merken
PLUS Meißen

Käbschütztal verbietet Feuerwehrdienste

Es gibt weiterhin sehr viele Corona-Infizierte. Eine Ärztin sieht die Gemeinde stigmatisiert.

Wird die Gemeinde Käbschütztal wegen ihrer hohen Infektionszahlen stigmatisiert?
Wird die Gemeinde Käbschütztal wegen ihrer hohen Infektionszahlen stigmatisiert? ©  Archivfoto: Claudia Hübschmann

Käbschütztal. Die Zahl der aktiv mit dem Coronavirus Infizierten ist in der Gemeinde über das Wochenende zurückgegangen. Es gibt dort mit Stand vom Montag 93 Infizierte. Am Freitag waren es noch 102 gewesen. 121 Personen haben inzwischen ihre Quarantäne beendet. Allerdings gibt es zwei neue Sterbefälle. Insgesamt sind in Käbschütztal jetzt acht Personen an oder im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. Nach den Städten hat die Gemeinde nach wie vor die höchste Anzahl an Infizierten im Landkreis Meißen und auch in ganz Sachsen. Mit einem Inzidenzwert von 2.922 war Käbschütztal deshalb in der vergangenen Woche deutschlandweit in die Schlagzeilen geraten.

Wie der hohe Wert zustande kommt, ist nach wie vor unklar. Um das Ansteckungsrisiko zu mindern, hat Bürgermeister Uwe Klingor (CDU) auch sämtliche Feuerwehrdienste verboten, allerdings lange, bevor es zu den hohen Werten kam. "Unsere Feuerwehrkameraden haben alle eine gute Ausbildung. Um der Gesundheit willen, müssen sie jetzt mal darauf verzichten, Technik zu warten und zu üben", sagt er. Auch die Vereinsarbeit liegt am Boden, alle Vereinshäuser sind schon seit einiger Zeit geschlossen.

StadtApotheken Dresden
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da
Die Stadt Apotheken Dresden sind für Sie da

Die Stadt Apotheken Dresden unterstützen Sie bei einer gesunden Lebensweise und stehen Ihnen sowohl mit präventiven als auch mit therapeutischen Maßnahmen, Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten zur Seite.

Inzidenzwert nicht aussagekräftig?

"Um die Frage zu beantworten, warum die Coronazahlen in einzelnen Orten hoch sind, braucht es viele Daten und längere Beobachtungszeiträume. Beides ist im Moment nicht verfügbar", sagt die Krögiser Hausärztin Dr. Helga Hector. Mit Sicherheit habe es nichts damit zu tun, dass sich ältere Personen häufiger testen ließen. "Für die Testung gibt es vom Robert-Koch-Institut vorgegebene Kriterien. Alter gehört nicht dazu", so die Ärztin. Sie hat in diesen Tagen und Wochen mehr Patienten als sonst. "Wir bestellen unsere Patienten nacheinander und sind bemüht, dass nicht mehr als drei Patienten im Wartezimmer sitzen, und keiner länger als zehn Minuten warten muss", betont sie und beklagt die "tagelange Stigmatisierung von Gemeinden als Hotspots in den Medien."

Je kleiner die Einwohnerzahl sei, umso weniger aussagekräftig sei der Inzidenzwert auf 100.000 Einwohner, meint die Ärztin. Also alles nur ein Problem der Rechenmethode? Eine Antwort darauf, warum es in Käbschütztal so viele Infizierte gibt, hat die Krögiser Ärztin auch nicht.

Sonntags keine Auswertung

Weiterführende Artikel

Nachverfolgung soll schneller werden

Nachverfolgung soll schneller werden

Das Gesundheitsamt Meißen stockt Personal auf, setzt aber auch auf eine bessere Mitarbeit der Bevölkerung. In der SZ gibt die Behörde einen aktuellen Stand.

Rätselraten um hohe Infektionszahlen

Rätselraten um hohe Infektionszahlen

Die Gemeinde Käbschütztal hat mit 2.911 den höchsten Inzidenzwert in Sachsen. Wie kann das sein?

Fakt ist jedenfalls: Alles, was derzeit verboten und geschlossen ist, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, gibt es in Käbschütztal gar nicht. Ob die Zahl der Infizierten über das Wochenende tatsächlich leicht gesunken ist, darf bezweifelt werden. Das Gesundheitsamt des Landkreises Meißen räumt auf seiner Homepage selbst ein: Da sonntags und an Feiertagen keine Tests in den Laboren ausgewertet werden, ist am Folgetag mit einer im Verhältnis zur Gesamtentwicklung gesehen geringeren Zahl an ermittelten Neuinfizierten zu rechnen."

Mehr zum Thema Meißen