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Meißen macht auf

Aus dem Riesenfass am Markt wird jetzt ausgeschenkt. Die Stadt bereitet sich auf die Rückkehr der Touristen vor. Rathauschef Raschke wagt eine Prognose.

Das Weingut Wackerbarth setzt den Startschuss: Veranstaltungsmanagerin Manuela Naumann und Meißens Marketing-Chef Christian Friedel weihen das Sachsen-Weinfass auf dem Markt ein.
Das Weingut Wackerbarth setzt den Startschuss: Veranstaltungsmanagerin Manuela Naumann und Meißens Marketing-Chef Christian Friedel weihen das Sachsen-Weinfass auf dem Markt ein. © Claudia Hübschmann

Meißen. Es dauert nur wenige Minuten, schon kann Wackerbarth-Mitarbeiter Steven Barke an diesem Montagvormittag den ersten Gästen durch die Luken seines Riesenfasses einen Schoppen reichen. Das ältere Pärchen dankt lächelnd und sucht sich einen Sitzplatz in der Sonne. Der Service steht stellvertretend für einen weiteren Schritt, den Meißen hin in Richtung Normalität macht.

Stadtmarketing-Chef Christian Friedel erinnert daran, dass es die Winzer waren, von denen die Initiative zu dem wechselnd besetzten Ausschank ausging. Jeweils ab Montag wird ein neues Weingut aus dem sächsischen Anbaugebiet für eine Woche lang zwischen elf Uhr und mindestens 18 Uhr seine Weine und Sekte präsentieren. Wird das Angebot gut angenommen, könnte es bis in den Spätsommer hinein laufen. Über den QR-Code auf dem Flyer des Riesenfasses lassen sich zusätzliche Informationen zu Wein und Winzern abrufen.

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Das Fass selbst erzählt ebenfalls eine spannende Geschichte. Kaum zu glauben: Es handelt sich nicht um eine Sonderanfertigung. Tatsächlich enthielt es von 1950 bis 2015 Rotwein des Weinguts Manincor aus Kaltern in Südtirol. 13.000 Liter konnte es aufnehmen. Seit mehreren Jahren dient es nun zu verschiedenen Anlässen als transportabler Ausschank. "Wir haben hier alles drin, was wir brauchen", sagt Wackerbarth-Mitarbeiter Steven Barke - angefangen von zwei Getränkekühlschränken, über Schränke für die Gläser bis hin zu einer Spüle.

Dort wo über 65 Jahre lang 13.000 Liter Rotwein lagerten, hat Steven Barke vom Weingut Wackerbarth jetzt für eine Woche seinen Arbeitsplatz. Er präsentiert in Meißen die Radebeuler Produkte.
Dort wo über 65 Jahre lang 13.000 Liter Rotwein lagerten, hat Steven Barke vom Weingut Wackerbarth jetzt für eine Woche seinen Arbeitsplatz. Er präsentiert in Meißen die Radebeuler Produkte. © Claudia Hübschmann

Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) möchte mit dem Startschuss für die neue Attraktion im Herzen der Altstadt das Signal ausgesandt wissen, dass die Stadt nach fast einem halben Jahr des Lockdowns erneut für ihre Besucher da ist. Am Montag lag die Sieben-Tage-Inzidenz den vierten Werktag in Folge unter dem Wert von 50. Sollte dieser Wert auch am Dienstag unterschritten werden, wird das Landratsamt handeln. Die Innengastronomie könnte mit Kontakterfassung ab Donnerstag wieder öffnen. Er hoffe, dass nach weiteren 14 Tagen mit Inzidenzen von unter 35 auch die lästige Testnachweispflicht wegfallen könnte, so OB Raschke.

Die Fortschritte im Kampf gegen die Pandemie kommen aus Sicht des 58-Jährigen genau zur richtigen Zeit. Er gehe davon aus, dass ähnlich wie vergangenes Jahr die Tourismussaison stark vom Urlaub im eigenen Land geprägt sein wird. Meißen mit seinen zahlreichen Angeboten für Individualtouristen könnte hiervon profitieren. Am Familienbad Wellenspiel wird mit Nachdruck daran gearbeitet, die Caravan-Stellplätze in Betrieb nehmen zu können. Wichtig sei dafür jedoch, dass das Hallenbad selbst mit seiner Gaststätte und der restlichen Infrastruktur geöffnet ist, so Raschke.

Ein Baustein kommt zum Anderen. Am Kindertag nimmt nach Angaben des Rathauses die Tourist-Info ihre Stadtführungen auf. Über dreißig Damen und Herren sind für die Tourist-Info als Stadtführerinnen und Stadtführer tätig. Sie nehmen die Besucher mit Fachkenntnis, Charme und Liebe zu ihrer Stadt mit durch die Gassen und über die Plätze Meißens. „Lange mussten wir warten und freuen uns nun, den Gästen unserer Stadt wieder spannendes präsentieren zu können“, sagt Gästeführerin Katrin Knüpfer, selbst Bürgerfrau mit Leib und vor allem Seele. „Viel Geschichte und viele Geschichten, wie jene rund um den Buchstabenstein oder die Meißner Fummel, warten darauf, erzählt zu werden.“

Wie wird man attraktiver Arbeitgeber

Aufbruchsstimmung hat ebenfalls die Gastronomie erfasst. Greifbar und sichtbar wird dies unter anderem durch den Wurst-und-Waffel-Stand des Domkellers vor dem Dom, auch wenn der Anblick bei Ästheten nicht auf Gegenliebe stößt. Chef Karsten Müller von den Müller-Restaurants liebäugelt allerdings damit, nicht mehr ewig auf solche Provisorien bauen zu müssen. Mit einem Termin kann jetzt schon der Blick von der Panoramaterrasse des Domkellers genossen werden. Auch am Ratskeller wetzen die Kellner übers Pflaster.

Mitarbeiter der Meißner Müller-Restaurants feiern die Zertifizierung des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber.
Mitarbeiter der Meißner Müller-Restaurants feiern die Zertifizierung des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber. © Müller Restaurants

Im Hintergrund haben Müller und seine Mannschaft in der Zwischenzeit zudem hart daran gearbeitet, das gastronomische Erlebnis in den Häusern des Restaurantverbundes weiter zu heben. Die Speisen im Domkeller werden auf neuem Porzellan serviert. Weiterhin hat das Unternehmen die vergangenen Wochen genutzt, um seine Arbeitsplatzkultur von den Beratern des Instituts "Great place to work" untersuchen zu lassen.

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"Gerade jetzt in der Corona-Zeit, wo sich viele Mitarbeiter in der Gastronomie anders orientiert haben, wollten wir wissen, ob wir als Arbeitgeber noch attraktiv sind und was unsere Mitarbeiter für wichtig empfinden, was eine attraktive Arbeitsplatzkultur beinhalten muss", so Karsten Müller. Trotz aller Widrigkeiten der Pandemie hätten die Müller Restaurants überdurchschnittlich gut abgeschnitten in der aus weit über 60 Fragen bestehenden Mitarbeiterbefragung. Das Ergebnis war eine offizielle Zertifizierung als attraktiver Arbeitgeber. Im Unternehmen sind zur Zeit 36 Mitarbeiter und vier Azubis beschäftigt.

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