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Mehrkosten von über 100 Euro pro Jahr für eine vierköpfige Familie

Kühle Temperaturen lassen viele schon jetzt die Heizungen wieder anwerfen. Doch für viele Verbraucher wird das Heizen mit Gas ab diesem Monat teurer.

Wer mit Gas heizt, muss in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen.
Wer mit Gas heizt, muss in diesem Jahr tiefer in die Tasche greifen. © dpa-tmn

Die Beratungsstelle der Verbraucherzentrale Sachsen in Meißen hat kürzlich neue Angebote online gestellt: Pünktlich zum Herbstbeginn können sich die Bürger jetzt über das Einmaleins der Heizkostenabrechnung und darüber informieren, wie sie Heizkosten sparen können.

Möglich, dass mehr Meißner die Angebote in diesem Jahr nutzen als sonst. Die seit Langem steigenden Gaspreise, kommen ab diesem Monat auch bei vielen Verbrauchern an, denn etwa jeder zweite Haushalt in Deutschland heizt mit Gas. Bisher waren von den Preissteigerungen vor allem Großkunden betroffen. Jetzt legen die Energieanbieter die höheren Preise auf die Mieter um.

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Fast sechs Wochen ist das neue Schuljahr schon wieder alt – und damit möchten Kinder und Eltern ihre Herbstferien in ganz Sachsen und Umgebung genießen.

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat ermittelt, dass die Einfuhrpreise für Erdgas in den Monaten Januar bis Juli um 42 Prozent gestiegen sind. Die Gründe dafür sind unter anderem eine Knappheit in Asien und Europa und die noch sehr niedrigen Stände der Gasspeicher in Deutschland. Da das Frühjahr sehr kalt war, wurde mehr Gas benötigt, so das Vergleichsportal Verivox.

Deutschlandweit werden etwa 50 Versorgungsunternehmen ihre Gaspreise erhöhen, teilt das Vergleichsportal Check 24 mit: Im Schnitt steigen die Preise um neun Prozent, was bei einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden Mehrkosten in Höhe von 128 Euro verursacht.

Und wie sieht es bei den regionalen Anbietern vor Ort aus? Die Stadtwerke Meißen haben die Verbrauchs- und Jahresgrundpreise bereits seit Januar erhöht. Das Unternehmen versorgt 19.000 Kunden im Stadtgebiet Meißen mit Strom, Gas, Wasser und Fernwärme: „Davon haben wir derzeit zirka 3.340 Kunden in der Sparte Gas unter Vertrag“, sagt die Pressesprecherin, Lilly Schütze.

Hauptgrund der Erhöhung im Januar war der neu dazugekommene Preisbestandteil durch das Nationale Emissionshandelsgesetz: „Die somit eingeführte CO2-Steuer in Höhe von 0,55 Cent pro Kilowattstunde nimmt zirka zehn Prozent des Gesamtgaspreises ein“, sagt Lilly Schütze.

Müssen die Kunden der Stadtwerke Meißen durch die Gasknappheit erneut mit Preiserhöhungen rechnen? „Die Marktentwicklung, die wir aktuell sehen, hat es so in der Historie noch nicht gegeben“, so die Pressesprecherin. Die daraus resultierenden Kosten stünden noch nicht fest und eine Aussage zur exakten Höhe möglicher Preisanpassungen und zum Zeitpunkt könne man deshalb nicht machen.

Eine Versorgungsknappheit ist für das Stadtgebiet Meißen aktuell aber nicht absehbar: „Wir kaufen langfristig Gasmengen ein, die durch unsere Vertragspartner auch vorgehalten werden“, sagt Lilly Schütze. Bisher haben sich der Verbrauchspreis bei den Stadtwerken um 0,55 Cent pro Kilowattstunde und der Grundpreis um 1,55 Euro pro Monat erhöht. Viele Anbieterwechsel habe es laut Unternehmen daraufhin nicht gegeben: „Nahezu alle Kunden haben die Preisanpassung akzeptiert und Kundenwechsel fanden nur in kleiner Anzahl statt.“

Das Versorgungsunternehmen Sachsen-Energie mit Sitz in Dresden hat seine Gaspreise für die Kunden erst ab diesem Monat erhöht. Anfang dieses Jahres fusionierten der Dresdner Energieversorger Drewag und Enso zum neuen Unternehmen Sachsen-Energie. Im Landkreis Meißen versorgt es 13.000 Erdgaskunden.

Neben der CO2-Steuer gibt das Unternehmen steigende Kosten für den Erdgaseinkauf als Grund für die Preiserhöhung an: „Uns ist bewusst, dass jede Erhöhung der Erdgaspreise für unsere Kunden eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeutet“, sagt die Pressesprecherin des Unternehmens, Nora Weinhold, „aber diese Mehrbelastungen können wir nicht mehr auffangen.“

Ab dem ersten Oktober steigen die Verbrauchspreise um 0,65 Cent pro Kilowattstunde, aber die Grundpreise bleiben stabil. Viele Versorger hätten die Mehrkosten bereits zum Januar an ihre Kunden weitergegeben: „Unser Ziel ist es, die Preise so lange wie möglich stabil zu halten“, so Nora Weinhold, „bis zum 30. September haben wir die Mehrkosten getragen.“ Für die Kunden ergeben sich bei einem jährlichen Verbrauch von 12.000 Kilowattstunden 6,50 Euro Mehrkosten pro Monat. Bei einem Jahresverbrauch von 23.000 Kilowattstunden sind es 12,46 Euro im Monat mehr.

Vergleichsportale wie Verivox machen auf das Sonderkündigungsrecht zum Datum der Preiserhöhung aufmerksam. Die Kunden sollten sich dann auf den Vergleichsportalen nach günstigeren Anbietern umsehen. Wenn alle Versorgungsunternehmen die Preise anheben, bleibt die Frage, ob eine Kündigung etwas bringt. Die Stadtwerke Meißen raten zu niedrigeren Raumtemperaturen und einer effizienteren Nutzung durch das Warten, Einstellen und Lüften der Heizung. Außerdem sollte der Heizkörper immer freistehen. Das Unternehmen Sachsen-Energie weist darauf hin, dass keine Energie verloren gehen sollte: „Das erreicht man zum Beispiel mit dichten Türen und Fenstern und mit effizienten modernen Heizungsanlagen“, so Nora Weinhold.

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