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Mutmaßliche Brandstifter von Wölkisch gefasst

Mitte Dezember war der Gasthof "Herr Gevatter" ausgebrannt. Nun hat die Polizei drei Tatverdächtige festgenommen.

Der Dachstuhl des Gasthofs "Herr Gevatter" in Wölkisch ist am 12. Dezember 2020 komplett abgebrannt.
Der Dachstuhl des Gasthofs "Herr Gevatter" in Wölkisch ist am 12. Dezember 2020 komplett abgebrannt. © Ingo Nestler

Diera-Zehren/Dresden. Die Arbeit der Brandermittler hat einige Zeit gedauert, doch letztlich war sie erfolgreich. Der Brand, der sich am 12. Dezember vorigen Jahres in Wölkisch ereignete und bei dem der traditionsreiche Gasthof „Herr Gevatter“ zu großen Teilen niederbrannte, ist offenbar aufgeklärt. Es war vorsätzliche Brandstiftung.

Es konnten drei Tatverdächtige ermittelt werden. Dabei handelte es sich um einen 34-jährigen Deutschen, einen 46-jährigen slowakischen Staatsbürger und einen 31-jährigen Mann, der aus Russland stammt. Alle wohnen im Bereich Torgau.

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Bei den Befragungen der Polizei hatten Bewohner von Wölkisch angegeben, dass sich am Brandtag mehrere Personen, die nicht aus Wölkisch stammten, für längere Zeit in dem Ort aufhielten. Nach bisherigen Erkenntnissen brachen an jenem 12. Dezember mindestens drei Tatverdächtige in den ehemaligen Gasthof an der Zehrener Straße ein und stahlen unter anderem einen Kerzenständer und eine DRK-Tasche.

Am gleichen Abend entfachten sie auf dem Dachboden ein Feuer, offenbar um die eigentliche Straftat zu vertuschen und Spuren zu vernichten. Der Brand zerstörte den gesamten Dachstuhl, Personen wurden nicht verletzt. Es entstand ein Schaden in Höhe von 100.000 Euro. Kriminaltechniker untersuchten das Gebäude und konnten trotz der erheblichen Beschädigungen Spuren sichern, die erste Hinweise auf die Tatverdächtigen gaben.

Gestohlene Gegenstände gefunden

Darauf basierende Ermittlungen erhärteten den Tatverdacht gegen drei Männer, sodass das Amtsgericht Dresden mehrere Durchsuchungen im Bereich Torgau anordnete. Dabei konnten Beamte zahlreiche Beweismittel sicherstellen, unter anderem die gestohlenen Gegenstände. Die Tatverdächtigen befinden sich auf freiem Fuß, es wurden vom Amtsgericht keine Haftbefehle erlassen, teilt die Polizeidirektion Dresden auf Nachfrage mit.

Brandstiftung gilt als Verbrechen. Reichen die Beweise aus für einen hinreichenden Tatverdacht, werden die drei Männer angeklagt. Im Falle einer Verurteilung drohen ihnen Freiheitsstrafen zwischen einem und zehn Jahren, in minderschweren Fällen von sechs Monaten bis zu fünf Jahren.

Napoleon übernachtete hier

Seinen Namen verdankt der Gasthof Napoleon. Der französische Kaiser übernachtete hier am 10. September 1812. Die Frau des damaligen Besitzers war hochschwanger und gebar in dieser Nacht ein Kind. Napoleon wurde von dem Ehepaar gebeten, die Patenschaft für das Kind zu übernehmen. Der Kaiser sagte zu und wurde der Taufpate, der Gevatter, des Kindes. Gevatter ist die altertümliche Bezeichnung für Pate. Allerdings nächtigte Napoleon nicht in dem jetzt abgebrannten Gebäude, sondern im Vorgängerbau auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Auch dieses brannte später ab.

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Der Gasthof war seit 1. Januar 2014 geschlossen. Die Eigentümerin aus Wölkisch verkaufte ihn 2015 an eine Künstlergruppe aus Italien, die dort ein Kunsthaus einrichten wollte. Die Pläne scheiterten, der Gasthof stand erneut zum Verkauf. Zuletzt gab es nicht mal mehr einen Stromanschluss. Ein technischer Defekt konnte deshalb als Brandursache ausgeschlossen werden.

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