merken
PLUS Meißen

Voller Druck aus der Corona-Krise

Während die Druckerei Thieme kräftig investiert, gibt es den Traditionsverlag Brück nicht mehr: Die potenzielle Nachfolgerin arbeitet jetzt für Thieme.

Ulrich Thieme hat mit Anna Meisel eine neue Marketing-Chefin an seiner Seite.
Ulrich Thieme hat mit Anna Meisel eine neue Marketing-Chefin an seiner Seite. © Claudia Hübschmann

Meißen. Die letzten Monate haben auch die Druckerei Thieme hart getroffen, nur anmerken lässt es sich das Unternehmen nicht. Ganz im Gegenteil: Obwohl die vielen Kunden aus dem Kultur-Bereich nicht mehr viel zu drucken hatten, wurden so viele Azubis eingestellt wie noch nie. Außerdem eine Druckmaschine für über zwei Millionen Euro gekauft - nachdem die Aufträge in den schlimmsten Wochen um die Hälfte einbrachen. Die Druckerei möchte selbstbewusst aus der Krise kommen.

Jetzt, wo die Drucker wieder Programmhefte ausspucken, hat sich die Auftragslage bei 85 Prozent eingependelt. "Wären wir immer noch eine reine Kulturdruckerei, hätten wir die letzten Wochen nicht so gut überstanden", erklärt Betriebsleiter Ulrich Thieme.

Anzeige
Tipps für die Herbstferien in Sachsen
Tipps für die Herbstferien in Sachsen

Vom 19. bis 30. Oktober sind Herbstferien in Sachsen: zwei Wochen voller Möglichkeiten, die Region zu erkunden und tolle Abenteuer zu erleben.

Jeder individuelle Bierdeckel wird in Meißen bedruckt

Vor zehn Jahren hat die Firma Insolvenz angemeldet. Seit der Übernahme durch das Druckhaus Mainfranken ist das Unternehmen breiter aufgestellt und lässt sich auch von einer Corona-Krise nicht mehr aus der Ruhe bringen. Mit dem neuen Eigentümer, kamen viele neue Aufträge von Internetdruckereien dazu - die seien auch in den letzten Monaten konstant geblieben und würden die Hälfte des Umsatzes ausmachen, erklärt der Betriebsleiter.

Der Grund dafür: Thieme hat sich zu einem Spezialisten für Druck auf sogenanntes Bierdeckel-Papier spezialisiert. Mittlerweile kann die Druckerei von sich behaupten, jeder individuelle Bierdeckel, der bei Flyeralarm oder Unitedprint bestellt wird, zu drucken. Meistens sind es nicht mal Bierdeckel. Das Papier ist so beliebt, dass Thieme hauptsächlich Postkarten und Flyer auf dem griffigeren Papier druckt - das geht jetzt sogar ab der ersten Postkarte. Eine neue Digitaldruckmaschine macht es möglich, auch Auflagen unter 100 Stück kostendeckend zu produzieren. "Wir investieren weiter mit dem guten Wissen, dass wir aus der Krise wieder rauskommen", erklärt Thieme den ungewöhnlichen Anschaffungszeitpunkt.

Während sich andere Unternehmen bei der derzeitigen Auftragslage ganz genau überlegen, wen sie einstellen, hat Thieme die außergewöhnlichen Bewerberzahlen genutzt und gleich zwei Buchbinder eingestellt: "Die letzten Jahre war immer Ruhe. Es war schwer, Lehrlinge zu finden. Jetzt liegen bereits für das nächste Ausbildungsjahr zehn Bewerbungen auf dem Tisch", freut sich Thieme.

"Wir arbeiten weiterhin zusammen, nur auf anderer Ebene"

Den wirklich interessanten Zuwachs gab es allerdings in der Marketing-Abteilung: Seit dem 1. April ist Anna Meisel die Marketing-Chefin der Druckerei. Die geborene Brück hätte eigentlich den Traditionsverlag ihrer Eltern weiterführen sollen. Stattdessen lässt Meisel ihre Papierleidenschaft in der Druckerei weiterleben, die jahrelang mit dem Meißner Kunstverlag zusammengearbeitet hatte. "Wir arbeiten auch weiterhin zusammen, aber auf einer ganz anderen Ebene", erklärt Thieme, denn Brück & Sohn gibt es seit dem letzten Jahr nicht.

Zwei Jahre lang wurde versucht, einen Nachfolger außerhalb der Familie zu finden - erfolglos. Vor allem das Postkarten-Geschäft des Verlags war in den letzten Jahren massiv eingebrochen. Letztlich bleiben von den Verlagsprodukten nur der Zeichenschulkalender der Porzellan-Manufaktur und die Fenster-Adventskalender übrig - für dessen Motive sich Jutta Olewinski die Rechte sicherte.

Seit der Gründung vor über 200 Jahren wurde der Firmensitz des Verlages immer in direkter Familienfolge weitergegeben. Seit 1949 lief viel über die Pressen der Druckerei Thieme. Hier schlägt die gelernte Bankkauffrau und Grafikdesignerin von nun an auch in die Nachhaltigkeitskerbe: Stück für Stück möchte das Unternehmen einen CO²-Ausgleich schaffen, bereits seit Mai wird dafür zu jedem Auftrag ein Baum im Raum Meißen gepflanzt. "Wir wollen keine tausend Zertifizierungen - das kostet alles Geld. Wir wollen Nachhaltigkeit leben und nicht zertifizieren lassen", beschreibt Thieme das neue Unternehmensziel.  

Außerdem sollen neue Geschäftsbeziehungen mit kulturellen Unternehmen in ganz Deutschland entstehen. Bisher beschränkte sich die Zusammenarbeit auf regionale Kulturschaffende. Die zusätzliche Akquise soll auch die eingebrochenen Absatzzahlen ausgleichen: "Die Resonanz ist schon sehr gut. Wir haben die ersten Flyer im Juni verschickt und es kommen immer noch Antworten", berichtet Thieme.

Mehr zum Thema Meißen