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„Ich bin optimistisch, habe aber auch Bedenken“

Für Klipphausens Bürgermeister Mirko Knöfel (parteilos) war 2020 ein Jahr mit vielen Herausforderungen. Ein Blick zurück und auf 2021.

Klipphausens Bürgermeister Mirko Knöfel zieht zum Jahresende eine erste Bilanz.
Klipphausens Bürgermeister Mirko Knöfel zieht zum Jahresende eine erste Bilanz. © Claudia Hübschmann

Herr Knöfel, für Sie war 2020 das erste Jahr im Amt. Wie sind Sie hineingewachsen?

Ich bin meines Erachtens relativ schnell hineingewachsen. Das ging am ersten Tag schon los mit Entscheidungen, die man treffen musste, obwohl man wenig Vorbereitungszeit hatte. Es gab keine Zeit, großartig nachzudenken. Man hat dann einfach mitgemacht. Ich bin jetzt voll drin.

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Sie kamen aus der Wirtschaft in die Verwaltung. Das ist schon ein Unterschied, oder?

Den Knick zwischen freier Wirtschaft und Verwaltung hat man schon gemerkt. Obwohl ich aus einem Konzern komme, wo Prozesse teilweise sehr zäh sind. In der Verwaltung merkt man aber deutlich, dass es für alles einen Verwaltungsakt gibt. Wir arbeiten zwar sehr gut mit den Behörden zusammen, aber es ist immer ein Zeitfaktor. Wenn man denkt, man kann jemandem mal schnell helfen, dann dauert das doch mal ein Vierteljahr, weil der Akt der Verwaltung seine Zeit braucht.

Dass es nicht immer schnell geht, ist den Bürgern sicher schwer zu erklären. Ist es Ihnen überhaupt gelungen, Bürgern Dinge aus der Verwaltung zu erklären?

Teils, teils, würde ich sagen. Es gibt Sachverhalte, die sind sehr schwer zu erklären, wie jetzt beispielsweise das Thema Abwasser, was sehr komplex ist. Da geht es für mich in erster Linie um Verständlichkeit für die Bürger. Ich denke, da haben wir noch Verbesserungspotenzial. Das haben wir uns auch im nächsten Jahr vorgenommen, insbesondere bei unserem Internetauftritt. Dort sollen die Dinge noch mehr beziehungsweise anders dargestellt werden, damit die Bürger diese nachvollziehen können.

Internetauftritt: Die neue Webseite steht im nächsten Jahr mit 30.000 Euro im Haushalt. Das Geld ist da?

Das muss da sein. Wir haben unsere Schwerpunkte, die Bauvorhaben. Aber es gibt viele andere Bereiche, die von uns bedacht werden und nicht in Vergessenheit geraten. Ein Thema ist Öffentlichkeitsarbeit und der Zugang der Bürger zur Verwaltung. Gerade durch die Pandemie hat man gemerkt, wie wichtig das Internet ist, und entsprechend habe ich auch dort den Schwerpunkt gesetzt.

Der Haushalt 2020 hatte ein Investitionsvolumen von 30 Millionen Euro. Dann kam Corona und die damit verbundenen Ängste vor Einnahmeverlusten in Größenordnungen. Der Haushalt ist trotzdem gelungen?

Ja. Wir haben einen ausgeglichenen Haushalt. Und wir haben einen Haushalt 2021, der nochmal voluminöser ist. Wir reden jetzt von 45 Millionen Investitionen, davon kommen zwölf Millionen aus Überträgen aus 2020. Das ist ein Riesenthema. Man muss aber auch sagen, wir hatten Glück, dass wir in unseren Gewerbegebieten mit den Firmen sehr breit aufgestellt sind. Es gibt Firmen, die tatsächlich coronabedingt Probleme haben. Es gibt aber auch einige, die bisher relativ gut durch diese Krise gekommen sind, sodass wir nicht den anfangs befürchteten Rieseneinbruch hatten. Trotzdem sind wir an die zu erwartenden Einnahmen im nächsten Jahr sehr vorsichtig herangegangen.

Ein riesiges Investitionsvolumen, können Sie noch ruhig schlafen?

Es fällt manchmal schon schwer. Aber ich habe eine sehr gute Verwaltung, die absolut professionell arbeitet. Zum Teil auch am Limit, das muss man auch mal sagen. Es sind sehr viele Maßnahmen, wo auch mal ein kleineres Thema zurückgestellt werden muss. Aber das Team arbeitet sehr gut, und da fühle ich mich auch sehr sicher, dass wir das hinbekommen.

Der Haushalt 2021 mit 260.000 Euro plus steht. Spitz auf Knopf. Enthalten sind viele Ausgaben nach wie vor für Vereine und anderes. Wie ist das gelungen? In anderen Kommunen sieht es viel schlimmer aus.

Ich hatte mir auch schon 2020 zum Ziel gesetzt, als wir aufgrund von Corona sparen mussten, dass wir als erstes bei unseren Investitionen, den Bauvorhaben, sparen. Heißt, alles, was noch nicht begonnen wurde, wurde zurückgestellt, um laufende Maßnahmen abzusichern. Und, um auch nicht an den Vereinen zu sparen. Sie sind ein wichtiges Rückgrat in unserer Gemeinde. Und genauso gehen wir im nächsten Jahr ran. Man muss fairerweise sagen, dass wir unsere zwei letzten Grundstücke im Gewerbegebiet verkaufen konnten. Die gelten als zwei sichere Einnahmen. Ohne diese würde es nicht gehen.

