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Meisterin Nadelöhr

Die Anneli-Marie-Stiftung bietet einen neuen Kurs in Meißen an. Anmeldungen sind ab sofort möglich.

Kreativ etwas gestalten steht hoch im Kurs: Deshalb hat die Anneli-Marie-Stiftung in Meißen die Schneidermeisterin Bettina Schlecht für einen Nähkurs engagiert.
Kreativ etwas gestalten steht hoch im Kurs: Deshalb hat die Anneli-Marie-Stiftung in Meißen die Schneidermeisterin Bettina Schlecht für einen Nähkurs engagiert. © Claudia Hübschmann

Meißen. Selbst nähen, geschweige denn eine Nähmaschine bedienen: Wer kann das heutzutage noch? Es gibt alles im Überfluss, vom kleinen bis zum großen Geldbeutel. Dennoch, so glauben Bettina Schlecht und die Anneli-Marie-Stiftung in Meißen, dass der neu angebotene Nähkurs für Kinder und Jugendliche sehr großen Anklang findet. „Einen solchen Kurs gibt es in Meißen noch nicht. Es gibt aber Interessenten. Selbst mein kleiner Sohn Moritz“, er ist neun Jahre alt, „möchte teilnehmen. Deshalb sind wir sehr optimistisch, dass unser Angebot angenommen wird“, sagt die Stiftungskoordinatorin Juliane Eisenmenger.

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Die Stiftung, im Andenken an ihre Tochter vor reichlich fünf Jahren von der Unternehmerfamilie Uwe Riße gegründet, fördert kreative Jugendarbeit. Im Portfolio fehlte dabei noch ein Nähkurs. Im Mittelpunkt dabei stehe das sogenannte Upcycling, also aus Altem Neues machen. Und das gefällt auch der gewonnenen Kursleiterin Bettina Schlecht besonders gut. Nach Erlernen der Grundfertigkeiten und dem Umgang mit einer Nähmaschine sollen erste kleine Arbeiten wie Kissen, kleine Mäppchen oder für die Älteren eine Tasche aus Stoffresten entstehen. Bettina Schlecht freut sich schon sehr auf ihre neue Aufgabe. Die 54-jährige Dresdnerin ist gelernte Herrenmaßschneiderin mit Meisterabschluss. „Ich finde es schön, dass ich mein Wissen weitergeben kann“, sagt sie.

Textilrestaurateurin im Militärhistorischem Museum

Nähen war schon immer Bettina Schlechts Leidenschaft. Gelernt hat sie es von ihrer Oma, selbst Schneidermeisterin. „Ich bin gefühlt neben der Maschine aufgewachsen“, erzählt sie mit einem Lachen. Besonders begeistert hat sie damals, dass sie sich ausprobieren konnte. „Zum Beispiel durfte ich die Unterhemden meines Großvaters im Waschhaus färben.“ Im Wendejahr, 1989, nähte Bettina Schlecht ihre Meisterarbeit, so wie rund 20 weitere Frauen. Es war eine verrückte Zeit, erinnert sie sich. Heute kaum noch vorstellbar. Alles, von der Stecknadel und dem Nähfaden über die Stoffe bis hin zur Nähmaschine und zum Bügeleisen sowie anderem nötigen Zubehör wie Schneidertische und Verlängerungskabel, mussten die Meisterschülerinnen selbst mitbringen. „Uns wurde nur ein großer leerer Raum, ein Fabrikgebäude, mit Elektroanschluss zur Verfügung gestellt“, erzählt sie erinnernd.

Heute, seit 2000, arbeitet Bettina Schlecht im Militärhistorischem Museum der Bundeswehr in Dresden in der Textilrestaurierung. Die Arbeit geht nie aus. „Wir haben einen großen Fundus an Uniformen und Fahnen“, sagt sie. Mehrere 10.000 Objekte liegen in einem Depot. Auch nach so vielen Jahren mache ihr diese Tätigkeit immer noch Spaß. Es gebe immer wieder neue Herausforderungen, denn das nötige Aufarbeiten einer Uniform soll am Ende nicht sichtbar sein.

„Wenn es losgehen darf, geht es los“

Zu Hause, so erzählt die Meisterin, habe sie ihre eigene Werkstatt. Schneidern für Familie und Freunde, das gehört in ihrer Freizeit dazu. Anne, ihre 25-jährige Tochter, ist beim Interviewtermin dabei. Die Studentin trägt eine Leinenhose, auch ein Upcycling-Stück, geschneidert von ihrer Mutter. Sie selbst habe nicht genügend Geduld zum Nähen. Trotzdem wurden ihr daheim die Grundfertigkeiten beigebracht, „mit einer Engelsgeduld, wenn etwas nicht geklappt hat“, sagt Anne.

Nun ist Bettina Schlecht voller Vorfreude, mit den Kursen in Meißen in der Leipziger Straße 12 zu starten: freitags, für Neun- bis Elfjährige von 14.30 Uhr bis 16 Uhr und von 16.30 bis 18 Uhr für Zwölf- bis 14-Jährige. Ein Startdatum kann die Stiftungskoordinatorin noch nicht nennen, Informationen dazu werde es auf der Homepage geben. Anmeldungen sind aber bereits jetzt möglich, unter der E-Mail [email protected] oder der Telefonnummer 0162 2744630. „Wir haben alles organisiert. Wenn es losgehen darf, geht es los“, sagt Juliane Eisenmenger.

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