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Eine Unesco-Schule für Meißen

Die Stadt selbst möchte mit Porzellan Weltkulturerbe werden. Die jüngste Grundschule peilt den Sprung nach Japan an.

Wie ein Schmetterling breitet Meißens jüngste Grundschule ihre Flügel aus und hebt ab zu ambitionierten Zielen.
Wie ein Schmetterling breitet Meißens jüngste Grundschule ihre Flügel aus und hebt ab zu ambitionierten Zielen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Viertklässler aus Sachsen unterwegs zum Schüleraustausch mit Meißens Partnerstadt Arita nach Fernost? Die Idee ist sicher übertrieben. Die jüngste Grundschule der Porzellanstadt hat sich allerdings ein ambitioniertes Ziel vorgenommen. Sie möchte in den nächsten sechs Jahren den Titel einer Unesco-Schule erwerben. Schulleiter Patrice Hübsch und die künftige Hortleiterin Ramona Blaurock haben am Montagabend den Stadtrat über das Vorhaben informiert.

In ganz Sachsen gibt es ihren Angaben zufolge erst zwei Schulen im Leipziger Raum, die sich mit diesem Titel schmücken dürfen. Geld spielt dabei eher eine geringere Rolle. Schulleiter Hübsch zufolge stellt das Kultusministerium zwar ein jährliches Budget für Unesco-Schulen bereit. Dies sei jedoch nicht der entscheidende Anreiz. Interessant ist dagegen das Netzwerk, welches sich neuen Mitgliedern erschließt. Immerhin umfasst dieses über 11.500 Schulen in 182 Ländern. Sie tauschen rege ihre Ideen und Erfahrungen aus. Schüler, Lehrer und Eltern können daraus Gewinn ziehen und gleichzeitig selbst ihre Projekte im wahrsten Sinne des Wortes in die Welt tragen.

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Das Welterbe liegt vor der Tür

Weit gediehen und vergleichsweise konkret sind die Ideen für die Bewerbungszeit im Bereich der Welterbe-Bildung. Diese gehört zu sechs Säulen, die das ideelle Dach der Unesco-Schulgmeinschaft tragen. Schulleiter Hübsch erinnert daran, dass mit dem Erzgebirge und seinem Bergbauerbe eine Welterbe-Region direkt vor der Meißner Tür liegt, deren Ausläufer bis vor die Tore der Stadt reichen und deren Geschick mit beeinflussten. Der Rothschönberger Stolln mit seinem Mundloch im Triebischtal entwässert das Freiberger Revier in die Elbe. In den linkselbischen Tälern finden sich allenthalben Spuren des Bergbaus aus vergangenen Zeiten. Ohne Kaolin und blaue Farbe aus Aue hätte das Meissener Porzellan vermutlich nicht seinen Siegeszug um die Welt antreten können.

Diese kulturellen Wurzeln gelte es den Kindern im Unterricht und Hort gleichermaßen anschaulich zu vermitteln, sagt Patrice Hübsch. Dies funktioniere ebenso mit dem immateriellen Welterbe, wie etwa dem Blaudruck, der in der Coswiger Blaudruckerei lebendig gehalten wird. Meißen habe zahlreiche Sagen hervorgebracht, die ebenfalls genutzt werden könnten. Ergänzend sollten die Kinder zu einem Blick über den eigenen kulturellen Tellerrand bewegt werden. Was liegt hier näher, als in Meißens Partnerstadt Arita zu schauen. Mithilfe der Partnergesellschaft sei die Schule bereits dabei, vertiefte Kontakte anzubahnen, so der Leiter.

Hort und Schule arbeiten eng abgestimmt

Die künftige Hortchefin Ramona Blaurock bringt ein Beispiel für eine zweite Säule der Unesco-Schulgemeinschaft. Diese umfasst den in Sachsen geprägten Begriff der Nachhaltigkeit. Im Herbst 2020 entstand an der Arita-Grundschule in Zusammenarbeit mit Partnern eine Blühwiese für Kinder von Kindern. Der Bau eines Insektenhotels förderte bei den Kindern Kreativität und handwerkliches Geschick. Gleichzeitig konnten sie ganz praktisch Wissen über die Tierwelt und die Wichtigkeit von Biodiversität sammeln. Imker sollen mit einem Einblick in ihre Tätigkeit, das Wissensfeld im Sommer erweitern. "Es war ein kleiner Aufwand, aber ein großer Effekt", so Ramona Blaurock.

Dass die Hortchefin so eng in den Titelkampf einbezogen ist, stellt keine Selbstverständlichkeit dar. Nicht selten arbeiten auch in sächsischen Schulen Lehrer und Erzieher zielstrebig aneinander vorbei. Es fehlt an Abstimmung und gemeinsamen Zielen. Hübsch und Ramona Blaurock stehen dagegen für die Vision, zwei Bildungseinrichtungen unter einem Dach ganz eng zu verzahnen. Ein übergreifendes Leitbild sei hierfür niedergelegt worden, sagen sie. Auf seiner Basis soll das Profil entwickelt und geschärft werden. Die Voraussetzungen hierfür könnten nicht besser sein: 43 der insgesamt 47 Arita-Grundschüler besuchen den Hort.

Stadt macht Zusagen

Von den Stadträten gibt es einhelliges Lob für so viel Enthusiasmus. Ute Czeschka von den Bürgern für Meißen lobt die hohe Professionalität der Schul- und Hortleitung. Meißen könne stolz sein auf eine solche Schule mit neuen Wegen und Inhalten. Gleichzeitig bietet sie an, über ihre beruflich bedingte enge Zusammenarbeit mit sächsischen Manufakturen, Kontakte vermitteln zu können.

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Andreas Stempel (CDU) zeigt sich beeindruckt von dem geradlinigen Weg, der, trotz aller ideologischer Grabenkämpfe im Bildungswesen, von den Mitarbeitern in Schule und Hort eingeschlagen werde. Ihm gefalle die enge und gleichberechtigte Partnerschaft von Hort und Schule. Bürgermeister Markus Renner sagt Patrice Hübsch und Ramona Blaurock ausdrücklich die Hilfe der Stadt als Schulträger bei ihrem Vorhaben zu. Die wird auch nötig sein. Etliche Zimmer benötigen in den nächsten Jahre nach dem Auszug der Questenbergschüler eine Erstausstattung. Darüber hinaus steht ein eigener Werkenraum ganz oben auf der Wunschliste, um dort praktisch am Titel Unesco-Schule feilen zu können.

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