Brandthema Abwassergebühren. Es birgt die Gefahr, dass die beiden Alt-Gemeinden mehr denn je gespalten werden. Wie wollen Sie dem entgegenwirken?

Es ist eine sehr schwere Sache. Sobald man mit unterschiedlichen Messlatten an eine Sache herangeht, fühlt man diese Spaltung. Es wird eine große Herausforderung für das Jahr 21, die beiden Bereiche wieder zusammen zu bringen. Im vergangenen Bericht hatte ich mich ja schon geäußert, dass ich einen Kompromiss zwischen beiden Alt-Bereichen erreichen möchte. Ohne ein gemeinsames aufeinander Zugehen wird es nicht funktionieren. Die neuen Berechnungen beginnen zum Jahresanfang. Diesen Prozess werden wir das ganze Jahr über noch zusätzlich haben.

Kommen wir zum positiven Thema Bau der Oberschule. Wie ist der Stand?

Wir sind im Zeitplan. Wir gehen davon aus, dass wir die Schule im Mai eröffnen können.

Die Oberschule wurde zweizügig ausgelegt. Wird sie zukünftig reichen?

Wir sind eine Zuzugsgemeinde aufgrund unserer guten Standortfaktoren. Das macht eine Planung auch sehr schwer. Aber es ist auch eine sehr starke Fluktuation. Familien mit Kindern ziehen her, aber auch weg. Ich weiß, dass die Anmeldezahlen für die Oberschule viel höher sind als die Kapazitäten. Die Schule hätte auch locker dreizügig gebaut werden können. Das Konzept des Trägers war eine kleine, kompakte Dorf-Oberschule. Inwieweit wir in Zukunft reagieren werden müssen, ist noch nicht absehbar.

Von den Jüngsten zu den Senioren. Es ist Ihnen eine Herzensangelegenheit, dass diese in der Gemeinde bleiben können. Das neuste geplante Projekt Generationswohnen in Weistropp dürfte Ihnen da sehr gefallen. Wie sieht es mit einer Seniorenresidenz aus?

Das Projekt in Weistropp passt in der Tat genau in dieses Konzept hinein. Ich führe regelmäßig mit potenziellen Investoren von Wohnbauprojekten Gespräche. Dabei ist es immer ein Thema, einen Teil der Wohnbauflächen auch altersgerecht zu gestalten, damit wir Angebote für Jung und Alt schaffen. Wir als Gemeinde können das nicht alleine umsetzen, wir sind auf die Investoren angewiesen. Bezüglich Seniorenresidenzen haben wir uns informiert, dass die Tendenz nicht zu Heimen, sondern zu offenen Wohnbauprojekten geht, wie es in Weinböhla jetzt passiert ist. Deshalb orientiere ich mich auf Mehrgenerationen-Projekte.

Mobilität spielt bei Senioren auch eine Rolle. Wie kann das gelöst werden?

Wir versuchen, zwei Themen voranzutreiben. Das erste ist ein Dorf-Car-Sharing, wo man sich anmelden kann, wenn man mitfahren möchte. Und Bürger können sich anbieten, jemanden mitzunehmen. Das zweite ist ein Bürgerbus. Da gab es schon erste Gespräche mit dem Landkreis. Ich kann mir vorstellen, ähnlich wie in Lommatzsch einen Bürgerbus zu etablieren. Der Landkreis würde uns unterstützen, mit den Bussen und der Ausbildung. Es müssten sich ehrenamtliche Fahrer finden. Erste Gespräche haben wir geführt und wollen das – das wäre mein Ziel – am Beispiel der Oberschule angehen, weil es dort auch ÖPNV-Probleme gibt. Wenn die Eltern dort mitspielen.

Gehen Sie mit Optimismus oder mit mehr Bedenken in das neue Jahr?

Teils, teils. Ich bin grundsätzlich ein Optimist. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse, die wir im nächsten Jahr hinbekommen. Allerdings, das Risiko und damit ungute Gefühl, ist noch da. Wir wissen immer noch nicht, wie es weitergeht. Ob wir gegebenenfalls noch härtere Corona-Maßnahmen umsetzen müssen.

Was hätte 2020 besser laufen können?

Die Kommunikation mit den Bürgern, geschuldet auch der Corona-Situation. Da müssen wir neue Wege gehen. Kleine Themen sind aufgrund der Vielzahl der Projekte manchmal in Vergessenheit geraten. Ich habe den Anspruch, dass man auch dafür Zeit hat.

Worüber sind Sie richtig froh?

Ich bin sehr zufrieden im Bereich Kitas. Dort hatten wir im vergangenen Jahr einige Probleme mit unserer Personalsituation. Wir konnten fast alle offenen Personalstellen besetzen. Was jetzt passiert, würde ich als normale Fluktuation bezeichnen. Wir haben auch eine ganz andere Kommunikation aufgebaut, wodurch wir jetzt wieder im normalen Fahrwasser sind.

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