merken
PLUS Meißen

Kunst verkaufen ist schwierig

Franziska Kunath organsiert seit Jahren eine Winterausstellung auf ihrem Hof. Auch in diesem Jahr. Corona bremst sie kurz vorm Ziel aus.

Die Winterausstellung mit etwa 100 Bildern hat Franziska Kunath auf ihrem Hof in Röhrsdorf mit viel Engagement organisiert. Sie hofft trotz der schweren Bedingungen auf Interesse.
Die Winterausstellung mit etwa 100 Bildern hat Franziska Kunath auf ihrem Hof in Röhrsdorf mit viel Engagement organisiert. Sie hofft trotz der schweren Bedingungen auf Interesse. © Claudia Hübschmann

Klipphausen. Eine Winterausstellung im Künstlerhof Röhrsdorf. Wer den Hof noch nicht kennt, kann schnell einmal an dem kleinen Feldweg vorbeifahren, der von der Hauptstraße zum Vierseithof führt. Funktioniert so etwas auf einem Dorf? Abgelegen, unbekannt? Ja. Und zwar immer besser. In der Kunstszene hat sich der Künstlerhof von Franziska Kunath in der Pinkowitzer Straße 10 schon längst herumgesprochen. Denn die 56-Jährige malt auf dem ehemaligen Bauernhof nicht nur hinter verschlossenen Türen – sie teilt ihre Schaffenskraft mit anderen Künstlern und öffnet ihren Hof zu einer Begegnungsstätte. „Künstler arbeiten sehr oft isoliert. Es muss Orte zum Austausch geben“, sagt die gebürtige Dresdnerin. Sie ist froh, mit dem Vierseithof die Möglichkeit zu bieten.

Seit 2015, immer im Sommer, lädt Franziska Kunath die Künstler ein, zu „Pleinairs“: Gemeinsam malen sie dann unter freiem Himmel. „Es ist immer eine intensive Zeit mit guten Kontakten. Das Netzwerk vergrößert sich immer mehr.“ Auch in diesem Jahr sind ihr Zusammenkünfte gelungen, natürlich unter Beachtung der Hygieneregeln, sagt sie. Großen Aufwand hat sie dafür betrieben. Und die Kunstschaffenden danken es ihr, wie Schriftsteller Thomas Gerlach meint: „Schließlich sind es Franziskas unerschütterlicher Optimismus, der die Menschen bewegt, hier heraus aufs Land zu reisen – hin und wieder fährt sogar ein Bus – und ihre nicht enden wollende Hoffnung. Künstler leben von Hoffnung. Und manchmal ist Hoffnung das Einzige, wovon sie leben.“

TOP Deals
TOP Deals
TOP Deals

Die besten Angebote und Rabatte von Händlern aus unserer Region – ganz egal ob Möbel, Technik oder Sportbedarf – schnell sein und sparen!

Auch in diesem Winter sind die Werke unterschiedlichster Art in einer Ausstellung zu besichtigen – und zu erwerben. So der Plan. Alles ist vorbereitet, die Bilder hängen. 28 Künstlerinnen und Künstler haben sich beteiligt. Unter ihnen auch Max Uhlig. Franziska Kunath war seine Meisterschülerin an der Dresdner Kunst-Hochschule. Viele Veranstaltungen – Konzerte und Lesungen – waren organisiert. „Einen Tag bevor die Nachricht vom Lockdown kam, waren die Informationsflyer fertig“, sagt die Malerin traurig. Denn eines ist klar, allein von der Hoffnung können Künstler dann doch nicht leben. So ist sie froh und dankbar, dass sie eine Förderung der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen bekommen hat. Und natürlich freut sie sich über jeden Besuch in der Winterausstellung, sofern es die aktuellen Hygieneregeln zulassen, sagt sie.

"Unsere Arbeit ist ernsthafte Tätigkeit"

Auch von Franziska Kunath sind Bilder dort zu bewundern. Als Techniken bevorzugt sie Pinselzeichnungen mit Tusche und Ölbilder. Am meisten malt sie Natur und Landschaft. Davon lässt sie sich inspirieren. Nicht von ungefähr hat es die Städterin aufs Land gezogen. „Ich bin froh, dass ich diesen Hof hier gefunden habe.“ Auch wenn die Bewirtschaftung der alten Gebäude, einschließlich einer riesigen Scheune, in deren Dachgeschoss sich ihr Atelier befindet, nicht einfach ist. „Ich lebe hier einfacher und beschwerlicher. Man ist jeden Tag gefordert.“ Tatsächlich, an jeder Ecke ist Arbeit. Öfen heizen, Holz hacken, Reparaturen ausführen. „Die Räume sind nicht perfekt“, sagt sie. Aber genau so ein Leben liebt Franziska Kunath, genau so hat sie es gewollt. Und schließlich haben die Gebäude auch 15 Jahre leer gestanden, bevor sie den Hof 2008 erwarb.

Kunst zu verkaufen, ist schwierig. Die Künstlertreffen sollen helfen, „dass unsere Arbeit mehr wahrgenommen und als ernsthafte Tätigkeit gesehen wird“. In vielen Gesprächen, die während der Winterausstellungen in den vergangenen Jahren geführt wurden, sei dies auch schon gelungen.

Etwa 100 Bilder hängen derzeit in der Ausstellung. Auf eine Mischung mit Kunsthandwerkerarbeiten verzichtet sie bewusst. „Das gibt es schon in großer Menge an verschiedenen anderen Orten.“ Über Online-Veranstaltungen hatte Franziska Kunath coronabedingt kurz einmal nachgedacht. Konzerte zum Beispiel aufzeichnen. „Doch das ist kein richtiger Kunstgenuss“, sagt sie. „Es wäre nur eine eingeschränkte Wahrnehmung. Das möchte ich nicht.“ Und in der Tat: Der Klang in den alten Gemäuern, das wärmende Prasseln des Feuers im Ofen, der Blick auf die Bilder ringsherum, versunken mit allen Sinnen – all das ist nur in der realen Welt möglich. Zumindest noch.

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen und Umgebung lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Meißen