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Ganz teure Zigaretten

Ausgerechnet zu Silvester sind die Glimmstängel alle. Ein Riesaer macht sich auf den Weg, um neue zu kaufen. Mit dem Auto. Ein fataler Fehler.

Ein Riesaer holt Nachschub an Zigaretten, setzt sich ins Auto, baut einen Unfall. Das ist noch das kleinste Problem.
Ein Riesaer holt Nachschub an Zigaretten, setzt sich ins Auto, baut einen Unfall. Das ist noch das kleinste Problem. © dpa

Meißen/Riesa. Raucher haben es nicht leicht. Da sitzt man zu Silvester gemütlich beisammen, raucht, trinkt, und plötzlich stellt man entsetzt fest: Hilfe, die Glimmstängel sind alle. Um den Abend zu retten, macht sich am Silvesterabend vorigen Jahres gegen 18 Uhr ein 52-jähriger Riesaer auf, um Nachschub zu besorgen. Und setzt sich ins Auto. So oder ähnlich dürfte sich der Abend abgespielt haben. Ein fataler Fehler, der dafür sorgen dürfte, dass der Mann diesen Silvesterabend wohl nicht so schnell vergessen wird.

Wenige Meter von seiner Wohnung entfernt baut er nämlich einen Unfall. Keine große Sache, er rammt und beschädigt eine weiß-rote Leitbake. Der Schaden wird auf rund 100 Euro geschätzt. Obwohl er den Unfall bemerkt, fährt er einfach weiter. Wird schon niemand gesehen haben, denkt er sich wohl.

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Ein Zeuge ruft die Polizei

Ein Irrtum. Den Unfall hat ein Anwohner vom Fenster seiner Wohnung aus beobachtet. Und auch gesehen, dass der Unfallverursacher abhaut. Der Mann ruft die Polizei an, gibt das Kennzeichen des Fahrzeuges durch. Schnell ist die Polizei da. Doch der Mann ist nicht zu Hause anzutreffen, auch das Auto ist nicht da. Die Polizisten fahren an der Unfallstelle vorbei - und siehe da, jetzt ist auch der Verursacher hier. Möglicherweise war er Zigaretten holen an einer Tankstelle und auf dem Rückweg. Und vielleicht packte ihn das schlechte Gewissen.

Doch es ist zu spät. Was er machte, war eine klassische Unfallflucht, oder unerlaubtes Verlassen des Unfallortes, wie es korrekt im Juristendeutsch heißt. Doch das ist nicht alles. Die Polizisten riechen eine "Fahne", machen einen Atemalkoholtest. Der ergibt deutlich über zwei Promille. Jetzt geht es ab ins Krankenhaus zum Blutalkoholtest. Dort wird der Wert bestätigt: 2,28 Promille.

Es geht um die Fahrerlaubnis

Weil er nicht vorbestraft ist, es auch keine Eintragung im Fahreignungsregister gibt und die Sachlage klar ist, kommt es aber nicht zur Gerichtsverhandlung. Der Mann erhält einen Strafbefehl, also ein schriftliches Urteil ohne vorherige Verhandlung. Er wird wegen Trunkenheit im Verkehr und unerlaubten Verlassens des Unfallortes zu einer Gesamtgeldstrafe von 4.000 Euro verurteilt. Der Führerschein wird eingezogen, die Fahrerlaubnis entzogen. Die Führerscheinbehörde darf ihm nicht vor Ablauf von einem Jahr und zwei Monaten eine neue Fahrerlaubnis erteilen.

Obwohl der Mann die Taten einräumt und auch die Geldstrafe akzeptiert, geht er in Einspruch gegen den Strafbefehl. Wie meist in solchen Fällen geht es um den Fahrerlaubnisentzug. Nun kommt es doch noch zur Verhandlung. Sein Verteidiger will den Fahrerlaubnisentzug verkürzen, indem sein Mandant an Verkehrsschulungen teilnimmt. Das ist ihm aber wegen Corona nicht gelungen.

Der Führerschein des Mannes ist seit drei Monaten in amtlicher Verwahrung. Die Staatsanwältin bietet an, einer Abänderung des Urteils insofern zuzustimmen, dass die Behörde die Fahrerlaubnis schon nach elf Monaten wieder erteilen kann, die drei Monate, die schon vergangen sind, werden also eingerechnet. Das wäre sowieso der Fall gewesen, das Urteil wird aber dadurch etwas "freundlicher".

Verteidiger und Angeklagter willigen ein, der Richter urteilt dann auch so, es bleibt auch bei der Geldstrafe von 4.000 Euro. Zusätzlich fällt nun eine Urteilsgebühr von 70 Euro an. Das waren letztlich ganz teure Zigaretten.

Automatisch bekommt er die Fahrerlaubnis aber nicht zurück. Zunächst muss er sich einer medizinisch-psychologischen Untersuchung - im Volksmund "Idiotentest" genannt - unterziehen. Da der Mann offensichtlich kein Alkohol-Problem hat, sondern wohl nur zu Silvester trank, dürfte er gute Chancen haben, diese Untersuchung zu bestehen.

Übrigens: Erst nach der Verhandlung stellt sich heraus, dass das Amtsgericht Meißen für das Verfahren gar nicht zuständig war. Im Strafbefehl steht zwar Meißen als Unfallort, aber das ist falsch. Denn es war in Riesa auf einer Straße gleichen beziehungsweise ähnlichen Namens. Normalerweise wäre so das Amtsgericht Riesa zuständig gewesen.

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