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Erste Honigtanke in Meißen

Das Herz des Seeligstädter Imkers schlägt für regionalen Honig. Um mehr Menschen dafür zu begeistern, hatte er eine Idee.

Tommy Ruhland ist zufrieden. Denn der Hobbyimker hat zu viel Honig und verkauft diesen jetzt am Straßenrand auf der Großenhainer Straße in Meißen.
Tommy Ruhland ist zufrieden. Denn der Hobbyimker hat zu viel Honig und verkauft diesen jetzt am Straßenrand auf der Großenhainer Straße in Meißen. © Claudia Hübschmann

Meißen. Von zitronengelb über rußgrau und ziegelrot bis blauschwarz: So sieht der Pollen von Pflanzen aus, bevor er gemeinsam mit dem Nektar in einer Bienenwabe landet. "Der Pollen bestimmt auch die Farbe des fertigen Honigs", erklärt Tommy Ruhland, als er stolz seine Honigtanke in Meißen präsentiert. Sie steht auf der Großenhainer Straße 130 an der Bushaltestelle Bohnitzscher Straße. Hier verkauft er seit diesem Jahr seinen überschüssigen Honig.

Honig helfe bei Heuschnupfen

"Seit fünf Jahren imkere ich schon, die Population meiner Bienenvölker wächst stetig. Deswegen habe ich viel Honig", so der Hobbyimker. Eine große Menge wurde er jedoch im vergangenen Jahr nicht los. Er verkauft seinen Honig zum Beispiel in der Bäckerei Riedel oder in der Fleischerei Mauksch in Meißen. Und jetzt auch an der Großenhainer Straße mit der Honigtanke. Das ist ein Selbstbedienungsschrank mit Vertrauenskasse. Seine Bienenbrutkästen stehen auf der ehemaligen Brachfläche nun schon seit zwei Jahren. Jetzt ist dort ein Parkplatz des ambulanten Pflegedienstes seiner Frau.

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Dass der Seeligstädter den Honig kaum loswurde, sei zum Glück für das Produkt selbst kein Problem. "Guter Honig wird nicht so schnell ungenießbar." Das liegt laut dem Magazin Spektrum der Wissenschaft vor allem an seiner chemischen Zusammensetzung: hoher Zuckergehalt, Säuren sowie Enzyme. Dieser Mix sorge auch für die antibiotische Stärke des Honigs, also die hemmende Wirkung auf Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze.

Tommy Ruhland kennt noch weitere Vorteile. Viele würden darauf schwören, dass Honig bei Heuschnupfen helfe, sagt er. Bei einer Heuschnupfenallergie reagiert der Körper stark auf Pollen. Der Honig, den Bienen aus lokalen Pollen gewinnen, sensibilisiere da das Immunsystem. "Wenn Allergiker Honig essen, haben sie später bei Pollenflug kaum Symptome. Zumindest berichten das meine Kunden."

Das sei ein Grund gewesen, warum Ruhland vor fünf Jahren mit dem Imkern begonnen habe. Sein ältester Sohn leide unter Heuschnupfen. Zudem liegt das Imkern seit Jahren im Trend, vor allem in Großstädten. Den gelernten Bäcker motivierte allerdings noch etwas anderes: Schon vor Jahren ist der letzte Imker seines Wohnorts verstorben. Noch dazu ist der 44-Jährige seit seiner Kindheit eng mit dem Imkern verbunden. Sein Großvater selbst war einer, und Tommy Ruhland assistierte ihm als kleiner Junge regelmäßig.

In der Stadt blüht es vielfältiger

Gerade in den Städten blühe es vielfältiger als auf dem Land, so Tommy Ruhland. Das liege vor allem an den Kleingärten. Ein Bild von der Gartensparte auf der Schreberstraße in Meißen.
Gerade in den Städten blühe es vielfältiger als auf dem Land, so Tommy Ruhland. Das liege vor allem an den Kleingärten. Ein Bild von der Gartensparte auf der Schreberstraße in Meißen. © Claudia Hübschmann

Heute kümmert er sich um fast 30 Bienenvölker an verschiedenen Standorten in Meißen, Seeligstadt und Klipphausen. Gerade das wird für ihn zum Vorteil. "In der Stadt gibt es mehr Vielfalt an Blüten durch die Kleingärten. Diese blühen fast das ganze Jahr." Auf dem Land würden hingegen eher weniger unterschiedliche Pflanzen ausgesät. Zudem sei die Konkurrenz mit anderen Insekten wie Wildbienen oder Schmetterlingen höher, die ebenfalls die Pflanzen befruchten. "Blühstreifen auf Äckern helfen, dass die Bienen mehr Nektar finden." Diese fehlen jedoch auf vielen Landwirtschaftsflächen.

Der Nektar ist dabei lebensnotwendig für die Bienen. Denn der daraus entstehende Honig schmeckt nicht nur, sondern ist gleichzeitig auch der Futtervorrat für den Winter. Ohne diesen würden die Bienen sterben. Deshalb muss Tommy Ruhland regelmäßig überprüfen, ob die Insekten genügend Nahrung haben. Um das zu überprüfen, nimmt er einen Bienenkasten und kippt ihn leicht an. Als Laie kann man das mit bloßem Auge nicht beurteilen, aber Ruhland erklärt, er erspüre das aus Erfahrung. Sollte das Futter nicht reichen, müsse er zufüttern, so wie er es kurz vor dem Wintereinbruch mache.

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Wenn Tommy Ruhland die Zeit findet, möchte er monatlich am Verkaufsstand informieren, wie es seinen und generell den Bienen momentan geht. Im Frühjahr müssen sie sich nun vermehren, damit im Sommer genügend Honig für den Winter produziert werden kann. Die zwei warmen Wochen im März waren da eher kontraproduktiv. Denn die kalten Tage danach können die Bienenvölker wieder dezimieren, wenn sie nicht ausreichend Nahrung haben. "Am liebsten würde ich natürlich sofort nachschauen, wie viele Bienen durch den Winter gekommen sind." Allerdings wäre das nicht zielführend, denn die Bienen dürfen nicht unnötig gestört werden.

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