im Landkreis erneut geschlossen. Was sagt eigentlich der Vorsitzende des Kreisschülerrates Meißen zur Situation der Schüler?

Dem Schülervertreter für den Landkreis, Robin Menzel, fehlt das normale Miteinander in der Schule. Das Gymnasium Luisenstift wird gerade nur jeweils zur Hälfte von den elften und zwölften Klassen genutzt.
Dem Schülervertreter für den Landkreis, Robin Menzel, fehlt das normale Miteinander in der Schule. Das Gymnasium Luisenstift wird gerade nur jeweils zur Hälfte von den elften und zwölften Klassen genutzt. © Arvid Müller

Ohne Anmeldung im Sekretariat und ohne negativem Corona-Test ist der Zutritt auf dem Schulhof des Radebeuler Gymnasiums Luisenstift nicht erlaubt. Nur ein einziger Rucksack steht am Freitagnachmittag noch vor dem Schulgebäude. Er gehört dem Vorsitzenden des Kreisschülerrates Meißen, Robin Menzel. Er und seine Mitschüler gehen in die elfte Klasse und dürfen als Abschlussklasse deshalb am Wechselunterricht teilnehmen. Eine Woche Unterricht im Klassenzimmer und dann wieder eine Woche am heimischen Schreibtisch: „Ich bin froh, dass es so ist“, sagt der 17-jährige Gymnasiast, „das ist mir lieber als nur zu Hause zu sein.“

Eine Woche Vollzeitunterricht an seiner Schule liegt gerade hinter ihm: „Man merkt schon, dass die Lehrer einen straffen Zeitplan haben und Noten rankriegen müssen“, sagt er. Aber es gibt auch Erleichterungen: So fallen zum Beispiel alle Klausuren in den Grundkursen weg. In den Leistungskursen ist aber eine Klausur im Halbjahr fällig und drei „kleine Noten“ müssen in den Grund- und Leistungskursen jeweils noch vergeben werden. Das Thema Corona sei auch an der Schule das Gesprächsthema Nummer eins, das alle beschäftigt, sagt Robin.

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Als Schülersprecher am Gymnasium Luisenstift wird er automatisch im Kreisschülerrat aufgenommen und hat sich zur Wahl des neuen Vorsitzenden aufstellen lassen. Das Thema Schülermitwirkung war ihm schon immer wichtig: „Ich habe nie verstanden, warum man sich die Schulzeit zur Hölle machen muss“, sagt Robin. Da will er sich lieber für die Belange der Schüler einsetzen. Der Kreisschülerrat Meißen ist die Vertretung aller Schüler, die öffentliche Schulen im Landkreis besuchen. Insgesamt sind es 48 Schulen, darunter Gymnasien, Oberschulen, Berufsschulzentren und Förderschulen.

Als Schülersprecher an seinem Gymnasium erfährt Robin, wo die Probleme beim Distanzunterricht liegen: Es gäbe viele, die mit der Lernplattform LernSax nach wie vor nicht zurechtkommen, weil sie zu uneinheitlich ist. Andere Schüler berichten von persönlichen Problemen und Krisen in der Familie: „Ich kenne viele Schüler, die große Probleme haben, weil ihnen die Motivation fehlt, weil sie keinen Laptop oder Computer haben oder bei denen die Internetverbindung zu schlecht ist“, sagt Robin.

Das Institut für Wirtschaftsforschung (ifo) hat die erste Studie zu den Folgen des Schulausfalls und Online-Unterrichts herausgegeben. Während des ersten Lockdowns haben laut der Studie nur sechs Prozent der Schüler in Deutschland aktiven Online-Unterricht erhalten. Mittlerweile sind es 26 Prozent. Das bestätigt auch der Schülersprecher: „Ganz am Anfang hatten wir vielleicht einmal pro Woche Online-Unterricht, aber heute läuft das schon regelmäßiger“, sagt Robin. Außerdem würden sich die Schüler zu Hause circa drei Stunden weniger mit der Schule beschäftigen als im normalen Unterricht. Im Schnitt verbringen sie 4,3 Stunden mit Schularbeiten im Homeschooling, so die Studie. Vor allem leistungsschwächere Schüler geraten an ihre Grenzen, warnt das Institut und plädiert für eine Pflicht zum täglichen Online-Unterricht per Videoschalte.

Die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Kultusministerium, Susann Meerheim, sagt dazu: „Bevor so ein Gesetz überhaupt diskutiert werden kann, müssen die technischen Voraussetzungen geschaffen sein. Hier geht es um Breitbandversorgung, Schülerlaptops und Lehrerlaptos.“ Das Kultusministerium hat einen Plan zur Bewältigung von Lerndefiziten durch die Schulschließungen und den Distanzunterricht ausgearbeitet: Der Drei-Stufen-Plan sieht vor, Lerndefizite festzustellen, Schwerpunkte zu setzen und dafür Freiräume in den Lehrplänen zu schaffen.

Vor einem Jahr hatte der Kreisschülerrat Meißen einen Brief an das Kultusministerium geschrieben und um fakultative Abschlussprüfungen gebeten: „Wir wollen allen Schülern einen vergleichbaren Abschluss ermöglichen“, sagt Susann Meerheim, „fakultative Prüfungen würden diesem Ziel widersprechen.“ Allerdings gibt es für Abiturienten einige Erleichterungen zum Ausgleich der pandemiebedingten Nachteile: „Es wurden Themen festgelegt, die nicht Schwerpunkt der schriftlichen Prüfungen sind. Wer sich zum Ersttermin nicht in der Lage sieht, die Prüfung abzulegen, kann auf einen Zweittermin ausweichen und die Arbeitszeit wird in allen schriftlichen Abiturprüfungen um 30 Minuten erhöht“, sagt die Pressereferentin.

Diese Entscheidung für die Abschlussprüfungen kann Robin gut nachvollziehen: „Ich gehe nicht auf das Gymnasium, um dann keinen Abschluss zu haben“, sagt er. Auch mit den Erleichterungen ist er zufrieden: „Wir lernen die Prüfungsfächer viel intensiver und ich finde die Regelungen angemessen.“ So wie ihm geht es aber nicht allen Schülern. Das Kultusministerium plant deshalb für das nächste Schuljahr Lernstandserhebungen, um festzustellen wie groß die Wissens- und Kompetenzlücken bei den Schülern wirklich sind.

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