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Die Gemachtheit menschlicher Identitäten

In den Räumen des Kunstvereins präsentieren zwei Künstlerinnen aus Dresden einen Dialog ihrer Werke.

Ainara Torrano (l.) und Ursula Buchart präsentieren bis zum 21. November ihre Werke im Kunstverein in der Burgstraße 2.
Ainara Torrano (l.) und Ursula Buchart präsentieren bis zum 21. November ihre Werke im Kunstverein in der Burgstraße 2. © Claudia Hübschmann

Meißen. Das  Biedermeier-Sofa passt. Zu den Bildern, die derzeit in den Räumen des Kunstvereins in der Burgstraße zu sehen sind. Bilder, die Fotos gleichen, und Motive aus Mode oder Comic zeigen Schönes – auf den ersten Blick viel zu Schönes. Die glatten Gesichter, die schön anmutenden Figuren  wirken "übersüß", so dass sie ins Groteske zu kippen drohen. So beschreibt  Ainara Torrano die Bilder. Gemeinsam mit Ursula Buchart stellt die aus Spanien stammende Künstlerin aktuelle Werke in Meißen aus.

Kennenglernt haben sich die beiden Frauen, die derzeit in Dresden leben und arbeiten, über eine Kuratorin. Für die Ausstellung in Meißen haben sie einen gemeinsamen Nenner gefunden: Die süße Nachgiebigkeit. Dabei geht es ihnen vor allem um die Auseinandersetzung mit der Kindheit – um Einflüsse von außen ebenso, wie um das Hinterfragen von Normen.  

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Die übersüßlich wirkenden Bilder können auch als eine Überhöhung des Kitsches aufgefasst werden, sagt Ursula Buchart. Sie machen so auch die Haltung, der aus München stammende Künstlerin, die an der Akademie der bildenden Künste in Wien studiert hat, deutlich. Sie nennt das Porträt als hauptsächliche Darstellungsform ihrer Kunstwerke. 

"Neben der Zeichnung und Lithographie ist es vor allem die Malerei, in der sie ihren Ausdruck findet. Motive aus den Bereichen Mode oder Comic, Versatzstücke aus alltäglichen Gebrauchsgegenständen und Genussmitteln lösen sich in abstrakten Farbflächen auf. Natürliche Dinge und Porträts werden künstlich überhöht, stark stilisiert und zeigen gleichzeitig einen zugespitzten Blick auf die Gemachtheit menschlicher Identitäten zwischen lustvollem Agieren und Fetischisieren", heißt es im Begleittext des Kunstvereins Meißen zur neuen Ausstellung "Sweet Indulgent Fluid".

Ainara Torrano hat Malerei an der Real Academia des Bellas Artes des San Carlos Valencia sowie an der Hochschule der Bildenden Künste Braunschweig studiert. Ihre fast fotorealistischen Bilder in Öl auf Leinwand wirken still und bedacht. "Dabei zeigt die Künstlerin nichts primär Kindliches, sondern etwas ganz Menschliches. Ainara Torrano spielt mit unseren Gedanken und Assoziationen, lässt uns allein und stößt Denkprozesse an", so der Kunstverein.

Neben großformatigen Bildern haben beide Künstlerinnen auch kleinere Gemälde für ihre gemeinsame Ausstellung in Meißen ausgewählt. Als eine Art Collage haben sie diese über dem Biedermeier-Sofa aufgehängt. Einen ganzen Tag hätten sie gebraucht, um die richtige Platzierung jedes einzelnen Bildes zu finden, berichtet Ursula Buchart. Neben dem Sofa haben beide noch ein Tischchen mit Nippes aus Porzellan aufgestellt. Auch dieses Detail soll die angestrebte Überhöhung des Kitsches für den Betrachter anschaulich werden lassen.

Die Collagenwand ist wie einige der Bilder an den Wänden auch durch das Schaufenster von der Burgstraße aus zu erkennen. Das ist ein kleiner Trost für die Ausstellerinnen ebenso wie potenzielle Besucher, falls auch die Räume des Kunstvereins unter die neuen Vorsichtsmaßnahmen zur Pandemie-Eindämmung fallen sollten. Das für den 14. November angesetzte Künstlerinnengespräch musste bereits abgesagt werden. (SZ/da) 

www.kunstverein-meissen.de

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