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An diesem Wochenende laden vier Bühnen und mehr als 20 Leseorte zum Literaturfest – ausnahmsweise.

Daniel Bahrmann, der dem Organisatorenteam des Meißner Literaturfestes vorsteht, verteilt die druckfrischen Programmhefte.
Daniel Bahrmann, der dem Organisatorenteam des Meißner Literaturfestes vorsteht, verteilt die druckfrischen Programmhefte. © Claudia Hübschmann

Meißen. Lesen – in diesem Spätsommer hat diese Tätigkeit in Meißen mehrere Bedeutungen. Neben der Ernte in den Weinbergen verbindet sich das Wort auch mit dem Literaturfest, das an diesem Freitag beginnt. Auf dem Markt, hinter der Frauenkirche und auf dem Heinrichsplatz sind die Sessel für die Vorlesenden bereits aufgestellt. Im Laufe des Freitags kommen dann noch Bänke für die Zuhörer dazu, so dass das Lesefest um 16 Uhr offiziell eröffnet werden kann. Dazu wird Frank Goldammer auf der Lesebühne am Markt erwartet, der seinen Roman „Zwei fremde Leben“ vorstellt.

140 Lesungen listet das druckfrische Programmheft auf, das nun in Geschäften und öffentlichen Orten der Innenstadt ausliegt. Neben den Lesebühnen am Markt, am Heinrichsplatz, am Tuchmachertor und auf dem Theaterplatz können Einheimische und Gäste an über 20 weiteren Leseorten Geschichten, Erzählungen und Auszügen aus Romanen und Lieblingsbüchern lauschen. Mehr als die Hälfte der Texte wird übrigens von den Autoren selbst vorgelesen. Darauf weist Walfriede Hartmann hin, die als Sprecherin des ehrenamtlichen Vorbereitungsteams fungiert. 

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Die elfte Auflage des Meißner Literaturfestes, das sich zum größten eintrittsfreien Event dieser Art in Deutschland entwickelt hat, ist das erste Großereignis seit Monaten in der Stadt. Die Organisatoren um Kulturvereinschef Daniel Bahrmann hatten es – coronabedingt – vom angestammten Platz am zweiten Juni-Wochenende verschieben müssen. Weil die Behörden Großveranstaltungen bis Ende August untersagt hatten, wurde das erste September-Wochenende als Ausweichtermin ins Auge gefasst, um das Literaturfest auch in diesem Jahr stattfinden zu lassen. Dass das Lesefest im Spätsommer stattfindet, soll eine Ausnahme bleiben.

Die Veranstalter haben ein Hygienekonzept erarbeitet, das auf gegenseitiger Rücksichtnahme der Zuhörer beruht. Da viele Lesungen unter freiem Himmel stattfinden, sollten die üblichen Abstandsregeln eingehalten werden. Und wenn es allen Hoffnungen und Erwartungen der Veranstalter zum Trotz regnen sollte – „dann stehen Räumlichkeiten zum Ausweichen zur Verfügung“, sagt Walfriede Hartmann. Vom Markt aus können die Lesungen schnell ins historische Rathaus oder in den Gemeindesaal am Markt 10 ausweichen, vom Heinrichsplatz ins Stadtmuseum, vom Theaterplatz ins Theater. Innerhalb der Räumlichkeiten sollten dann allerdings Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden.

Neue Leseorte

„Neben den vertrauten Leseorten und Bühnen gibt es mit dem Gelände der Klosterruine Zum Heiligen Kreuz auf der Leipziger Straße und dem Heil- und Kräutergarten auf der Wiesengasse zwei zauberhafte neue Leseorte im Freien“, empfiehlt Walfriede Hartmann. Die Bühne für Kinder-und Jugendliteratur hat ihren angestammten Platz hinter der Frauenkirche am Tuchmachertor wieder. Dort auf der Wiese kann man der aus Wien angereisten ältesten Autorin des Lesefestes Gertrude Erbler lauschen, wenn sie aus „Das Kind der tausend Jahre“, ihren Kindheitserinnerungen der Zeit zwischen 1938 und 1945 liest.

Einen besonderen Höhepunkt kündigen die Organisatoren für Sonnabend an: Um 18.30 Uhr liest Ingo Schulze im Großen Ratssaal aus seinem in diesem Frühjahr erschienenen Roman „Die rechtschaffenen Mörder“. Wie wird ein aufrechter Büchermensch zum Reaktionär – oder zum Revoluzzer? Der Autor liest aus seinem Roman über den hoch geachteten Dresdner Antiquar Norbert Paulini und seine Wandlung zum Monster, die 40 Jahre Zeitgeschichte widerspiegelt.

Traditionell gehört der Theaterplatz am Literaturfest-Sonnabend den Poetry-Slamern. Aus deren Reihen liest ebenfalls am Sonnabend auf dem Marktplatz die junge Autorin Franziska Wilhelm. Um 14 Uhr liest sie aus ihrem Buch „Die schönsten Abgründe des Alltags“. „Wenn es nach Franziska Wilhelm ginge, gäbe es nicht nur ein Bundesverdienstkreuz für besondere, sondern auch eins für ganz normale Leistungen. Denn seien wir mal ehrlich: Ein normales Leben zu ertragen und durchzustehen, wird in dieser Welt immer schwieriger“, macht Walfriede Hartmann neugierig.

Der Meißner Literaturfestpreis wird am Sonntag um 17 Uhr durch den Schirmherrn Thomas de Maizière vergeben. Eine Jury unter der Leitung von Dr. Kerstin Schimmel von der Evangelischen Akademie wird ein Augenmerk besonders auf Nachwuchsautorinnen und Nachwuchsautoren legen. Den Preis stiftet der Rotary Club Meißen. Die Urkunde dazu gestaltet der belgische Künstler Bart Lefebure, der sich in der Görnischen Gasse angesiedelt hat.

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Die Lesefest-Macher freuen sich über die Unterstützung durch zahlreiche Sponsoren. Dazu gehört auch der „Lesewein“, den Weingüter der Region gemeinsam mit dem  Tourismusverein den Veranstaltern in diesem Jahr wieder spendieren. „So haben wir die Möglichkeit, uns bei den Vorlesenden mit einer Flasche hiesigen Weins zu bedanken. Und wir geben ihnen Gruß aus Meißen mit auf die Heimreise“, freut sich Walfriede Hartmann.

Eine Übersicht über alle Lesungen und Leseorte im Internet finden Sie hier.

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