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„Muss meine Sichtweise hinten anstellen“

Nossens Bürgermeister Christian Bartusch (SPD) wurde voriges Jahr mit knapper Mehrheit gewählt. Er spricht über Arbeitspensum, Probleme und Pläne.

Der Schreibtisch ist voll: Christian Bartusch ist seit Dezember vorigen Jahres der neue Bürgermeister in Nossen.
Der Schreibtisch ist voll: Christian Bartusch ist seit Dezember vorigen Jahres der neue Bürgermeister in Nossen. © Uta Büttner

Herr Bartusch, mehr als ein halbes Jahr sind Sie nun im Amt. In Nossen gibt es einige große Probleme. Stichwörter: Gewerbegebiet Süd, Schaumaplast, Haushaltslage. Wie haben Sie sich eingearbeitet und gab es eventuell Überraschungen?

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Ich habe ja das Glück, als Verwaltungswirt einen groben Überblick in dieser Tätigkeit zu haben. Das hat mir sehr geholfen. Es ist nichts auf meinem Tisch gelandet, was ich nicht einordnen konnte. Außerdem war ich ja auch eineinhalb Jahre im Stadtrat. Es sind nach wie vor die großen Themen. Ich habe ein bisschen Zeit gebraucht, um mich an die Größe der Verwaltung zu gewöhnen.

An die Größe? Sie arbeiteten zuvor doch in der Verwaltung in Zwickau, die ist sicher viel größer?

(Lacht.) Da habe ich mich wohl falsch ausgedrückt. Ich sollte eher sagen: an die Kleinheit.

Was meinen Sie damit? Ist es dann nicht einfacher? Wie viel Mitarbeiter haben Sie?

Rund 40 in der Verwaltung. Es gibt für jedes Thema nur einen Mitarbeiter. Auch die Aufgabengebiete pro Mitarbeiter sind breiter. Wenn jemand ausfällt, bleibt die Arbeit liegen. Ich musste die Lehre ziehen, jeder Mitarbeiter ist unersetzbar. Zum Beispiel war kürzlich der Bürgerservice deshalb schwer erreichbar.

Jetzt war eine Weile Ruhe um das Gewerbegebiet und Schaumaplast. Beide Themen erhitzen nun wieder die Gemüter. Welche wichtigen Themen beschäftigen Sie derzeit außerdem?

Wir sind mittendrin in der Haushaltsplanung. Es ist nicht mehr Geld im Vergleich zu vorigem Jahr geworden. Und die Kosten steigen weiter, was auch logisch ist. Die Tariflöhne steigen, die Sach- und Baukosten. Ich weiß nicht, wo das Ende der Fahnenstange ist.

Bei all den vielen Themen: Wie sehen Ihre Arbeitszeiten aus?

Um 8 Uhr fange ich zu Hause an. Die Zeit nehme ich mir, da habe ich eine Stunde Ruhe, um zu arbeiten. 9 Uhr bin ich dann im Büro, bis circa 21 oder 22 Uhr. Manchmal gehe ich aber auch eher. Man muss irgendwann auch abbrechen.

Wie sehen Ihre unmittelbaren Ziele aus?

Es soll auf Dauer nicht so viel liegen bleiben, wie es jetzt leider aufgrund von Corona war. Vieles war nicht möglich, wie zum Beispiel Bürgerversammlungen. Auch die Geburtstagsbesuche der Senioren will ich wieder machen und mich auf Veranstaltungen zeigen, die jetzt kommen, um ansprechbar zu sein. Ich will von den alten Themen wegkommen und mich verstärkt in meine eigenen stürzen.

Welche neuen Themen sollen das sein?

Zum Beispiel finanzielle Mittel für ein neues Wohngebiet in Nossen und ein weiteres Gewerbegebiet in den Haushaltsplan einarbeiten. Und kürzlich hatte ich einen Termin mit dem Tourismusverband Elbland. Das Thema Naherholung und Tourismus war auch liegen geblieben. Nossen liegt zwar irgendwie im Herzen Sachsens, aber auch irgendwie am Rand zum Erzgebirge und Elbland. Hier sehe ich große Potenziale, die unsere Stadt noch nicht ausnutzt. Es zeigte sich schnell, dass der Tourismusverband dies ähnlich einschätzt.

Die Stadt als Eigentümer schließt nun unter Ihrer Führung die Badperle. Wirft das nicht ein schlechtes Licht auf Sie: so kurz im Amt und dann wird den Nossenern ein beliebtes Freizeitlokal genommen?

Das Haushaltsproblem gibt es nicht zwingend wegen Corona. Es ist ein strukturelles Problem. Es wurde viel investiert, was auch gut ist, aber es wurden damit Folgekosten generiert.

Wie wollen Sie das lösen?

Wir werden an den verschiedensten Stellen sparen müssen, effizienter werden und sicherlich auch Aufgaben auf den Prüfstand stellen müssen. Ich sage es mal so: Es ist herausfordernd.

Herausfordernd ist ein guter Stichpunkt. Um noch einmal auf das Gewerbegebiet zu kommen: Es wurde wieder nicht genehmigt. Sie waren schon als Bürgermeister-Kandidat gegen die Sondereinzelhandelsfläche, weil Ihrer Meinung nach nicht genehmigungsfähig. Wie soll es nun weitergehen? Welche Möglichkeiten hat die Stadt noch?

Wir haben die Wahl zwischen einem neuen Widerspruchsverfahren mit überschaubaren Kosten, oder wir geben de facto sofort auf und versenken damit die Planungskosten.

Sie müssen teils Entscheidungen treffen, die nicht im Einklang mit Ihrer persönlichen Meinung sind. Wie schwer fällt Ihnen das?

Es geht immer um das städtische Interesse, das Allgemeinwohl. Da muss ich eigene politische Sichtweisen hinten anstellen. Das fällt mir mal leichter und mal schwerer.

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