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Ein Meißner Urgestein

Kurz vor ihrem 90. Geburtstag bereitet Käte Altenkrüger eine vorweihnachtliche Freude vor – für ihre Senioren.

Herzlich und fit: Käte Altenkrüger wird in wenigen Tagen 90 Jahre alt.
Herzlich und fit: Käte Altenkrüger wird in wenigen Tagen 90 Jahre alt. © Claudia Hübschmann

Meißen. Ihre Wohnung gleicht in diesen Tagen einem Warenlager: Zu Dutzenden stehen Kaffee- und Teepäckchen, Bienenhonig, Schokolade sowie weitere Süßigkeiten auf dem Tisch, Karten sind vorbereitet. Auch Piccolo-Fläschchen Sekt. Obst Nüsse und harte Würste kommen in den nächsten Tagen noch dazu. Alles Zutaten, die Käte Altenkrüger in weihnachtliche Beutel packt – für ihre Senioren.

Seit weit mehr als 20 Jahren macht sie das schon so. In den ersten Dezembertagen hat Käte Altenkrüger die weihnachtlichen Überraschungen gemeinsam mit einigen Helfern selbst verteilt – an diejenigen, die alters- oder krankheitsbedingt nicht zur Seniorenweihnachtsfeier kommen konnten. Als Vorsitzende der Ortsgruppe der Volkssolidarität (VS) hatte sie immer großen Anteil an der Organisation dieser Feiern. Bis zu 200 Leute kamen in den besten Zeiten zusammen, zunächst im Kabelwerk und später im Autohaus Richter.

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In diesem Jahr ist alles anders. „Im Oktober habe ich die Feier abgesagt“, berichtet sie. Schweren Herzens habe sie das entschieden – nachdem sie mit Mitstreitern der Volkssolidarität und OB Olaf Raschke debattiert hatte. Aber: Wenn schon die Weihnachtsfeier an diesem Virus scheitert, dann aber nicht der persönliche Kontakt. Und deshalb bereitet Käte Altenkrüger die Weihnachtspakete für alle ihre Senioren jetzt mit besonderer Aufmerksamkeit vor. Dabei helfen ihr einige Ehrenamtliche aus der VS-Ortsgruppe sowie ihre Nichte Veronika Neumann. Beim Verteilen der Überraschungen kann sie sich auf ihren Sohn Bernd aus Berlin verlassen, der auch schon in den vergangenen Jahren den Fahrdienst für die Seniorenweihnachtsfeier übernommen hatte.

In ihrer Wohnung bereitet Käte Altenkrüger eine vorweihnachtliche Überraschung für ihre Senioren vor.
In ihrer Wohnung bereitet Käte Altenkrüger eine vorweihnachtliche Überraschung für ihre Senioren vor. © Claudia Hübschmann

Käte Altenkrüger könnte die jährliche Feier nicht ausrichten und kleine Geschenke an ihre Senioren verteilen, wenn sie ihre vielen Sponsoren nicht an der Hand hätte. Bei Unternehmern und Privatleuten aus allen Teilen der Stadt brauchte sie dafür kaum „Klinken putzen“. Man sah sich im Verlauf des Jahres im Theater. Dort war Käte Altenkrüger so etwas wie die gute Seele, über Jahrzehnte. Als Oberschließerin, Garderobiere und Programmhefte-Verteilerin war sie bekannt und geschätzt.

1963 hatte sie am Meißner Theater angefangen. Dort kommt sie auch heute noch an fast jedem Tag vorbei: „Ich laufe jeden Tag“, sagt die 89-Jährige lapidar. Bis ins vorige Jahr hinein hat Käte Altenkrüger immer noch im Theater ausgeholfen. Aber so ganz „Ade!“ hat sie dort noch nicht gesagt. Auf dem Weg von ihrer Wohnung in der Leipziger Straße in die Stadt ist das Theater eine gute Station, nicht nur zum Verschnaufen.

Auch auf einem Boot verewigt

Ein Kaffee mit „den Jungs“, wie sie die Techniker nennt, ist ihr dort sicher. Und es gibt immer eine Menge zu bequatschen. Die Zwangspausen in diesem Jahr machen sie traurig. Aber sie, die in Schlesien geboren und aufgewachsen ist und die in den jungen Jahren ihres Lebens viel Elend erlebt hat, lässt sich nicht unterkriegen. Sie macht ihren ehemaligen Kollegen Mut. Käte Altenkrüger ist keine, die klagt oder über die Last des Alters spricht. Auch kurz vor ihrem 90. Geburtstag strahlt die Frau mit den leuchtend weißen Haaren Fröhlichkeit aus. Sie weiß mit Herzlichkeit und beachtlicher Fitness zu beeindrucken. Und mitzureißen.

In Meißen ist sie so etwas wie ein Urgestein. Hier hat sie sich auch verewigt. Das Theatercafé ist nach ihr benannt, ebenso ein Rettungsboot der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Ihr Engagement für Mitmenschen haben der Freistaat Sachsen mit der Annenmedaille und die Stadt Meißen mit einem Ehrenamtspreis gewürdigt.

Am nächsten Sonnabend wird Käte Altenkrüger 90 Jahre alt. Die Feier mit ihren beiden Söhnen, den beiden Enkeln und vier Urenkeln sowie den Nichten muss leider ausfallen. Aber auf das Zusammensein mit ihren Lieben will und wird sie nicht verzichten. Nacheinander, gewissermaßen gestaffelt, um den Hygieneauflagen zu genügen, wird man sich treffen – für ein Gläschen auf die Gesundheit, für ein gemütliches Beisammensein und Schwelgen in familiären Erinnerungen. Darauf freut sie sich.

Der 90. Geburtstag ist für Käte Altenkrüger aber auch Anlass, kürzer zu treten. So hat sie das Amt der Ortsgruppenchefin der Volkssolidarität abgegeben. Dass sich bislang kein Nachfolger gefunden hat, bedrückt sie.

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Jeden der weihnachtlichen Beutel, die sie in ihrer Wohnung packt, versieht sie mit weihnachtlicher Deko und mit einer Karte, die sie selbst ausgesucht hat. Darin sind liebe Grüße geschrieben für jeden, der in den ersten Tagen der Adventszeit eine solche Überraschung erhalten soll. Und sie wird jedes dieser Geschenke selbst vorbeibringen – bei ihren Senioren.

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