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"Ich wollte allen zeigen, dass ich es kann"

Acht Lehrlinge aus dem Landkreis freuen sich über den Ausbildungspreis. Zu Besuch bei Lisa Peuckert - der besten Bäckereifachverkäuferin.

Lisa Peuckert ist die beste Bäckereifachverkäuferin im Landkreis Meißen und die einzige Frau unter den besten Auszubildenden ihres Jahrgangs. Sie hat sowohl in der theoretischen als auch in der praktischen Prüfung mit 1,0 bestanden.
Lisa Peuckert ist die beste Bäckereifachverkäuferin im Landkreis Meißen und die einzige Frau unter den besten Auszubildenden ihres Jahrgangs. Sie hat sowohl in der theoretischen als auch in der praktischen Prüfung mit 1,0 bestanden. © Claudia Hübschmann

Von Beate Erler

Meißen. Wenn bei Lisa Peuckert der Wecker klingelt, ist es 4 Uhr morgens. Bereits eine halbe Stunde später macht sie in der Bäckerei und Konditorei Brade auf der Fabrikstraße in Meißen das Licht an. Zeit für einen schnellen Kaffee zu Hause bleibt da nicht. Obwohl sie nur wenige Straßen weiter wohnt, schafft sie den ersten Muntermacher des Tages erst, wenn sie auf Arbeit angekommen ist.

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Kurze Zeit später fährt schon der Lieferant vor und bringt die frischen Brötchen und Brote für den bevorstehenden Tag. Lisa hilft ihm beim Ausladen und hat dann alle Hände voll zu tun. Die ersten hungrigen Kunden trudeln schon um 6 Uhr ein. Bis dahin muss sie die Ware in die Auslage geschmackvoll einsortiert und die Teiglinge für die Käsebrötchen im Ofen gebacken haben: „Ich mag es, wenn dann alles nach frischen, warmen Brötchen duftet, und ich freue mich auf die ersten Kunden“, sagt sie.

Erst vor wenigen Wochen hat die 23-jährige Meißnerin ihre dreijährige Ausbildung zur Fachverkäuferin Bäckerei abgeschlossen. Im September bekam sie dann Post von der Handwerkskammer, in der stand, dass sie den besten Abschluss gemacht hat. Damit ist sie die beste Bäckereifachverkäuferin im Landkreis Meißen. Darauf ist sie sichtlich stolz: „Ich habe mir richtig Mühe gegeben, weil ich allen beweisen wollte, dass ich es kann“, sagt Lisa.

Die ersten Kunden, die das Bäckereigeschäft im Edeka-Markt betreten, sind wie Lisa Nachteulen. Meistens sind es Polizisten und Krankenhauspersonal, die ihre Nachtschicht gerade beendet haben, oder Bauarbeiter, die ihre Schicht beginnen. Die quirlige Meißnerin mag es am liebsten, wenn sie mit den Kunden ins Gespräch kommen und sie beraten kann: „Kommunikation ist eine meiner Stärken“, sagt sie, „und es macht einfach mehr Spaß, als wenn die Leute nur schnell bestellen und wieder gehen.“

Anfang September wurden die 53 Gesellen der Kreishandwerkerschaft Meißen freigesprochen. Mit der Freisprechung beenden sie ihre Ausbildungszeit in ihrem Handwerksberuf und erhalten ihren Gesellenbrief. Insgesamt acht von ihnen bekommen in diesem Jahr den Ausbildungspreis, der seit 18 Jahren von der Kreishandwerkerschaft für sehr gute Leistungen verliehen wird.

Dafür müssen die Auszubildenden in Theorie und Praxis einen Notendurchschnitt von 1,9 oder besser vorweisen. Vor zwei Jahren haben das nur zwei geschafft. Die diesjährigen Preisträger gehören unter anderem den Gewerken Metallbauer, Zimmerer, Fleischer und eben Fachverkäuferin an. Lisa ist die einzige Frau unter den besten Auszubildenden ihres Jahrgangs und hat sowohl in der theoretischen als auch in der praktischen Prüfung mit 1,0 bestanden.

Vor allem an die Praxisprüfung erinnert sie sich noch sehr gut: „Ich hatte mich lange vorbereitet, aber ich war trotzdem nervös.“ Kein Wunder, denn schließlich waren an dem Tag zwei ihrer Lehrer und vier Bäckermeister dabei, die ihr über die Schulter schauten. Zum Thema Natur musste Lisa einen großen Tisch gestalten, mit zittrigen Händen eine Torte schneiden, einen Frühstücksteller anrichten und Pralinen verpacken.

Im zweiten Teil konnte sie dann beweisen, dass sie eine wirklich gute Fachverkäuferin ist: Wie bei einem echten Verkaufsgespräch musste sie die Inhaltsstoffe aller Brote, Brötchen, Kuchen und Torten kennen. Bei der prall gefüllten Auslage der Bäckerei Brade kommt da schon einiges zusammen.

Insgesamt vier Fachverkäufer hat die Familienbäckerei mit Sitz in Riesa von 2017 bis 2020 ausgebildet. Drei von ihnen haben den Abschluss geschafft und wurden auch übernommen. Dem Inhaber von 18 Fachgeschäften im Landkreis, Matthias Brade, sind gut ausgebildete Mitarbeiter wichtig: „Wir haben noch Verkäuferinnen, die Kunden bedienen, und darauf legen wir auch großen Wert“, sagt er. So kennt es auch Lisa, die in Sörnewitz aufgewachsen ist, wo es immer einen Dorfbäcker gab: „Da bin ich oft mit meiner Oma hin und durfte mir etwas aussuchen“, erinnert sie sich.

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Allerdings weiß sie auch, dass ihr Beruf von vielen jungen Menschen nicht mehr wertgeschätzt wird: „Ich habe hier schon oft gehört, dass Jugendliche die Arbeit nicht machen wollen, weil sie zu anstrengend und nicht so gut bezahlt ist“, sagt sie. Auch der Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks beklagt seit 2009 eine stetige Abnahme an Lehrlingen. Lisa möchte später trotzdem gern den Ausbilderschein machen und selbst die Bäckereifachverkäufer von morgen ausbilden.

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