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Ende eines Mythos

Die höchste Erhebung im Landkreis Meißen liegt nicht in Klipphausen. Und es gibt noch eine Besonderheit.

Der Nossener Hobby-Geologe Axel Schulze meint, die höchste Erhebung des Landkreises Meißen liegt in Nossen-Augustusberg.
Der Nossener Hobby-Geologe Axel Schulze meint, die höchste Erhebung des Landkreises Meißen liegt in Nossen-Augustusberg. © Claudia Hübschmann

Landkreis Meißen. Was ist die höchste Erhebung im Landkreis Meißen? Die Baeyerhöhe, so die Antwort vieler. Einige können sich sogar noch daran erinnern, den Fakt so in der Schule gelernt zu haben. Und auch im Internet ist diese Information auf verschiedenen Websites zu lesen. So auf der Homepage der Gemeinde Klipphausen, wo die Baeyerhöhe, ein beliebtes Wanderziel, mit rund 320 Metern Höhe zwischen den Ortsteilen Burkhardswalde und Lampersdorf liegt.

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Schön beschrieben ist eine Tour von einem privaten leidenschaftlichen Wanderer über die angeblich höchste Erhebung im Landkreis Meißen. So wurde es auch mehrfach in der Sächsischen Zeitung geschrieben. Beispielsweise auch in den Beiträgen 2010 und 2016. Denn die Baeyerhöhe war nicht nur wie angenommen, der höchste Punkt im Landkreis – auch wenn mit rund 322 Metern unterschiedliche Höhenangaben zu lesen waren –, sondern sie ist vermessungstechnisch ein bedeutender Punkt. So wurde 1866 auf der Baeyerhöhe eine sogenannte Gradmessungssäule errichtet. Sie war eine der wichtigsten Punkte bei der Landvermessung im Königreich Sachsen zwischen 1862 und 1890. Eine Gedenktafel erinnert daran.

Die höchste Erhebung im Landkreis Meißen befindet sich in Nossen-Augustusberg, im Zellwald (rot markiertes Rechteck).
Die höchste Erhebung im Landkreis Meißen befindet sich in Nossen-Augustusberg, im Zellwald (rot markiertes Rechteck). © SZ Grafik

Doch eines ist die Baeyerhöhe nicht: die höchste Erhebung im Landkreis. Darauf machte SZ-Leser Axel Schulze aus Nossen-Eula aufmerksam. Er ist viel mit seinem Motorrad unterwegs und sehr heimatinteressiert. Beim Sichten alter Topologie-Karten, eigentlich so nebenbei, fiel dem 48-Jährigen auf, dass im Gebiet Nossen-Augustusberg Höhenlinien von knapp 330 Metern eingetragen sind. Die Baeyerhöhe also nicht die höchste Erhebung sein kann. „Das weiß ich schon seit etwa 15 Jahren“, sagt er.

Schulze steht an einem sogenannten geodätischen Festpunkt – einem Vermessungspunkt – in Nossen-Augustusberg, der knapp 326 Meter hoch liegt. Der einst als Vermessungsgehilfe Arbeitende hat einen Blick für Höhen, erklärt, dies mit der Zeit gelernt zu haben. Dann zeigt er in Richtung der Landkreisgrenze und meint, diese Punkte liegen höher im Vergleich zu seinem jetzigen Standort.

Internetseiten müssen geändert werden

Geologie habe Axel Schulze schon immer interessiert und so möchte er gern wissen, wo genau der höchste Punkt liegt. Er vermutet, nahe der Landkreisgrenze. Er hat recht damit. Auf Nachfrage beim Staatsbetrieb Geobasisinformation und Vermessung Sachsen (GeoSN) teilte Barbara Wolters mit: „Die höchsten Geländepunkte im Landkreis Meißen sind circa 342 Meter hoch und befinden sich bei Schmalbach in der Nähe zur Autobahn A4.“ Doch sind die höchsten Geländepunkte gleichzusetzen mit der höchsten Erhebung? Oder gibt es eventuell Definitionsunterschiede? Nein, diese Unterschiede gibt es nicht: „Die höchsten Geländepunkte sind gleichzusetzen mit der höchsten Erhebung. Der markierte Bereich im Zellwald ist damit höher als die Baeyerhöhe, was auch alle Leserinnen und Leser im Höheninformationsdienst unseres Geoportals nachprüfen können“, antwortet Wolters.

So müssen verschiedenste Seiten im Internet nun geändert werden. Auf Wikipedia ist dies bereits geschehen. Noch vor Kurzem war dort ebenfalls zu lesen, dass die Baeyerhöhe in Klipphausen mit 320,5 Metern die höchste Erhebung im Landkreis Meißen sei.

Kuriosum Heideberg

Barbara Wolters weist noch auf eine andere interessante Besonderheit des Landkreises Meißen hin: „Der Heideberg nördlich von Großenhain bei Strauch ist zwar nur 201 Meter hoch. Aber über diesen Berg verläuft die Landesgrenze und er ist die höchste Erhebung Brandenburgs. Erhebung deshalb, weil der Gipfel – wenn auch nur ganz knapp – auf sächsischer Seite liegt. Der höchste Gipfel Brandenburgs ist dann etwas niedriger. Es ist der Kutschenberg bei Großkmehlen. Dem fehlen aber nur etwa 70 Zentimeter.“

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