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Wenn der Fuchs bis auf die Terrasse kommt

Immer wieder werden im Landkreis Meißen Füchse in der Stadt gesehen. Einige Anwohner fragen sich: Ist das normal, dass ein Wildtier einfach durch den Ort läuft?

Zwischen Schubkarre und Fußball: Dieses Bild bekam Sächsische.de von einem Anwohner aus Radebeul zugeschickt.
Zwischen Schubkarre und Fußball: Dieses Bild bekam Sächsische.de von einem Anwohner aus Radebeul zugeschickt. © privat

Vor einigen Tagen sorgte ein Foto von einem Fuchs auf den Bahngleisen der Lößnitzgrundbahn in Radebeul für viel Gesprächsstoff in der Facebookgruppe „Radebeul - die schönste Stadt der Welt“. Über 60 Kommentare finden sich unter dem Post und fast alle sind sich einig, dass der Fuchs inzwischen fest zu Radebeul gehört: Im Siedlungsbereich findet er ein üppiges Nahrungsangebot, der Fuchs kommt sogar bis auf die Terrasse, er wurde schon in Kötitz, an der Niederwarthaer Brücke und sowohl in Radebeul Ost als auch in West gesehen, schreiben die Radebeuler. Der American Football-Club heißt sogar „Suburbian Foxes Radebeul“, weil beim Training häufiger ein Fuchs im Lößnitzstadion auftauchte.

Der Fuchs scheint keine Berührungsängste zu kennen.
Der Fuchs scheint keine Berührungsängste zu kennen. © privat

Laut dem Deutschen Jagdverband (DJV) ist der Fuchs fast flächendeckend in Deutschland verbreitet, inzwischen auch in Siedlungsgebieten. Eine Gefahr gehe von den Tieren nicht aus, aber man solle sie dennoch auf Abstand halten und nicht füttern oder anfassen. Der Rotfuchs ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Füchse und in Europa der häufigste Wildhund. Die ersten Stadtfüchse wurden in den 1930er Jahren in Londoner Vororten gesichtet: „Heute sind sie in der Stadt kein Phänomen mehr“, sagt die Pressesprecherin des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, Karin Bernhardt, „der Fuchs ist überall dort, wo er Unterschlupf und Nahrung findet.“ Über die Anzahl der Füchse in der Stadt wisse sie nicht Bescheid, da kein Monitoring gemacht wird, wie beispielsweise beim seltenen Goldschakal.

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Eine unschöne Begegnung mit einem Fuchs hatte die Radebeulerin Franziska Wolf-Berger Anfang des Jahres: In einer sehr kalten Februarwoche kam einer auf die Terrasse ihrer Wohnung auf der Bernhard-Voß-Straße: „Ich züchte Kaninchen und auf die hatte er es abgesehen“, sagt sie. Auch nachdem sie das Tier verjagt hatte, kam es kurze Zeit später wieder: „Er wäre sogar in die Wohnung gekommen und wir haben ihn dann mit einem Besen und lautem Gebrüll vertrieben“, sagt Franziska Wolf-Berger. Erst danach sehen sie und ihr Freund, dass der Fuchs den Hasenstall aufgebrochen und ein Kaninchen noch auf der Terrasse gefressen hatte.

Ein Fuchs hat sich am Hasenstall einer Radebeulerin zu schaffen gemacht.
Ein Fuchs hat sich am Hasenstall einer Radebeulerin zu schaffen gemacht. © privat

Auch die Eltern ihres Freundes, die auf der Meißner Straße in Radebeul leben, hatten Fuchswelpen unter ihrem Schlafzimmer. Der Deutsche Jagdverband empfiehlt bei Fragen zu Wildtieren im Haus und Garten das Ordnungsamt oder den Jäger zu informieren. Franziska Wolf-Berger weiß aus ihrer Erfahrung, dass der Jäger in solchen Fällen Füchse im Stadtgebiet mit einer Lebendfalle fängt. Am besten funktioniert das mit angebrannten Gummibärchen, Hundefutter oder Nutellabrötchen, hat sie vom Jäger damals erfahren.

Da der Fuchs ein jagdbares Tier ist, ist die Untere Jagdbehörde des Landkreises Meißen der Ansprechpartner zum Thema Füchse in der Stadt. Konkrete Aussagen zur Größe der Fuchspopulation kann sie aber auch nicht machen: „Zahlen werden in dem Zusammenhang nicht erhoben. Die von den Jägern gemeldeten Streckenzahlen bewegen sich in den letzten Jahren zwischen 900 und 1.500 Tieren.“ Ein Rückschluss auf die Entwicklung des Fuchsbestandes könne damit aber nicht gezogen werden.

Auch die Jagdbehörde bestätigt, dass Füchse in der Stadt keine Seltenheit sind: „Meldungen zu Füchsen in Siedlungsgebieten gab es zu jeder Zeit und auch das Vorkommen von Füchsen wird durch die Bürgerinnen und Bürger aus allen Kommunen im Landkreis flächendeckend gemeldet“, teilt die Jagdbehörde mit. In verwahrlosten unbewohnten Grundstücken finden sie einen sicheren Rückzug und innerhalb von Siedlungsgebieten auch ausreichend Futter: „Die Stadtfüchse fressen alles, was angeboten wird und in ihr Futterspektrum passt“, so die Jagdbehörde, „von Beutetieren wie Mäusen, Obst bis zum Haustierfutter und Speiseresten auf den Komposthaufen.“ Das Leben als Stadtfuchs sei für die Füchse ertragreicher als in Wäldern, im Grasland oder auf Äckern. In Berlin gibt es mittlerweile sogar einen Fuchs mit einem eigenen Instagram-Profil: Der Bergmannfuchs von der Bergmannstraße hat über 4.300 Abonnenten.

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