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„Frostwein“ in der Flasche

Aufregung und Freude auf dem Hof eines kleinen Sekt- und Weingutes im Käbschütztal. Für die Besenwirtschaft ist alles vorbereitet.

Melissa Hohlfeld hat viel Spaß, leere Flaschen auf das Förderband zu stellen. Weil die Schule zu ist, kann sie auf dem Hof des Sekt- und Weingutes helfen.
Melissa Hohlfeld hat viel Spaß, leere Flaschen auf das Förderband zu stellen. Weil die Schule zu ist, kann sie auf dem Hof des Sekt- und Weingutes helfen. © Claudia Hübschmann

Käbschütztal/Nossen. Es ist elf Uhr vormittags. Schon von Weitem ist ein Klappern zu vernehmen. Auf dem Hof des kleinen Sekt- und Weingutes Cambium Compagnie im Käbschütztaler Ortsteil Mauna steht ein Wagen. Auf der einen Seite werden leere Flaschen händisch auf ein Förderband gestellt. Die kleine Melissa hilft mit großer Begeisterung eifrig mit. Wie von Zauberhand wandern die Flaschen dicht aneinander gedrängt durch das Innere des Wagens und dann fließt Flüssigkeit hinein. Rebensaft. Auf der weiteren Reise werden sie automatisch verschlossen. Zwei Frauen am anderen Ende des Wagens entnehmen die gefüllten Flaschen. Vorsichtig legen Mandy Hohlfeld und Christiane Klotz die zerbrechliche Ware in eine Kiste.

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Winzer Martin Biedermann, einer der beiden Geschäftsführer, ist ganz aufgeregt. Es ist jedes Mal ein Ereignis, „wenn der Wein in die Flaschen geht.“ Dabei hatte es der Wettergott anfangs gar nicht gut gemeint. Es regnete. Eine eigene Abfüllanlage ist für so ein kleines Weingut nicht finanzierbar und auch nicht rentabel. Deshalb kommt jedes Jahr ein mobiler Abfüllwagen, aufgebaut auf dem Hof, ohne Überdeckung. Am Abend zuvor war das kleine Wunderwerk angekommen. Sieben Uhr begann die Einrichtung. „Es dauert ungefähr zwei Stunden, bis die Anlage einsatzbereit ist“, sagt Biedermann. Dann der große Moment, „es war zwischen neun und halb zehn, als die erste Flasche vom Band kam“, erzählt Biedermann. Und zum Glück stimmten auch die Wetterprognosen, „es hörte auf, zu regnen.“

Die mobile Abfüllanlage.
Die mobile Abfüllanlage. © Claudia Hübschmann
Mandy Hohlfeld entnimmt die vollen Weinflaschen.
Mandy Hohlfeld entnimmt die vollen Weinflaschen. © Claudia Hübschmann
Geschäftsführer Martin Biedermann wechselt die Kiste.
Geschäftsführer Martin Biedermann wechselt die Kiste. © Claudia Hübschmann
Geschäftsführer Dirk Dobiéy stellt Flaschen auf das Band.
Geschäftsführer Dirk Dobiéy stellt Flaschen auf das Band. © Claudia Hübschmann

Insgesamt sechs Leute wuseln auf dem Hof umher. Zwei Stellen die Flaschen auf das Band. Sie müssen aufpassen, dass keine Lücke zwischen den Flaschen entsteht. Der zweite Geschäftsführer, Dirk Dobiéy aus Nossen, ist begeistert bei der Arbeit. „Ein bisschen wie Meditation“, meint er lachend. Insgesamt 8.500 Flaschen sind am heutigen Tag noch auf den Weg durch die Anlage zu schicken. Darunter 2.500 Flaschen, die mit der Ausbeute des Maunaer Weinberges befüllt werden. „2019 waren es doppelt so viele“, sagt Dobiéy. Aber die beiden Geschäftsführer sind froh, dass sie überhaupt auf dem kleinen Weinberg ernten konnten. Denn fast alle jungen Triebe waren im vorigen Jahr, trotz vieler kleiner Feuer, den Eisheiligen in einer unvergessenen Nacht zum Opfer gefallen. Nach der Verzweiflung folgte die Hoffnung. Die Beiaugen waren gekommen. Der Totalausfall abgewendet. Ende August vorigen Jahres hatte Biedermann dann mit einer Ausbeute von 50 Prozent gerechnet, „wenn alles gut läuft“, sagte er damals. Und – es ist gut gelaufen.

Tier des Jahres: der Rebenstecher

Gut läuft auch der goldene Saft an diesem Tag. Der Füllmeister hat die Maschine im Blick und Martin Biedermann behält den Überblick. Die Kiste mit den vollen Flaschen muss durch eine leere ausgetauscht werden. Biedermann fährt gekonnt mit dem Gabelstapler über den Hof. Alles muss schnell gehen. Der Zeitplan steht. 18 Uhr sollen alle Flaschen befüllt sein. Dann folgen noch zwei Stunden Nachbearbeitung.

Insgesamt werden fünf Sorten abgefüllt. Den 2020er Wein, Scheurebe und Rotling, vom Maunaer Berg nennen die Geschäftspartner liebevoll den Frostwein. Einen Blanc de Noir gibt es diesmal nicht. Dennoch, so sagt Dirk Dobiéy, sei der Rotling diesem vom Geschmack her ähnlich. „Als Hommage an den Frost“, wie Martin Biedermann erklärt, „haben wir die Verschlussfarben mit einem Metallicschimmer gewählt. Bronze für den Rotling und Silber für die Scheurebe. Erkennbar werden die 2020er Jahrgänge der Cambium Compagnie durch einen Anhänger mit dem Rebenstecher sein. Bei der Verkündung als gewähltes Tier des Jahres während einer online-Weinprobe durch Dobiéy sagte er, „auch der gehört in den Weinberg, auch wenn es ein Schädling ist.“

Einen Augenblick steht die Abfüllmaschine still. Martin Biedermann ruft, er müsse den Schlauch wechseln. Die Deckelfarbe wird ausgetauscht. Eine neue Weinsorte fließt.

Eigentlich, so der Plan, sollte am Samstag, 1. Mai, die Besenwirtschaft im Maunaer Weinberg starten – mit einer ersten Weinprobe des „Frostweins“. Es ist alles vorbereitet. Der Sand bestellt. Doch Corona macht wieder einen Strich durch die Rechnung. „Sobald wir dürfen, geht es los“, verspricht Dirk Dobiéy.

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